Die Datenspeicherung in der Cloud eröffnet Unternehmen alternative Kommunikationswege Online-Backup kann mehr als Daten sichern

Autor / Redakteur: Kriemhilde Klippstätter / Rainer Graefen

Der Speicher in der Cloud hat seine angenehmen Seiten. Mal eben Bilder mit den Bekannten austauschen oder einige temporär kritische Dateien zwischenspeichern. Unternehmen sollten allerdings nicht unbedarft in das Abenteuer öffentlicher Datenspeicherung geraten.

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Ob Unternehmen wollen oder nicht, die Nutzung von Cloud-Speichern auch im beruflichen Umfeld hat sich bereits etabliert.
Ob Unternehmen wollen oder nicht, die Nutzung von Cloud-Speichern auch im beruflichen Umfeld hat sich bereits etabliert.
(Grafik: Osterman Research)

Erfolgt die Datenspeicherung nicht lokal vor Ort, sondern extern in einer Cloud, dann ergeben sich meist eine Reihe von Zusatzfunktionen, auf die heute viele Mitarbeiter nicht verzichten können – zu groß sind immer wieder einmal die Datenmengen, als dass sie sich alle per E-Mail austauschen ließen.

Die klassische E-Mail-Alternative für übergroße Datenmengen ist der FTP-Server (File-Transfer-Protokoll), der wie Cloud-Storage ebenfalls Datensynchronisierung, gemeinsamen Datenzugriff (Collaboration) und den Datenaustausch mit Kollegen, Kunden oder Lieferanten bietet. Die FTP-Lösung hat leider ihre Schwächen, da sie sehr generisch, sprich: umständlich, zu benutzen ist.

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Auf die Fallstricke achten

Der Nachteil von Lösungen à la Dropbox lag und liegt vor allem in den fehlenden Sicherheitsaspekten: Dateien sind einfach auszuspähen, wenn sie nicht verschlüsselt übertragen werden. Hacking führt häufig zum Zugriff auf Hunderttausende Benutzerkonten und unzureichende Mandantenfähigkeit lässt manchmal Einblicke in fremde Datenbestände zu.

Dazu kommt, dass von manchen Cloud-Providern behauptet wird, dass sie sich den Zugriff und die Benutzung auf die gespeicherten Daten per Satzung gestatten. Befand sich der Service-Anbieter im außereuropäischen Ausland, vorzugsweise in den USA, dann hatten die dort ansässigen Behörden und andere staatliche Stellen Einsicht in die elektronischen Unterlagen.

Mängel wie diese machten die kostengünstige Online-Speicherung untauglich für die unternehmenskritische Zwischenspeicherung. Dabei sind die Vorteile von virtuellen Festplatten, wie das Konzept auch genannt wird, so enorm, dass Unternehmen dieses Verfahren gerne nutzen wollen.

Amerikanische Firmen schreiten "mutig" voran

Und das, glaubt man dem Marktforschungsinstitut Enterprise Strategy Group (ESG), wollen immer mehr. Die Analysten befragten im vergangenen Jahr im Auftrag von Cloud Storage Provider Twinstrata 614 IT-Verantwortliche in den USA über ihre Cloud-Pläne.

Es zeigte sich, dass ein Drittel in den kommenden 36 Monaten plant, zehn bis 20 Prozent der IT-Ausgaben für Infrastrukturdienste in der Cloud ausgeben zu wollen, weitere 29 Prozent wollen sogar 21 bis 30 Prozent des IT-Budgets an externe Dienstleister vergeben.

Ein Hauptaugenmerk wird dabei auf der Verlagerung der Daten in die Cloud liegen, wie die Zahlen aus der ESG-Studie prognostizieren. Danach hat heute schon fast die Hälfte der Befragten (47 Prozent) 10 bis 30 Prozent des gesamten Datenvolumens des Unternehmens in die Cloud ausgelagert.

Ganze 27 Prozent der befragten IT-Verantwortlichen in den USA glauben, dass in den kommenden 36 Monaten 50 Prozent und mehr Unternehmensdaten bei Speicherdienstanbieter landen werden.

Das Marktpotenzial ist insofern enorm, was auch die zahlreichen Firmenübernahmen auf diesem Gebiet beweisen. Allein die texanische Dell hat im abgelaufenen Jahr mit AppAsure, Credant Technologies, Gale Technologies, Quest Software und SonicWALL fünf Firmen übernommen, die sich alle in irgendeiner Form mit Techniken zur sicheren Datenverlagerung und Speicherung befassen.

Wer profitiert am meisten?

Der US-Diensteanbieter Zetta.net hat für das Jahr 2013 Vorhersagen für Online-Backup und Disaster Recovery abgegeben. Danach profitieren kleine Unternehmen, Zweigstellen großer Firmen, Erziehungseinrichtungen und lokale staatliche Behörden am meisten von der neuen Art der Datenspeicherung.

Als Gründe nennt das Zetta.net-Papier die besseren Sicherheitsvorkehrungen der externen Anbieter im Vergleich zu dem, was in den Firmen vorhanden ist. Oftmals werden erst dadurch Compliance-Vorschriften erfüllt, die die herkömmliche Datensicherung, etwa auf Festplatten, nur selten bietet.

Zudem erhalten damit auch kleinere Unternehmungen Zugang zu Techniken, die sie sich sonst nicht leisten würden. Als Beispiel wird die kostengünstige Datenspeicherung von vier TByte an neuen Informationen in weniger als 24 Stunden genannt, auf die dann auch noch von überall auf der Welt aus zugegriffen werden kann.

Schließlich würden die Firmen auch noch sparen, so die Argumentation des Serviceanbieters: „Das Online-Backup von Servern kostet nur einen Bruchteil dessen, was sonst für Backup-Software, Speicher-Equipment, Support und Service notwendig ist – ganz zu schweigen, wenn man die Zeit und Ressourcen einberechnen würde, die für die Verwaltung unterschiedlicher Produkte und Hersteller aufzuwenden wäre.“

Spielarten von Online-Datenspeicherung

Unternehmen unterscheiden sehr wohl, welche Daten sie der Cloud anvertrauen und welche im Unternehmen bleiben sollen. Doch auch selbst wenn Daten ausgelagert werden, soll die Kontrolle dafür beim IT-Management bleiben.

Die Enterprise Strategy Group hat dafür den Begriff „Cloud integrated Storage“ (CiS) geprägt und jubelt: „CiS bietet eine großartige Kombination vom Besten aus der alten und der neuen Welt.“ Schließlich könne der IT-Administrator so agieren, als ob alle Daten vor Ort liegen. Das bedeutet, dass er auch Deduplizierungs- oder Caching-Algorithmen nutzen kann – auch wenn die Daten physikalisch weit entfernt in einer Public Cloud liegen.

Neben CiS macht derzeit noch eine andere Spielart von sich reden: Hybrid Backup 2.0. Darunter versteht man die Kombination zwischen replizierten Daten in der Cloud und einer „schlanken lokalen“ Kopie großer Datenbank-Files.

Im Gegensatz zur Version 1.0, die die Daten vor dem Versand zum Service-Provider im Unternehmen „zwischenspeichert“ und versandfertig macht, entfällt dieser Schritt bei Hybrid-Backup 2.0. Diese Technik steht in den USA gerade erst am Anfang der Entwicklung und soll in diesem Jahr flügge werden.

Das Synonym für Datenspeicherung in der Cloud heißt noch Dropbox

Das Online-Portal „Cloudsider“ untersucht unter anderem das Angebot von Online-Backup für den deutschen Raum. Für den Einsatz im Business-Bereich muss man sich allerdings durch die Testberichte arbeiten, weil wichtige Kriterien – wie der Standort der Datenhaltung – nicht in die Bewertung eingingen. Empfohlen werden aber unter anderem die Angebote von livedrive, SugarSync, Dropbox Business und Wuala Business. Zum Jahresanfang wurde das Angebot der englischen Firma livedrive zur „Cloud des Monats“ gekürt.

Die deutsche Antispameurope präsentiert mit „Hornetdrive“ einen „vollverschlüsselten Datenspeicher in der Cloud“, der dank End-to-End-Verschlüsselung den Zugriff Unbefugter ausschließen will und die Versionierung gemeinsam genutzter Dateien bietet. Selbst Mitarbeiter des Service-Anbieters haben nach Betreiberangaben keine Möglichkeit, auf die in Deutschland gelagerten Informationen zuzugreifen. Das System bietet zusätzliche Sicherheitsfunktionen wie die mehrfach redundante Speicherung und die Rechteverwaltung über definierbare Benutzerrollen.

Rechenexempel

Für den Datenaustausch haben die Entwickler die automatische Datenreplikation ebenso eingebaut wie die Möglichkeit der Synchronisierung auch von offline erstellten Dateien. Der Zugriff auf die Daten kann von PCs unter Windows, Linux und Mac OS und von Mobilgeräten unter Google Android sowie Apple iPhone und iPad erfolgen.

Es gibt eine Business-Lösung mit 10 GByte Platz und eine Enterprise-Variante mit 100 GByte Speichervermögen. Pro Nutzer entstehen Kosten von zwei Euro im Monat, erlaubt ist auch der kostenlose Zugang von Gästen, die bis zu 100 MByte Daten ablegen können.

Preiswerter, zumindest für ein Jahr, ist Hidrive von Strato, das für 100 GByte Datenvolumen erst im zweiten Jahr 4,90 Euro pro Monat verlangt. Bei einer Vertragslaufzeit von 24 Monaten sind das mit Einrichtungsgebühren etwas über 120 Euro.

Da man für diesen Preis auch eine externe Festplatte mit 1.000 GByte Kapazität bekommt, sollte man sich schon gut überlegen, ob sich die Verwandlung von Capex- in Opex-Kosten (Capital/Operational Expenditures) für das Online-Backup lohnt.

Fazit

Der Online-Speicherung bei Cloud Providern wird eine großartige Zukunft vorausgesagt, weil bequeme Zusatzfunktionen wie Collaboration und der Datenzugriff von unterwegs angeboten werden. Zudem scheinen die Mietangebote kostengünstig.

Ob sich Kosteneinsparungen für die Unternehmens-IT ergeben, ist unklar, da ja nur ein Teil der Unternehmens-Daten ausgelagert wird. Eventuell sind die Sicherheitsmechanismen der Dienstleister besser als das bei kleineren Firmen der Fall ist. Das dürfte allerdings keinen Einfluss haben, wenn die amerikanische Home-Security bei den US-Cloud-Providern anklopft.

Achten sollte man deshalb auf rechtliche Vorgaben – Stichwort Datenspeicherung im EU-Raum – sowie auf Mandantenfähigkeit, Verschlüsselung zumindest bei der Datenübertragung und dem Absichern gegen Zugriffe Dritter auf die gespeicherten Daten.

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