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Interview mit Microsoft-Geschäftsführer Christian Illek „Ohne Vertrauen lassen sich die Potenziale der IT nicht heben“

| Autor / Redakteur: Das Interview führte Michael Hase / Florian Karlstetter

Für Christian Illek, Deutschlandchef von Microsoft, ist nach der NSA-Affäre das Vertrauen in die Sicherheit von IT gestört. Im Gespräch erläutert der Manager, wie Microsoft mit einem „New Deal“ zwischen Industrie, Politik und Anwendern eine „balancierte Diskussion“ über Chancen und Risiken anstoßen möchte.

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Christian Illek, Deutschlandchef von Microsoft, bezieht die Vertriebspartner in den „New Deal“ ein.
Christian Illek, Deutschlandchef von Microsoft, bezieht die Vertriebspartner in den „New Deal“ ein.
(Bild: Alex Schelbert)

Zur CeBIT habe Sie einen New Deal für die digitale Wirtschaft gefordert. Was hat Sie dazu bewogen?

Illek: Nach allem, was in den vergangenen Monaten über staatliche Abhörprogramme veröffentlicht wurde, ist das Vertrauen in die IT-Sicherheit in Deutschland gestört. Vertrauen ist aber das wichtigste Gut, wenn wir als Industrie das Nutzenpotenzial unserer Innovationen entlang der vier Megatrends Social Communication, Mobile Internet, Cloud und Big Data heben wollen. Ohne Vertrauen werden sich die Anwender bei der Annahme der innovativen Services zurückhalten. Um das Vertrauen zurückzugewinnen, ist es notwendig, dass drei Gruppen, nämlich IT-Industrie, Politik und Anwender, aktiv an einem New Deal für die digitale Wirtschaft arbeiten.

Als Hersteller gehört Microsoft zur Industrie. Was sollen IT-Unternehmen zu dem New Deal beitragen?

Illek: Erstens müssen sie ihre Produkte sicherer machen. Wir werden dazu standardmäßig unsere Plattformen und Services verschlüsseln ebenso wie den Datenverkehr – zwischen Microsoft und den Kunden sowie zwischen unseren Rechenzentren. Das werden wir auf Basis der bestmöglichen Krypto-Technologien tun. Zweitens sollten alle IT-Unternehmen transparent darüber Auskunft geben, in welchem Umfang sie Kundendaten sammeln und wie sie damit umgehen. Microsoft veröffentlicht alle sechs Monate den Law-Enforcement-Bericht, aus dem hervorgeht, wie wir auf Behördenanfragen zu Kundendaten reagieren. So hatten wir in den vergangenen zwölf Monaten weltweit 19 rechtlich begründete Anfragen zu Geschäftskunden, von denen wir nur fünf nachgekommen sind. Alle Anfragen bezogen sich dabei auf US-Unternehmen. Drittens geben wir Behörden selektiv Einblick in unseren Quellcode. Gelegentlich wird ja berichtet, dass US-Anbieter Backdoors in ihre Produkte einbauen. Für Microsoft trifft das definitiv nicht zu.

Wie geht Microsoft konkret damit um, wenn Behörden die Herausgabe von Kundendaten fordern?

Illek: Wir haben alle die Aufgabe, die Rechte unserer Kunden hinsichtlich ihrer Daten maximal zu schützen. Microsoft informiert Kunden, sobald eine entsprechende Anfrage vorliegt. Wenn uns eine Stelle mit einem Embargo belegt, sodass wir nicht darüber reden dürfen, gehen wir juristisch dagegen vor. Grundsätzlich vertritt Microsoft einen klaren rechtlichen Standpunkt: Wenn Kundendaten in einem ausländischen Rechenzentrum, etwa in Irland, liegen und eine US-Behörde, zum Beispiel die NSA, dazu eine Anfrage hat, so sind wir nicht verpflichtet, solche Daten herauszugeben, und werden uns auch juristisch dagegen wehren.

Lesen Sie weiter, was Microsoft von der Politik erwartet.

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