Open Allerlei statt Open Source? (Teil 3)

„Offen genug“ ist nicht genug

| Autor / Redakteur: Ludger Schmitz * / Florian Karlstetter

Was ist geblieben vom Hype um Open Source? Allerlei, dies zeigt ein dreiteiliger Trendbeitrag des langjährigen Open-Source-Spezialisten Ludger Schmitz.
Was ist geblieben vom Hype um Open Source? Allerlei, dies zeigt ein dreiteiliger Trendbeitrag des langjährigen Open-Source-Spezialisten Ludger Schmitz. (© Sebastian Kaulitzki - Fotolia.com)

Der Rummel um Open Data, Open Access, Open Government etc. könnte Open Source Vorschub leisten – muss er aber nicht. Für IT-Anbieter bieten sich neue Geschäftsmöglichkeiten, Anwender sollten konsequent Offenheit einfordern.

Es ist nicht abzusehen, ob Open Source vom Hype um andere Open-Themen profitieren wird. Positiv könnte nach Ansicht von Peter Ganten, Vorsitzender der Open Source Business (OSB) Alliance, vor allem ein Faktor wirken: „Das Erscheinen weiterer Open-Themen ist auch für Open Source eine Chance, weil das vor Jahren Manchem noch schwer zu vermittelnde, grundlegende Konzept, nämlich geistiges Eigentum zu teilen und dadurch am Ende selbst auch erfolgreicher zu sein, schneller verstanden wird.“

Aber es könnte auch anders ausgehen, nämlich darauf hinauslaufen, dass das Bewusstsein über die Bedeutung von Open Source – im Kern Verfügung über quelloffenen Code sowie das Recht, ihn zu verändern und weiter zu verbreiten – schwindet. Stockproprietäre IT-Hersteller könnten sich als offen verkaufen, wenn ihre Produkte die technische Basis für Open-Data, -Access- oder -Government-Projekte werden. Wir sind ja „offen genug“.

Das sollte für Open-Source-Anbieter Konsequenzen haben, besonders wenn reine Kostenkalkulationen von Open-Irgendetwas-Projekten die Vorteile von offenem Sourcecode auf eine monetäre „Business Proposition“ reduziert. So erklärt Ganten: „Wir sehen es deswegen als eine unserer Aufgaben an, den Markenkern, die grundlegenden Eigenschaften von Open-Source-Software, und den damit verbundenen Nutzen erkennbar zu halten.“ Die Open-Source-Anbieter müssen also unverändert mehr tun, als ihre Produkte über Features verkaufen: Sie müssen wie bislang auch noch Open Source verkaufen.

Elmar Geese, Vorstandsmitglied in der OSB Alliance.
Elmar Geese, Vorstandsmitglied in der OSB Alliance. (Bild: Geese/Tarent)

„Nicht anders als bisher“ sollten sich Open-Source-Anbieter aufstellen, meint daher Elmar Geese, Vorstandsmitglied in der OSB Alliance, dessen Bonner Firma Tarent mit Open-Government-Projekten Erfahrung hat. Er erwartet durch den Hype um Open Irgendetwas „weder positive noch negative Einflüsse“. Geese: „Trittbrettfahrer gibt es im Open-Trend auch. Aber Teilhabe schlägt bloße parasitäre Nutzung.“ Die Anwender würden es schon merken: „Wir, die Open-Source-Bewegung, waren die ersten, die durch das Prinzip Offenheit wirtschaftliche und gesellschaftliche Erfolge erzielt haben. Projekte wie Open Streetmap und Wikipedia zeigen, was alles möglich ist, wenn die Hürden kleiner sind als der Erwerb von Ingenieursfertigkeiten.“

Es sind die Anwender, welche die Latte hoch legen sollten. Wenn sie sich öffnen müssen, dürfen sie das Gleiche von ihren IT-Lieferanten und Dienstleistern erwarten. Der Trend zur Offenheit kann keine einseitige Veranstaltung werden. Nur vordergründig lässt sich an Open-Projekte wie an andere IT-Vorhaben auch herangehen: Was wird bezweckt, wer soll davon einen Nutzen haben, was müssen entsprechende technische Ziele sein, wie lässt sich das Ganze finanzieren und technisch umsetzen?

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