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Interview mit Carlos Escapa, Unitrends, über die Umwälzungen bei Backup/Restore und DR Nur Festplatten unterstützen hohe Backup-Frequenzen preiswert

Autor / Redakteur: Walter Schadhauser / Rainer Graefen

Backup-Hersteller reagieren verstärkt auf die Umwälzungen, die Virtuelle Maschinen und Cloud Storage in Gang gesetzt haben. Während der Tape-Markt beständig schrumpft und weiter von Tape-Dateisystemen kombiniert mit SSDs träumt, praktizieren kommerzielle Anwender neue Wege bei der Datenverfügbarkeit. Storage-Insider sprach mit dem Backup-Hersteller Unitrends.

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Carlos Escapa, Senior VP of DR Products bei Unitrends
Carlos Escapa, Senior VP of DR Products bei Unitrends
(Unitrends)

Storage-Insider: Ändert sich das Backup, oder bleibt es wie es schon immer gewesen ist?

Carlos Escapa: Die Umwälzungen auf dem Backup-Markt sind bereits in vollem Gange, was daran zu erkennen ist, dass sich die Marktanteile zwischen alteingesessenen Anbietern dramatisch verschieben.

Viele bisher unbekannte Anbieter drängen mit neuen Technologien auf den Markt, die die Virtualisierung und die Cloud dazu einsetzen, aggressivere RTOs/RPOs sowie ein anwendungssensibles Disaster Recovery zu einem wesentlich günstigeren Preis als mit physischen Systemen bieten zu können.

Andere Backup-Hersteller können inzwischen das Backup virtueller Maschinen ohne Restore-Prozess starten. Wie ist das bei Ihrem Produkt?

Carlos Escapa: Natürlich bieten auch wir ein Instant Recovery, also eine sofortige Wiederherstellung. Wir können auch einen physischen Server dynamisch per P2V-Konvertierung (also physisch zu virtuell) sofort als VM wiederherstellen und die VM später wieder zurück in einen physischen Server umwandeln.

Nutzen Kunden Instant Recovery oder ist diese Funktion– vor allem wenn sie in der Cloud gestartet wird – zu langsam?

Carlos Escapa: Diese Funktion läuft mit der gleichen Geschwindigkeit wie eine lokale Lösung. Nur wenn die Netzwerkverbindung zur Cloud stocken würde, wäre sie langsam.

Angesichts einer durch moderne Prozessortechnik steigenden Anzahl von virtuellen Maschinen hat der klassische Backup-Prozess seine Grenzen erreicht. Fachabteilungen wollen bei SLAs mitbestimmen und selbst für die Datensicherheit ihrer Anwendungen sorgen. Wie sieht man das bei Ihrem Unternehmen?

Carlos Escapa: Es ist sehr verständlich, dass Fachabteilungen ihre maximalen Ausfallzeiten möglichst kurz halten möchten und ihr Hauptaugenmerk auf der Verfügbarkeit der Anwendungen liegt. IT-Abteilungen tendieren hingegen dazu, ihre SLAs eher auf die Verfügbarkeit der Infrastruktur auszurichten.

Der Zwang zur Einhaltung von Richtlinien und Auflagen lässt das Bedürfnis nach einer Überbrückung dieser unterschiedlichen Sichtweisen wachsen, daher werden Zeitvorgaben für die Systemwiederherstellung zunehmend auf Geschäftsfunktionen und nicht nur auf die Verfügbarkeit der Infrastruktur ausgerichtet.

Modernes Backup funktioniert angesichts von Funktionen wie Change Block Tracking (CBT) nicht ohne Festplatten. Und auch der Restore von Band dürfte sich angesichts Datenmenge und Verfügbarkeitsanforderungen überlebt haben. Stimmt das?

Carlos Escapa: CBT ist eine leistungsfähige Methode zur Identifikation von Datenblöcken, die in Backupspeicher kopiert werden müssen, und der Einsatz von Hypervisoren dafür ist sehr effizient. Dadurch wird ermöglicht, Backups mit geringerem Mehraufwand und viel häufiger durchzuführen.

Diese hohe Frequenz von manchmal nur 15 Minuten macht den Einsatz von Bandlaufwerken für diesen Fall impraktikabel. Die Verwendung von Tapes bleibt künftig Compliance- und Auslagerungszwecken und in manchen Fällen der Langzeitarchivierung vorbehalten, aber dieses Medium leidet trotzdem unter der schnellen Veralterung und hohen Fehlerrate. Der einzige Vorteil im Vergleich zu Festplatten ist die wesentlich bessere CO2-Bilanz.

Wieviel Prozent Ihrer Backup-Software-Anwender speichern inzwischen Daten in der Cloud?

Carlos Escapa: Wir führen darüber keine Aufzeichnungen, aber Informationen dazu sind bei Analysten wie Gartner verfügbar. Fast alle Kunden setzen Cloud-basierte Speicher in irgendeiner Form, wie z. B. für Benutzer-Ordner oder SaaS ein.

Disaster Recovery aus der Cloud befindet sich noch in einem frühen Entwicklungsstadium, wächst aber rasch und das Unitrends Service-Provider-Programm ist derzeit unser am schnellsten wachsendes Segment.

Die Verfügbarkeit unternehmenskritischer Daten erfordert, dass diese Daten gespiegelt werden. Mittels einer Sicherheitskopie in der Cloud wie auch Snapshots sind die wichtigen Daten eigentlich gut geschützt. Ist es da nicht langsam möglich, auf das Tape-Backup zu verzichten?

Carlos Escapa: Man kann schon sagen, dass die Verwendung von Bändern für Disaster Recovery-Zwecke aufgegeben wird, da sie zu langsam und unvorhersehbar sind. Auch Dateiwiederherstellungen werden heute direkt von der Festplatte durchgeführt.

Tapes können bei der Einhaltung von Compliance-Anforderungen hilfreich sein und sie werden häufig in Geschäftsprozessen verwendet, mit denen bestimmte Vermögenswerte, darunter auch Papierdokumente, geschützt werden.

Wir gehen davon aus, dass diese Prozesse noch eine Weile so fortgesetzt werden, obwohl es irgendwann das Beste sein wird, auf preiswerte Cloud-basierte Speicher zu migrieren, vorausgesetzt die Probleme mit der Verfügbarkeit der Netzwerkbandbreite und der Datenhoheit sind vollständig im Griff.

Beschreiben Sie bitte, was die gravierenden Veränderungen beim Disaster Recovery in den letzten drei Jahren sind?

Carlos Escapa: Inzwischen werden Replikation und Orchestrierung in allen Unternehmen eingesetzt und sogar in KMUs sind heutzutage Notfallwiederherstellungspläne zu finden, die vor gerade einmal 5 Jahren nur sehr großen Unternehmen zur Verfügung standen. Wir sehen, dass KMUs zunehmend zwischen Rechenzentren, an MSPs und in die Cloud replizieren.

Dieser Trend erreicht derzeit ein Reifestadium und wird sich noch beschleunigen. Der nächste Schritt wird sein, DR-Prozesse an DR-Spezialisten outzusourcen, die SLAs einhalten und Anforderungen von Buchprüfern und Regulierungsbehörden erfüllen können.

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