News-Kioske kanalisieren die Informationsflut

Moderne Zeitungsmacher filtern die Cloud

| Autor / Redakteur: Ralph Dombach / Elke Witmer-Goßner

Die Online-Zeitung „Werners Cloud Computing Daily“ erlaubt einen täglichen Blick auf die aktuellsten Meldungen rund um das Thema Cloud, aggregiert mit Paper.li.
Die Online-Zeitung „Werners Cloud Computing Daily“ erlaubt einen täglichen Blick auf die aktuellsten Meldungen rund um das Thema Cloud, aggregiert mit Paper.li. (Bild: Paper.li)

Wissen Sie, was ein Zettabyte ist? Diese Größeneinheit entspricht einer Milliarde Gigabyte – und stellt die Menge an Informationen dar, die wir im Jahr 2010 gespeichert haben. Eine IDC-Studie geht davon aus, dass sich die Menge der Informationen dabei alle zwei Jahre verdoppelt. Wer bei dieser Informationsflut die für ihn wichtigen Informationen finden will, muss sich eine gute Strategie überlegen.

Das Thema der Informationsbeherrschung ist eine bekannte Herausforderung. Mit zunehmender Informationsmenge, wird die Suche nach relevanten Daten immer schwieriger. Bei statischen Daten, wie sie im Buchbestand einer Bücherei existieren, hat man gute Methoden zur Verwaltung und auch zur Recherche gefunden. Die Suche nach dynamischen Daten, die auf Presseportalen, News-Channels, Firmen-Webseiten, Foren, Fotoalben oder Blogs veröffentlicht werden ist aber nach wie vor aufwändig.

Über RSS-Reader, Webcrawler, Suchmaschinen, Themenseiten und Mashup-Services versucht man, die Informationen zu filtern und auf das Wesentliche zu konzentrieren. Abhängig von der gesuchten Information, der Verfügbarkeit von relevanten Daten und den eigenen Ansprüchen ist dies unterschiedlich erfolgreich. Eine universelle Lösung, die den unterschiedlichsten Ansprüchen gerecht wird, ist derzeit nicht in Sicht! Wer individuell Informationen sucht, sollte daher auch individuell nach Lösungen suchen.

Ein Aggregator bündelt Informationen aus diversen Quellen oder zu einem bestimmten Thema. Bekannte Services sind hier u.a. Google-News, Techmeme oder Rivva . Das Angebot an Tools und Services ist in diesem Umfeld sehr umfangreich. Aktuell geht der Trend hin zum anspruchsvolleren Aggregator. Die Tools, die nur eine Überschrift und URL anzeigen, haben den Kampf um die Gunst des Kunden verloren. Aktuelle Produkte müssen mehr bieten. Ein Kurztext (Teaser), ein passendes Image, eine Bewertung oder eine Kategorisierung sind heute Standard. Pluspunkte sammelt man auch beim Layout und der Bedienbarkeit. Wie so oft ist Einfachheit Trumpf und eine durchdachte Oberfläche, die einen Mehrwert bietet, spricht den Nutzer besser an.

Schon Cicero, der römische Redner und Philosoph (106 v.Chr. bis 43 v.Chr.) erkannte: „Die Gewohnheit ist eine zweite Natur“. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass man das Neue oft in das Gewohnte verpackt, um die Wiedererkennung zu verbessern. Diesen Weg geht auch Paper.li – ein Produkt des 2007 gegründeten Schweizer Startups SmallRivers. Paper.li ist ein News-Aggregator, der den gesammelten Informationen die Optik einer klassischen Papier-Zeitung verleiht. Dargestellt wird eine Zeitungs-Titelseite, die einen Überblick zu den aktuellen Themen gibt und zusätzliche Themen-Gruppierungen per Link anbietet. Zu den Mitbewerbern von Paper.li zählen „The Tweeted Times“, Postano und auch eingeschränkt Flipboard (nur für iPAD und iPhone verfügbar). Eine Analyse von AppAppeal zeigt, dass im europäischen Markt die Produkte Paper.li, BuzzFeed und FriendFeed dominieren. Innerhalb Deutschlands ist Paper.li mit 5,3 Prozent Nutzungsquote der am häufigsten genutzte Aggregator.

Welches Kiosk-System sich für wen eignet

Die Entscheidung, welcher Aggregator nun der „Beste“ ist, lässt sich nicht allgemeingültig treffen. Jedes Produkt bedient unterschiedliche Zielgruppen und setzt eigene Prioritäten. Paper.li ist gratis und erfordert einen Twitter-Account, um eine eigene Zeitung zu generieren. Zusätzlich zu Twitter-Veröffentlichungen können weitere Ressourcen für die News-Recherche angegeben werden. Einfach zu bedienende Filter erlauben eine weitere Detailierung des Contents. Die Online-Zeitung wird zweimal täglich automatisch aktualisiert und über www.paper.li als Webseite, aufbereitet. Im Oktober 2012 modifizierte Paper.li sein Layout. Durch die Nutzung eines responsiven Designs wird die Ausgabe nun auch auf unterschiedlichen Medien wie Bildschirm, Tablett und Smartphone besser dargestellt.

Auch bei The Tweeted Times (TTT) legitimiert ein Twitter-Account den Einstieg. TTT analysiert die Veröffentlichungen der Accounts, denen man folgt und bildet aus dieser Tweet-Menge den zu veröffentlichenden Inhalt. Über einen Scoring-Algorithmus werden die am häufigsten veröffentlichten Tweets höher bewertet (Popularität) und an erster Stelle abgebildet. Die Nutzung von TTT ist kostenlos.

Postano ist kostenlos in einer Einsteiger-Variante nutzbar. Wer mehr möchte, kann unter drei kostenpflichtigen Lizenzmodellen wählen. Dieser Service bietet die größte Auswahl an nutzbaren Ressourcen. Neben den Standards sind auch Flickr, Vimeo, Pinterest, Instagram und weitere im Angebot. Das erstellte Newspaper kann via Facebook oder auf einer eigenen Webseite veröffentlicht werden (Einbau via Javascript).

Das Layout einer Zeitung bildet Paper.li allerdings am besten nach und erreicht damit auch seine Leser. Die Darstellungsformen von „The Tweeted Times“ und Postano gleichen sich im Layout, lassen sich aber noch individuell anpassen – vor allem Postano bietet hier, auch in der Free-Edition, bereits verschiedene Optionen. Der Scoring-Algorithmus von TTT ist ein durchdachtes Feature, das wichtige bzw. interessante Nachrichten auch zuerst anzeigt.

Einfachheit siegt

Mit jedem der der drei angesprochenen Aggregatoren ist es möglich, nach einer 15-minütigen „Redaktionssitzung“ bereits ein optisch ansprechendes Ergebnis in Händen zu halten. Detailarbeiten sind aber bei allen Toolergebnissen empfehlenswert, da diese die optische Darstellung verbessern und die gewünschte Informationsqualität genauer auswählen. Die Anforderungen der einzelnen Zeitungsmacher sind verschieden, aber mit Paper.li ist man in einer guten Startposition. Die spartanische graphische Benutzeroberfläche erleichtert den Einstieg und zentriert den Blick auf das wesentliche – die Informationsauswahl. Das ganze Drumherum übernimmt Paper.li eigenständig.

Wie Paper.li und Co. funktionieren

Was man benötigt, ist ein Account in einem sozialen Netzwerk. Hierbei wird Twitter ebenso unterstützt, wie Facebook. Der Einfachheit halber sei für die nachfolgenden Ausführungen, ein Twitter-Konto als gegeben vorausgesetzt. Über den Twitter-Account meldet man sich bei Paper.li an und beginnt damit, seine eigene Zeitung zu entwerfen. Dazu bedarf es eines frei wählbaren Zeitungsnamen und einer Definition der zu verwendenden Quellen.

Quellen sind dabei für Paper.li Informationen, die bereits veröffentlicht sind. Dies kann eine Information in einem RSS-Feed sein, ein in Twitter veröffentlichter Tweet oder ein Schlüsselwort bei Google+. Bis zu zehn Quellen können so als Input für die eigene Zeitung genutzt werden. Dabei erleichtert ein Filtermechanismus die Spezifikation. Dieser ermöglicht es, nur die Informationen auszuwählen, die man benötigt. Sucht man beispielsweise zum Thema Security Informationen, wählt man den Twitter-Account aus, der diese bietet. In der Feinabstimmung negiert man dann die Begriffe, zu denen man keine Informationen wünscht oder nennt die Begriffe, die zwingend enthalten sein müssen. Relevante Informationen werden dann in das Artikelset übernommen.

So sind beispielsweise in der Paper.li-Zeitung „Deutschsprachige Sicherheitsinformationen“ Security-News aggregiert, die in deutscher Sprache verfasst sind und den Schwerpunkt Malware (Viren, Trojaner, etc.) abdecken. Dieses Newspaper vermittelt einen Szene-Eindruck von den aktuellen Tagesthemen. Die gewünschten Zielinformationen veröffentlichen Sicherheitsfirmen, Antivirenhersteller, Computerzeitschriften, Beratungsunternehmen und Privatpersonen.

Erfreulicherweise unterstützt Paper.li auch eine Sprachauswahl bei der Informationssuche. Man sollte aber bedenken, dass dies zu einer Reduzierung der generellen Informationsmenge führt, da englischsprachige Inhalte dominieren. Die Konfiguration geht dabei umso flotter von der Hand, je genauer die Informationsquellen ausgewählt werden können. Existieren beispielsweise bereits Twitter-Listen von Accounts, die Infos zu den gewünschten Themen veröffentlichen, so lässt sich die Quellendefinition zügig erledigen. Als letzte Aktion wählt man noch einen Veröffentlichungszyklus, der einmal täglich sein kann, zweimal täglich erfolgt oder auch nur einmal pro Woche.

Ausprobieren statt Studieren

Das sofortige Erstellen einer Zeitung mit den aktuellen Parametern ist leider nicht möglich, so dass man für eine Erfolgskontrolle immer auf die nächste Ausgabe der Zeitung warten muss. Paper.li plant Erweiterungen und sammelt dazu auch Anregungen aus der Community. Nach eigenen Angaben sind dies derzeit zwei Millionen User, die 150.000 Online-Zeitungen publizieren. Bisher veröffentlichte Paper.li aber noch keine Roadmap, wie es weitergehen soll. Aktuell wurde aber ein PRO-Modus eingeführt, der es gegen Zahlung von monatlich 9 US-Dollar erlaubt, zusätzliche Layout- und Inhalts-Parameter der Zeitung zu beeinflussen. Ein klassisches Handbuch gibt es für Paper.li übrigens nicht – wohl aber einen Blog und ein gepflegtes Hilfesystem mit How-To-Anweisungen, das bei den typischen Startproblemen weiterhilft. Auch der Direkt-Support via Formular gibt zügig eine kompetente Antwort.

Für eine Zeitung, die einen Mehrwert bieten soll, ist es zwingend erforderlich, zu wissen, welches Resultat bzw. welche Zielinformation herauskommen soll. Im Prinzip kennt das jeder von der Suche im WWW. Je präziser man die gesuchte Information beschreibt, umso besser das Suchergebnis. Wenn man die Twitter-Accounts, Facebook-Pages, Presse-Seiten und RSS-Feeds kennt, die Zielinformationen veröffentlichen, lässt sich das gewünschte Ergebnis gut eingrenzen. Weitere Detaillierungen können dann über Filter vorgenommen werden.

Quellen lassen sich bei Twitter finden, indem man via http://search.twitter.com nach typischen Schlagworten sucht und so Accounts aufspürt, die zum Thema posten. Fachzeitschriften und Blogs bieten oft RSS-Feeds an. Auch diese kann man problemlos einbinden und so interessante Texte aufführen. Praktische Tipps zu weiteren Quellen findet man im Paper.li-Hilfesystem. Ansonsten gilt, einfach etwas zu experimentieren. Damit ist Paper.li ein anwendungsfreundlicher Service, der eine selektive Auswahl von Informationen in einem ansprechenden Layout generiert. Wer die Informationsflut besser in den Griff bekommen will, der sollte etwas Zeit in Paper.li investieren und selbst einmal sein Glück als Zeitungsmacher versuchen.

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