Das Potenzial von Model-driven Software Development (MDSD) ausschöpfen

Modellgetriebene Entwicklung beschleunigt agile Software-Projekte

| Autor / Redakteur: Bernd Linowski * / Florian Karlstetter

Effizienter Know-how-Transfer

Die Herausforderung besteht darin, das gewonnene Wissen wiederverwendbar zu machen. Folgende Maßnahmen helfen dabei:

  • Dokumentation als integralen Bestandteil von Metamodell, DSL und Transformationen betrachten: Ähnlich wie bei JavaDoc sollte die Dokumentation parallel zu den genannten Komponenten erstellt werden. Denn die Halbwertszeit von Wissen ist oft extrem kurz.
  • Wissen gemeinsam dokumentieren.
  • "Kochbuch" erstellen: Die größte Herausforderung bei MDSD besteht darin, herauszufinden, mit welchen Mitteln man welche Resultate erzielt. Hilfreich ist ein Rezeptbuch das typische Problemstellungen aus der Anwendungsdomäne behandelt.
  • Anleitungen kurz halten: Erfahrungsgemäß schwindet der Nutzen eines Dokuments, je voluminöser es ist.

Optimierung des Ganzen

Mary und Tom Popendieck stellen in ihrem Werk "Implementing Lean Software Development" fest: "Brillante Produkte entstehen durch die Kombination von günstiger Gelegenheit und Technik". Das gilt auch für die modellorientierte Entwicklung. Zwar ist Technik ein wichtiger Aspekt; oftmals führt jedoch die Fehleinschätzung von potenziellen Anwendungsfeldern dazu, dass MDSD nur unzureichend zur Optimierung des Ganzen beiträgt.

Kennzeichen einer "günstigen Gelegenheit" sind:

Inhärente Komplexität: Eine Tätigkeit leistet dann einen wichtigen Beitrag zur Schaffung eines Endprodukts, wenn sie ein erhebliches Maß an mentaler Anstrengung erfordert. In diesem Sinne sollte sich auch MDSD der zentralen Probleme annehmen. Das vermeintliche Musterbeispiel für MDSD, das Generieren großer Mengen von "Boilerplate Code", adressiert dagegen eher eine unbeabsichtigte Komplexität und trägt nur bedingt zur Wertschöpfung bei.

Relevanz: Könnte man die Ergebnisse, die ein MDSD-Prozess liefert, auch weglassen, besteht die Gefahr, dass MDSD als zu komplex oder zu teuer eingestuft wird.

Häufigkeit: Sind während der Entwicklung eines Produktreleases nur wenige Male Artefakte aus Modellen abzuleiten, sollte man den Einsatzvon MDSD hinterfragen.

Ausmaß: Oft sind es die Menge der zu verarbeitenden Informationenoder die große Zahl der zu generierenden Artefakte, die den Einsatz von MDSD rechtfertigen. Bis zu einem gewissen Grad kann das Ausmaß einer Aufgabe mangelnde inhärente Komplexität kompensieren. Das gilt jedoch nicht für fehlende Relevanz oder Häufigkeit.

Da Software-Produktionsprozesse heute meist unter wirtschaftlichen Aspekten bewertet werden, sollte das volle Optimierungspotenzial von MDSD ausgeschöpft werden:

  • MDSD kann den Koordinationsaufwand verringern, etwa durch systemübergreifendes Bereitstellen von kompatiblen Artfakten. Insellösungen sind von zweifelhaftem Wert.
  • MDSD kann helfen, ein Endprodukt breit und flexibel einsetzbar zu machen. Das gelingt jedoch nur, wenn die Belange der Anwendungsfunktionen und der technischen Infrastruktur auch in den Bausteinen der MDSD-Lösung entkoppelt sind.
  • MDSD sollte stets so umgesetzt werden, dass alle Teilbereiche des Entwicklungsprozesses davon profitieren, inklusive Testen oder Installation. Denn kaum etwas ist der Optimierung so abträglich wie ein MDSD-Prozess, der neben vielen Artefakten auch viel Arbeit mit sich bringt, die manuell zu erledigen ist.

Modellgetriebe Entwicklung kann somit nicht nur agil und schlank betrieben werden, sie sollte es sogar unbedingt – denn nur so lässt sich ihr volles Potenzial ausschöpfen.

Der Autor

Bernd Linowski, Architekturberater bei Tata Consultancy Services (TCS), ist Diplom-Informatiker und seit über zwölf Jahren in der IT tätig.

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