Trusted Cloud Jahreskongress 2014

Mittelstand zögert noch beim Cloud Computing

| Autor / Redakteur: Lothar Lochmaier / Florian Karlstetter

Beispiel Deutsche Börse Cloud Exchange

Dass zwischen den Versprechen so mancher Anbieter und den Bedürfnissen der Anwender immer noch eine größere Kluft existiert - und es somit noch kein gemeinsames Sprachverständnis gibt, zeigen komplexere Projekte mit längerer Laufzeit. Ein Beispiel ist das Joint Venture „Deutsche Börse Cloud Exchange“, vom Berliner IT Spezialisten Zimory und der Deutschen Börse ins Leben gerufen. „Wir möchten einen anbieterneutralen Marktplatz fürs Cloud-Computing an den Start bringen, das von Public über die Private bis hin zur Hybrid Cloud unterschiedliche Betreibermodelle umspannt“, betont Randolf Roth, CEO von Zimory.

Weltweit erster unabhängiger Marktplatz für Cloud Computing

Deutsche Börse Cloud Exchange stellt sich vor

Weltweit erster unabhängiger Marktplatz für Cloud Computing

02.07.13 - Die Deutsche Börse AG startet den eigenen Angaben zufolge weltweit ersten Marktplatz für den Handel mit ausgelagerten Speicher- und Rechenkapazitäten. Ab Anfang 2014 können über Deutsche Börse Cloud Exchange standardisierte Cloud-Ressourcen gehandelt werden. Vorteile für Kunden: Preistransparenz, eine Schnittstelle zu vielen Cloud-Providern, einheitliche Service Level Agreements und mehr. lesen

Im Prinzip soll die "Deutsche Börse Cloud Exchange“ wie der Handel von Aktien an der Börse funktionieren, bei der sich Angebot und Nachfrage binnen Sekundenbruchteilen treffen und zusammen kommen. „Also eine Art Over-the-Counter-Handel für die Cloud“, so der Experte weiter. Die Tücke lauert jedoch im Kleingedruckten. Denn die Contracting-Modelle, die Anbieter und Anwender zusammen bringen, sind oftmals standardisiert. Dies wiederum widerspricht dem oftmals sehr spezifischen individuellen Bedarf der Mittelständler, was sich häufig gerade im Aspekt der Vertragsgestaltung negativ auswirken kann.

„Wir möchten deshalb Transparenz und Glaubwürdigkeit schaffen in einem einzigartigen Cloud-Netzwerk“, betont Randolf Roth. Derzeit befindet sich das Projekt allerdings noch in einem „Soft Launch“, d. h. die Dienste sind derzeit nur probeweise für geschlossene Nutzergruppen zugänglich. Der CEO von Zimory ist aber zuversichtlich, das Vorhaben bald erfolgreich wie geplant an den Start zu bringen.

Fazit

Neue Cloud-Konzepte sollten aus Sicht der mittelständischen Anwender nicht nur integrationsfähig in bestehende Lösungen sein, ohne dass dabei Zeitbudget und Kosten aus dem Ruder laufen. Aus gutem Grund scheut so manches Unternehmen auch die Abhängigkeit von einem einzelnen Anbieter. Und drittens: Als Speicherort für die Daten bevorzugen die Unternehmen in der Regel deutsche oder zumindest Anbieter auf EU-Ebene, bilanziert jedenfalls der Bundesverband IT-Mittelstand e.V. Und Paul Schwefer vom VOICE Verband der IT-Anwender e.V. ergänzt: „Die Vorteile von Cloud Computing können nur greifen, wenn die Risiken und Verantwortlichkeiten klar verteilt sind.“

Aber auch bei den Mittelständlern selbst gebe es noch erhebliche Defizite, etwa durch die mangelnde Bereitschaft inflexible und veraltete Software-Architekturen abzulösen. Fest steht aber auch: Die derzeit auf dem Markt präsenten Geschäftsmodelle in der Cloud lassen in vielerlei Hinsicht noch wichtige Fragen offen. Sie seien zum überwiegenden Teil zu anbieterorientiert gestaltet, „und damit in der Regel zu teuer und unflexibel“, fasst Experte Paul Schwefer den Diskussionsstand zusammen.

Mit anderen Worten: Mehr Dialog zwischen Anwender und Anbieter auf der Basis handfester und nachprüfbarer Argumente lautet das Gebot der Stunde.

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