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Gewichtige Gründe für die Entscheidung gegen Android Microsoft zahlt Nokia eine Milliarde US-Dollar

| Redakteur: Harry Jacob

Im Wettstreit um die Unterstützung des weltgrößten Handy-Herstellers Nokia haben sowohl Microsoft als auch Google hoch gepokert. Doch am Ende hat sich Ballmer den Pott gekauft – mit einer ganzen Milliarde Dollars, wie nun bekannt wurde.

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Microsoft-Chef Steve Ballmer (re.) lässt sich die Partnerschaft mit Nokia (li.: CEO Stephan Elop) eine Milliarde Dollar kosten.
Microsoft-Chef Steve Ballmer (re.) lässt sich die Partnerschaft mit Nokia (li.: CEO Stephan Elop) eine Milliarde Dollar kosten.
( Archiv: Vogel Business Media )

Der Wirtschaftsnachrichtendienst Bloomberg will von zwei mit der Angelegenheit vertrauten Personen erfahren haben, dass Microsoft bereit ist, Nokia eine umfangreiche Unterstützung für Marketing- und Entwicklungskosten zu überweisen, damit die Finnen bei ihren Smartphones künftig auf Windows Phone 7 setzen. Die Kooperation von Nokia mit Microsoft, die Anfang Februar verkündet wurde, sei aber noch nicht besiegelt, der Vertrag mit den finanziellen Details noch nicht unterzeichnet.

Und der Details gibt es viele. Neben dem Milliardenzuschuss, den die Redmonder an Nokia überweisen, sollen weitere Beträge für die Nutzung der Nokia-Patente fällig werden. Umgekehrt muss Nokia natürlich Lizenzgebühren für jedes mit Windows Phone 7 ausgestattete Smartphone an Microsoft abführen. Werbeerlöse, die sich aus der Zusammenführung von Microsofts Windows Marketplace und Nokias Ovi Store ergeben, sollen aufgeteilt werden. Über fünf Jahre soll die Vereinbarung laufen – wenn sie denn irgendwann unterzeichnet wird.

Wettbieten hinter den Kulissen?

Wie die Informanten weiter angaben, hat sich Microsoft nicht allein bemüht, Nokia für sich zu gewinnen. Auch Google soll mit finanziellen Anreizen gelockt haben. Sogar nach der Bekanntgabe der Kooperation zwischen Nokia und Microsoft hatte Google-Chef Eric Schmidt noch geäußert: „Die Tür für die Finnen bleibt offen“.

An der Börse ist die Ablehnung auch vier Wochen später noch nicht verraucht. Der Kursverlust hat sich seither auf mehr als 28 Prozent erhöht. Die Geräte kämen zu spät, und Windows Phone 7 fehle die Zugkraft, bemängeln viele Analysten.

Die können sich durch jüngste Erhebungen des Marktforschungsinstituts Comscore bestätigt sehen. Demnach hat Microsoft im Smartphone-Markt seit der Einführung von Windows Phone 7 nicht etwa zugelegt, sondern weitere Anteile verloren, zumindest im Heimatmarkt USA. Von 9,7 Prozent im Oktober sei der Marktanteil bis Ende Januar auf 8,0 Prozent gefallen.

Der große Gewinner: Android

Auch Blackberry-Hersteller RIM musste Einbußen von mehr als fünf Prozent hinnehmen. Er liegt nun mit 30,4 Prozent knapp hinter Android von Google, das seinen Marktanteil um 7,7 auf 31,2 Prozent ausbauen konnte. Auf Platz drei, mit leicht positiver Tendenz und einem Anteil von 24,7 Prozent, findet sich iOS von Apple. Der vierte Platz von Microsoft ist derzeit nicht gefährdet – WebOS von Palm, das inzwischen zu HP gehört, hat ebenfalls leicht verloren und kommt nur noch auf 3,2 Prozent. Hier geht es zum Comscore-Chart „U.S. Mobile OS Market Share“.

Umgekehrt hat auch Nokia zahlreiche Probleme: auf dem großen US-Markt sind die Finnen bislang nur wenig erfolgreich. Die Marge des Konzerns hat sich auf unter fünf Prozent reduziert, der Marktanteil des Branchenprimus fällt rapide. So hat laut Comscore in Deutschland Nokia im deutschen Smartphone-Markt allein 2010 fast 11 Prozent verloren, und auch im Handy-Markt verlieren die Finnen. Ob sich allerdings die Hoffnungen, die sich mit Windows Phone 7 verbinden, tatsächlich erfüllen, ist die große Frage.

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