Wenn Finanzinstitute digital transformieren Mehr als nur IT – Die neue Rolle des CIOs

Von Marlen Lawrenz*

Die digitale Transformation hat im Finanzsektor in den vergangenen anderthalb Jahren besonders an Fahrt aufgenommen. Initiativen, die normalerweise Jahre gedauert hätten, wurden innerhalb kürzester Zeit umgesetzt. Die Pandemie hat die Dringlichkeit erhöht, dass Banken ihr digitales Angebot verbessern. Und auch die Kundenanforderungen haben sich geändert.

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CIOs oder CTOs müssen heute neben der Technologie-Expertise auch einen umfassenden Blick auf die gesamte Firma, die Branche und das Marktumfeld besitzen.
CIOs oder CTOs müssen heute neben der Technologie-Expertise auch einen umfassenden Blick auf die gesamte Firma, die Branche und das Marktumfeld besitzen.
(Bild: © jamesteohart - stock.adobe.com)

Ganz selbstverständlich erwarten sowohl Privat- als auch Unternehmenskunden ein unkompliziertes und personalisiertes Kundenerlebnis – so wie sie es bereits aus dem Handel kennen. Banken müssen sich stärker an den Bedürfnissen ihrer Kunden orientieren – und hierbei ist eine optimierte IT ein zentraler Faktor. Es wird immer deutlicher, dass Technologie für die Branche nicht mehr nur ein Mittel zum Zweck, sondern vielmehr Kern und Treiber des Systems ist.

Etablierte Finanzinstitute sind sich bewusst, dass sie handeln müssen – auch, um mit Digital- und Neobanken sowie Fintechs mithalten zu können. Dabei ist die Bank-IT viel komplexer als in vielen anderen Branchen. Umfangreiche Kernbankensysteme, nach und nach integrierte Insellösungen, massive Compliance-Anforderungen und intensive Regulierungen sind wesentliche Gründe dafür.

Der digitale Kopf der Bank wird zur Schlüsselperson für die Transformation. CIOs und CTOs stehen an der Spitze der Digitalisierung ihrer Finanzinstitute und haben die Aufgabe, diese auf ein flexibles, modulares System umzustellen. Sie stehen aktuell vor der großen Herausforderung, die Resilienz und Agilität ihres Unternehmens zu verbessern und es konsequent digital auszurichten.

Vom Verwalter zum Gestalter

Um zu verstehen, wie die Chief Information Officers zu den wichtigsten Spielmachern der Finanzinstitute geworden sind, muss man zunächst die derzeitige Entwicklung der Banken von konservativen und wenig beweglichen Institutionen hin zu innovativen und agilen Organisationen betrachten. Im Kern wird fast jedes Unternehmen heute zu einem Technologieunternehmen – und das gilt besonders für die Finanzbranche. Dies macht eine neue Art von CIOs erforderlich.

Traditionell bestand die Hauptaufgabe der CIOs oder CTOs vor allem in der Wartung und Verwaltung der bestehenden IT-Systeme, -Ressourcen und -Investitionen. Sie beaufsichtigten die interne IT-Entwicklung, den Betrieb, die Einhaltung von Regularien und kümmerten sich um Anfragen nach neuen Systemen und Funktionen. Um auf aktuelle Anforderungen zu reagieren, wurden an bestehende Infrastrukturen immer wieder neue Lösungen „angebaut“. Die so entstandenen komplexen, heterogenen IT-Landschaften haben allerdings zu mangelnder Transparenz und Flexibilität geführt. Für moderne Finanzinstitute, die einerseits aus ihren Daten einen echten Mehrwert sowie Entscheidungsgrundlagen schaffen, und andererseits das Kundenerlebnis kontinuierlich verbessern müssen, ist dies eine große Herausforderung.

Heute verfolgen die CIOs der Banken einen datengesteuerten Ansatz. Nur so sind Finanzinstitute in der Lage, ihren Kunden personalisierte Produkte und Dienstleistungen anzubieten, die sie erwarten. Banken sitzen auf einem wertvollen Bestand an Kundendaten. Der richtige Umgang mit dieser großen Menge an Daten ist dabei entscheidend – schließlich müssen aus ihnen wertvolle Informationen gewonnen und intelligente Schlüsse gezogen werden, um das digitale Angebot sinnvoll zu erweitern.

Mit der kontinuierlichen Einführung digitaler Tools, die aus sämtlichen Daten relevante Erkenntnisse über Kunden gewinnen und der Verlagerung von internen zu externen IT-Ressourcen, erweitert sich die traditionelle Rolle von CIOs rapide. Eine wichtige Aufgabe besteht darin, eine einheitliche, unternehmensweite Datenstrategie zu entwickeln. Silos müssen aufgebrochen und beseitigt werden. Dafür benötigen die Banken einen digitalen Motor, der unter Berücksichtigung der generellen Business-Strategie all diese Informationen verarbeiten kann. Nur so können sie von einer schnelleren Verfügbarkeit und Sichtbarkeit relevanter Informationen profitieren.

Technologie und Unternehmenskultur als Erfolgsfaktoren

Erfolgreiche Unternehmen im Finanzbereich haben die Positionen der CIOs oder CTOs bereits früh mit weitsichtigen Personen besetzt, die neben der Technologie-Expertise auch einen umfassenden Blick auf die gesamte Firma, die Branche und das Marktumfeld besitzen. CIOs werden damit zu aktiven Entscheidern, wenn es um die Unternehmensstrategie geht. Schließlich entscheidet Technologie heute über den Erfolg der angebotenen Produkte und damit über Marktanteile. So ist sie ein wesentlicher Faktor bei der Zukunftsausrichtung einer Bank.

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CIOs kennen sowohl das Tagesgeschäft als auch die technischen Voraussetzungen und die IT-Landschaft der Bank – so können sie die Verbindung zwischen Kundenanforderungen und Technologie herstellen und die Transformation des Instituts mit Blick auf die Unternehmensstrategie vorantreiben. Sie sind dafür zuständig, die Vision des Unternehmens in die IT-Struktur zu übertragen.

Dazu gehört die Auswahl geeigneter Technologien und Plattformen. Sie sind die Grundvoraussetzung für ein solides Fundament, auf dem sich künftig leistungsstarke digitale Produkte und skalierbare Services aufbauen lassen. Das Schaffen einer solchen Basis ist kein leichtes Unterfangen für CIOs und erfordert ein tiefes Verständnis sowohl der Technologien als auch des Change Managements. Gleichermaßen sollten Bankvorstände ihr Technologieverständnis immer weiter ausbauen. Schließlich muss die Digitalisierung aus oberster Ebene vorangetrieben und gesteuert werden.

Die digitale Transformation einer Bank geht meist auch mit einem grundlegenden Kulturwandel einher. Wenn Banken die agile Mentalität der Fintechs annehmen wollen, ändern sich gleichzeitig Ansätze und Herangehensweisen von Management und Mitarbeitern. Das erfordert eine ausgeprägte Bereitschaft zum Wandel – auf allen Ebenen der Bank. Erfolgreiche CIOs verstehen sich hier als Vorreiter. Um eine Transformation zum Erfolg zu führen, muss die digitale Vision von der Spitze vorangetrieben und gelebt werden. Nur wenn das C-Level an die digitale Zukunft glaubt, kann der Innovationsgeist auf das gesamte Team überspringen. CIOs können dabei helfen, komplexe Konzepte zu veranschaulichen und schnell verständlich zu machen, um sie einem breiten Publikum zu vermitteln.

Die neue Rolle begreifen lernen

Die Digitalisierung eines Finanzinstituts ist weit mehr als ein rein technologiegetriebener Wandel. CIOs sind zu strategischen Führungskräften geworden, die den langfristigen Erfolg ihrer Bank mitbestimmen. Sie schlagen den Bogen von Technologie zum Business, indem sie die Basis für eine agile Organisation schaffen, die in der Lage ist aus Kundenverhalten zu lernen und schnell auf Kundenwünsche zu reagieren, um am Markt erfolgreich zu sein.

Marlen Lawrenz von nCino.
Marlen Lawrenz von nCino.
(Bild: nCino)

* Die Autorin Marlen Lawrenz ist seit Anfang 2020 als Product Specialist Manager für nCinos PreSales-Aktivitäten im DACH-Markt verantwortlich. Sie verfügt über mehr als 18 Jahre Erfahrung im Bankgeschäft mit Schwerpunkten im Kreditrisikomanagement und Firmenkundengeschäft und betreute vor ihrem Wechsel zu nCino das europäische Hotelfinanzierungsportfolio einer internationalen Bank in London.

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