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Sportliche Erfolge lassen sich nicht berechnen, geschäftliche schon Medaillenspiegel per Business Intelligence scheitert

Autor / Redakteur: Dirk Srocke / Ulrike Ostler

Im Vorfeld der olympischen Spiele wagten Infostrada und MeLLmo eine Prognose des Medaillenspiegels. Die Redaktion hat die Zahlen geprüft und nachgefragt, wie relevant der Showcase für Business-Nutzer ist.

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Deutsche Athleten gewannen bei den Sommerspielen in London insgesamt weniger Medaillen als von Analysten erwartet.
Deutsche Athleten gewannen bei den Sommerspielen in London insgesamt weniger Medaillen als von Analysten erwartet.
(LOCOG)

Es hätte so schön werden können! Im April hatte MeLLmo die Medaillen-Prognosen des Anbieters Infostrada in der iOS-App Roambi Analytics verfügbar gemacht und prognostizierte den deutschen Olympia-Teilnehmern noch insgesamt 54 Medaillen. Nach den Spielen wissen wir: Es sind nur 44 geworden. Unerwartet haben zudem Großbritannien und Südkorea besser als Deutschland abgeschnitten.

Bei der Aufteilung von Gold, Silber und Bronze lagen die Voraussagen ebenfalls etwas daneben. Statt 19 mal Gold (35 Prozent), 17 mal Silber (31 Prozent) und 18 mal Bronze (33 Prozent) gab es im wahren Leben: Elf mal Gold (25 Prozent), 19 mal Silber (43 Prozent) und 14 mal Bronze (32 Prozent).

Sport schwer berechenbar

Infostrada ist dennoch mit den Prognosen zufrieden und betont, dass Sport eben nicht berechenbar sei. Für Disziplinen in denen konkretere Daten vorliegen, seien allerdings auch genauere Vorhersagen möglich. Zu diesen Sportarten zählen beispielsweise Leichtathletik oder Judo. Ähnliches gelte für Wettkämpfe, in denen es weltweit wenige Sportler gebe.

Für die konkrete Analyse erstellt Infostrada aus historischen Daten Top-8-Listen der jeweiligen Favoriten und leitet hieraus einen virtuellen Medaillenspiegel ab. Als Datenbasis dienen die gewichteten Ergebnisse aller Wettkämpfe während einer Olympiade.

Statistisch fundiertes Verfahren ist trotzdem übertragbar

Der Anbieter verweist auf ein "statistisch fundiertes Verfahren". Das gewichtet beispielsweise Weltmeisterschaften stärker als Weltcups und betrachte auch die Stärke des jeweiligen Teilnehmerfelds. Konstant gute Platzierungen zählen dabei mitunter mehr als ein einmaliger Sieg.

Etwas allgemeiner formuliert: Infostrada schließt von früheren Ergebnisse auf zukünftige Ereignisse. Und genau diese generische Methodik ist auch im Geschäftsleben bekannt.

Die von MeLLmo angepriesene "ständig verfügbare und optisch eindrucksvolle, intuitive Darstellung" solcher Prognosen auf mobilen Devices sollte freilich nicht darüber hinweg täuschen, dass Realität und Prognose mitunter etwas auseinander driften.

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