Ein Firmenname, zwei Open-Source-Produktlinien MariaDB – die MySQL-Konkurrenz schlüpft unter ein einziges Dach

Autor / Redakteur: Ludger Schmitz / Ulrike Ostler

„MariaDB“, die mit „MySQL“ konkurrierende Open-Source-Datenbank, hat nun einen Anbieter mit dem Produktnamen. Das erscheint nach einer bewegten Geschichte als logischer Schritt, birgt aber auch Risiken.

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MySQL und MariaDB gibt es jetzt nicht mehr von SkySQL, sondern von MariaDB AB.
MySQL und MariaDB gibt es jetzt nicht mehr von SkySQL, sondern von MariaDB AB.
(Bild: © drubig-photo - Fotolia)

Eine relationale Datenbank mit der Bezeichnung MariaDB, entwickelt von einer Firma Monty Program und mit Support von noch einer anderen Firma, nämlich SkySQL – das ist auch für die farbenfrohe Open-Source-Welt, höflich ausgedrückt, eine ungewöhnliche Konstellation. Und derlei vermittelt professionellen Anwendern nicht gerade Geborgenheit. Das jetzt unter dem Namen MariaDB Corporation AB (Aktiengesellschaft nach finnischem Recht) zusammengefasste Dreigestirn hat eine bewegte Geschichte, die noch bei der Namensgebung eine Rolle spielen sollte.

Ist SkySQL nun unterrepräsentiert?
Ist SkySQL nun unterrepräsentiert?
(Bild: MariaDB AB)

Im Feld der relationalen Datenbank-Management-Systeme (DBMS) haben Oracle, „IBM-DB2“ und „Microsoft SQL Server“ ernst zu nehmende Konkurrenten aus dem Open-Source-Lager. Vor allem MySQL, ein 1994 von Michael „Monty“ Widenius und David Axmark gestartetes Open-Source-Produkt, soll es in ihrer besten Zeit auf weltweit 50 Millionen Installationen gebracht haben. Aber nachdem es über Sun in den Besitz von Oracle kam, hat es seine frühere Leitfunktion in der Open-Source-Gemeinde verloren.

Die Community übt heftige Kritik, vor allem weil Oracle Open-Source-Prinzipien nicht beachtet, Neuerungen zum Teil proprietär herausgibt und mehr. Widenius startete auf der Codebasis von MySQL die Entwicklung eines Forks mit Namen MariaDB. Dazu gründete er die Firma Monty Program, in der sich vor allem einstige MySQL-Entwickler sammelten.

Gestiegene Kosten für MySQL und Nebenschwaden

Dass Oracle hohe Support-Kosten erhebt, war weiteren einstigen MySQL-Mitarbeitern aus den Bereichen Support und Marketing Anlass, die Firma SkySQL zu gründen. Die bot erfolgreich günstigen Support an und begann mit der Vermarktung von MariaDB.

Es ging also bei dieser Alternative zu MySQL gleich um drei Namen: die Datenbank MariaDB, die Entwicklerfirma Monty Program und der Marketing- und Support-Kanal SkySQL. Das ist kaum eine gute Voraussetzung für geschäftlichen Erfolg.

Das Bild wurde im Frühjahr 2013 etwas übersichtlicher, als Monty Program in der Firma SkySQL aufging. Außerdem war eine MariaDB Foundation entstanden, die sicherstellen soll, dass die Datenbank unter allen Umständen Open Source bleibt.

Die Emanzipation von MariaDB

Auch technisch geschah um diese Zeit eine Emanzipation vom MySQL-Erbe. Eine Million Codezeilen des Kerns wurden neu programmiert, um zugleich neue Möglichkeiten zu eröffnen.

Das Logo von MariaDB
Das Logo von MariaDB
(Bild: MariaDB AB)

Die erschienen im Frühjahr 2014 mit einem Sprung auf Version 10 von MariaDB, was die Parallelität der Release-Nummern beendete, nicht aber die „Drop-in“-Kompatibilität zu MySQL. Laut Anbieter wurden gleichzeitig die Performance verschiedener DB-Operationen deutlich verbessert, gleichzeitig hielten NoSQL-Fähigkeiten Einzug.

Inzwischen zählt MariaDB nach Angaben von Projektgründer Widenius weltweit mehr als zwei Millionen Anwender. Die Datenbank hat bei vielen relevanten Linux-Distributionen MySQL als „Default“-Implementierung abgelöst, sie könnte das „M“ im Open-Source-Stack LAMP übernehmen.

Unterstützung von Partnern

Mehrere große Namen unter den IT-Anbietern unterstützen MariaDB. Zuletzt verkündeten IBM und Suse, MariaDB für Linux auf Power-Servern zu nutzen. Zahlreiche Firmen verwenden – meist neben MySQL – die Alternative, darunter sehr große, vor allem im Internet-Geschäft agierende Konzerne sowie Organisationen wie Wikimedia.

Vor dem Hintergrund, dass die Datenbank offenkundig gut Fuß gefasst hat und nun massiver am Markt auftreten möchte, ist es nachvollziehbar, dass SkySQL sich jetzt in MariaDB umbenannt hat. In der Pressemitteilung, in diversen Statements und in einem Schreiben an die Kunden heißt es: „Die Namensänderung wir einen engeren Bezug zwischen der Open-Source-Datenbank MariaDB und der dahinter stehenden Firma herstellen.“ Es ist im Open-Source-Business auch eher die Regel, dass ein Produkt und die für Support sorgende Firma identische Namen haben.

Allerdings schafft die Namensänderung eine andere Schwierigkeit. Mit dem alten Titel SkySQL ließ sich noch so etwas wie „MySQL ohne Grenzen“ assoziieren. Der neue Name bindet in der Tat stärker an MariaDB und könnte Zweifel aufkommen lassen, ob eine MariaDB Corporation künftig auch noch Support MySQL anbietet. Das wäre fatal, denn SkySQL hat den vermutlich weitaus größten Teil seiner Umsätze mit MySQL-Support gemacht.

Das Risiko und der Konflikt

In der Pressmitteilung zur Umbenennung schreibt das neue Unternehmen nur knapp, es werde „unter dem neuen Firmennamen … wie bisher auch Support für MySQL-Anwender anbieten“. Das Schreiben an die Kunden formuliert es deutlicher: „MariaDB wird weiterhin die führenden MySQL-Experten beschäftigen – damit bleibt unser Anspruch, langfristig die bestehende MySQL-Infrastruktur und MySQL-basierte Anwendungen unserer Kunden zu unterstützen, unverändert.“ Bestehende Support-Verträge blieben von der Namensänderung unberührt.

Das Logo von MySQL
Das Logo von MySQL
(Bild: Tam/Wikipedia)

Aufmerksamen Beobachtern wird aufgefallen sein, dass die Namensänderung aber wohl nicht ohne interne Konflikte über die Bühne ging. Im Zentrum steht dabei die Rolle der MariaDB Foundation. Die Frage war, ob sie genügend Rechte am Markennamen und am Code von MariaDB hat, um zu verhindern, dass sich die Geschichte von MySQL wiederholt. Mitten in der Debatte trat Simon Phipps, ein auch in der Apache Software Foundation und der Document Foundation (LibreOffice) engagierter Vertreter der Open-Source-Bewegung, aus dem Vorstand zurück.

Endlich Ruhe im Gebälk?

Der Verlust eines so prominenten Sprechers der Community ist sicherlich schmerzhaft. Angesichts der für Laien nicht mehr verständlichen juristischen Feinheiten wird letztlich wohl nur die Geschichte zeigen können, ob diesmal MariaDB sicher auf der Open-Source-Seite steht. Monty Widenius bekräftigte jedenfalls seinen prinzipiellen Standpunkt: „Der Code war immer offen mit Schreibrechten und wird es immer sein.“

Die Anwender dürfte die Debatte jedenfalls kaum beunruhigen. Für sie ist eher wichtig, dass MariaDB als Open Source weiterentwickelt und nicht schrittweise proprietär wird. Dass jetzt hinter der Datenbank von der Entwicklung bis zum Support eine einzige Firma steht, die mit dem Namen auch ihr Hauptinteresse MariaDB benennt, schafft vor allem mehr Sicherheit.

* Ludger Schmitz ist freiberuflicher Journalist in Kelheim.

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