Veralteten ERP-Systemen den Rücken kehren Logistik ist keine Insel

Von Jeroen Gehlen*

Enterprise Ressource Planing (ERP) umfasst zahlreiche Unternehmensbereiche und ist unglaublich vielseitig einsetzbar. Doch Unternehmen könnten noch viel mehr Gewinn aus ihrer eingesetzten ERP-Lösung ziehen – wenn sie denn auf dem neuesten Stand wäre.

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Wer seinen Kunden den besten Service bieten will, sollte anfangen, ganzheitlich zu denken und seine Lieferketten mit Hilfe moderner Cloud-ERP zu vernetzen.
Wer seinen Kunden den besten Service bieten will, sollte anfangen, ganzheitlich zu denken und seine Lieferketten mit Hilfe moderner Cloud-ERP zu vernetzen.
(Bild: © Gorodenkoff Productions OU - stock.adobe.com)

Die allermeisten Menschen, die bereits in einem größeren Unternehmen oder in einer Organisation gearbeitet haben, werden schon einmal von der Softwarelösung ERP gehört haben. Egal ob Projektmanagement, Verwaltung von Mitarbeiterdaten, Management von Produktdaten, Controlling oder Lagerwirtschaft: Die Auslegung des Wortes „Ressource” und ihre daraus resultierende Verwendung ist beinahe unendlich. Warum allerdings immer noch zum Großteil mit völlig veralteten Systemen gearbeitet wird und diese vielfältige Einsetzbarkeit daher nicht überzeugt.

Problematische Anbindung veralteter Systeme und fehlender Kundenfokus

Schauen wir uns das Beispiel Logistik an: In diesem Fall kam vorwiegend das WMS, also ein Warehouse Management System zum Einsatz. Ein WMS zeichnet alle Kundenbestellungen auf und behält den kompletten Lagerbestand eines Unternehmens mit seinen aktuell vorhandenen Mengen im Blick. Auf diese Weise können Mitarbeiter verfolgen, welche Bestellungen noch versendet werden müssen und auch, ab wann neue Ware benötigt wird.

Doch es gibt einige Nachteile. Das WMS und auch viele andere Formen des ERPs fokussieren sich einzig und allein auf die Vorgänge, die innerhalb eines Unternehmens ablaufen, nicht aber auf die Wünsche der Kunden. Wann soll mein Paket ankommen, wie soll es ankommen, welcher Versanddienstleister wird bevorzugt? Solche Individualisierungswünsche kann ein klassisches WMS in der Regel nicht berücksichtigen.

Und das hat einen Grund: Es ist häufig nicht einfach, derlei Anpassungen zu integrieren. Ein solches ERP müsste beispielsweise mit dem Kassensystem, dem E-Commerce-System und dem Webshop selbst verbunden werden. Das ist aufgrund fehlender APIs, also automatischer Datenaustauschschnittstellen, jedoch nicht immer möglich. Manchmal stellen zudem auch individuelle Updates der Systeme eine Hürde dar, da Mitarbeiter diese häufig noch manuell vornehmen müssen – dazu fehlen ihnen teilweise schlichtweg die Ressourcen und das Know-how. Bei lokal installierten Systemen sind insbesondere keine automatisierten Updates möglich, häufig müssen diese stattdessen noch händisch ausgeführt werden – ein sehr altmodischer Ansatz.

Die Vorteile liegen in der Cloud

Die meisten Unternehmen wählen zudem den traditionellen Ansatz, d.h. sie operieren im Falle des Logistikbeispiels nur mit einem Versanddienstleister und einem entsprechenden Service. Dieser Ansatz erlaubt jedoch nur sehr wenig Spielraum für mehr Kundenindividualisierung. Doch wie geht es anders?

Zunächst einmal müssen Unternehmen sich von dieser alten Tradition lösen und weg von ihren häufig lokal installierten Systemen gehen. Denn viele dieser lokalen, veralteten Systeme besitzen nicht die Investitionskraft, um Kunden beispielsweise mit der Kasse, dem WMS-System und dem Spediteur zu verbinden. Cloud-basierte SaaS-Angebote hingegen ermöglichen einen dezentralisierten Ansatz, welcher alles im Blick hat und sich mit vielen verschiedenen Systemen verbinden lässt. Eine ideale logistische Kette sollte als Ganzes optimiert sein, statt nur der einzelnen Bestandteile. Ein Konstrukt, in welchem jeder Teil der Lieferkette auf ein anderes Teil Einfluss nehmen kann.

Entscheidungsfreiheit der Kunden bringt Erfolg

Ein Beispiel: Kunden sollten frei entscheiden können, welche Liefermethode sie bevorzugen, welcher Dienstleister dafür in Frage kommt und zu welcher Tageszeit das Produkt ankommt. Solche Entscheidungen werden in der Regel beim Check-out getroffen. Dafür wurde etwa ein sogenannter dynamischer Check-out entwickelt, welcher genau diese Wahlfreiheit ermöglicht. Wann, wie, wo – all das kann festgelegt werden. Zudem gibt es ein Modul, welches Größe und Gewicht des Produktes im Warenkorb feststellt. Wenn das Modul ein großes, sperriges Produkt feststellt, welches eine Palette erfordert, erfolgt der Versand über eine solche und es werden entsprechende Dienstleistungen und Preise gebucht. Wenn das Modul jedoch eine viel kleinere Größe und ein niedriges Gewicht erkennt, werden Service und Preis, welcher dementsprechend signifikant günstiger ist, abgeändert.

Diese Entscheidungen können jedoch nur dann getroffen werden, wenn die einzelnen Bestandteile der Lieferkette miteinander verbunden sind und nicht angegrenzt und separat agieren. Einige Onlineshops bieten solche Service bereits an, doch häufig ist diese Flexibilität noch immer nicht gegeben. Selbst bekannte Dienstleister im Bereich Logistik wie etwa UPS oder Gorillas optimieren noch immer nur ihre eigenen Netzwerke – ohne sich dabei mit anderen Dienstleistern zu konsolidieren und Partnerschaften zu schließen.

Unterstützung hingegen durch Unternehmen, die helfen, diese Abläufe und die komplette Lieferkette zu verstehen, ist im Hinblick auf Kundenzufriedenheit essenziell. Dabei ist eine Erkenntnis hervorzuheben: Logistik ist ein IT-Thema. Nur eine entsprechende Software kann die Lieferkette so umfassend verwalten.

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Unschlagbarer Service – das können nicht nur große Unternehmen

Konkurrenz ist allgegenwärtig. Kleine Geschäfte sind in einer scheinbar besonders schwierigen Lage, denn E-Commerce-Riesen wie beispielsweise Zalando oder gar Amazon bieten das volle Paket: Schneller, bequemer, besser. Die Maßstäbe sind gesetzt, jeder erwartet daher heutzutage derartige Kundenerfahrungen, auch wenn er beispielsweise in kleinen Geschäften einkauft. Große Unternehmen haben eine enorme Kaufkraft.

Doch auch hier muss ein Umdenken stattfinden. In der Vergangenheit war die Marketingabteilung eines jeden Unternehmens für den Webshop zuständig, die Kundenbetreuung für sämtliche Belange der Kunden, das Lager für Kommissionierung und Verpackung aller Bestellungen, die Finanzabteilung für die Prüfung der Rechnungen. Verschiedene System-Inseln, zwischen denen es keinerlei Verbindung gibt.

Wenn viele Abteilungen zusammenarbeiten wollen, gibt es daher häufig zahlreiche Hürden, die überwunden werden müssen. Um einen so umfangreichen Service anbieten zu können, wie es die Big Player tun, kann moderne Software hingegen veraltete, lokal installierte ERPs ersetzen – und somit seinen Dienst dafür leisten, bei der großen Konkurrenz mitzuhalten. Das wäre sowohl für kleinere Unternehmen als auch Kunden ein Schritt in Richtung Zukunft: bessere Kundenzufriedenheit, moderne und intuitive Software, nachhaltiger Versand.

Jeroen Gehlen, Wuunder Holding B.V.
Jeroen Gehlen, Wuunder Holding B.V.
(Bild: Wuunder)

* Der Autor Jeroen Gehlen ist Mitgründer der niederländischen Logistikplattform Wuunder. Er kann auf über 20 Jahre Erfahrung im Bereich Versand und Logistik zurückblicken. Zuvor war er bei TNT/FedEx als Global Director Pick-up & Delivery Optimization and Innovation und entwickelte ein Framework für eine vollständig digitalisierte Plattform für die Echtzeitkommunikation.

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