Flexibel gebuchte Arbeitskraft samt Qualitätskontrolle KIT präsentiert menschliche Cloud

Autor / Redakteur: Dirk Srocke / Florian Karlstetter

Analog zu Rechenleistung und Speicher kann auch menschliche Arbeitskraft als Cloud verwaltet werden. Zu passenden Konzepten und Anwendungen forschen Wissenschaftler des KIT.

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Für die People Cloud geeignete Aufgaben lassen sich zerlegen und parallel bearbeiten.
Für die People Cloud geeignete Aufgaben lassen sich zerlegen und parallel bearbeiten.

Mit dem Projekt People Cloud übertragen Forscher des Karlsruhe Service Research Institute (KSRI) am Karlsruher Institute of Technology (KIT) derzeit Ansätze des Cloud Computing auf echte Mitarbeiter aus Fleisch und Blut. Zu den jüngsten Anwendungen zählt eine gemeinsam mit Humangrid realisierte Adressrecherche auf der Crowdsourcing-Plattform Clickworker.com. Weitere Partner des Projektes sind: IBM und buw Group.

Beim von den Forschern verfolgten Ansatz wird nicht nur die eigentliche Arbeitsleistung in eine menschliche Cloud verlagert, sondern auch die Qualitätskontrolle. Damit sei eine gleichbleibende Güte der Arbeitsergebnisse sichergestellt. Um die Zuverlässigkeit der menschlichen Mitarbeiter zu überwachen, setzen die Wissenschaftler dabei auf statistische Modelle. In diese fließen nicht nur Vergleichsergebnisse unterschiedlicher Mitarbeiter ein, sondern auch die generelle Zuverlässigkeit individueller Cloudworker selbst.

Als geeignete Aufgaben für People Clouds nennen die Forscher mit Maschinen "nicht-automatisierbare Aufgaben", die sich in Mikrojobs zerlegen und parallel bearbeiten lassen. Darunter zählen die Verschlagwortung von Bildern oder die Übersetzung von Kurztexten. Ebenfalls sinnvoll sei die Übertragung handschriftlicher Daten durch Menschen, die dabei bestimmte Kontexte erkennen und Abkürzungen deuten können. Spätestens bei Ingenieurleistungen sei aber das Ende der Fahnenstange erreicht: Derlei Leistungen könnten überhaupt nicht von einer menschlichen Cloud übernommen werden, sondern nur von entsprechend qualifizierten Individuen.

Damit lässt sich trefflich über die ethischen Aspekte des Modells streiten. Kritiker könnten anmerken, dass die People Clouds vordergründig zur Ausbeutung minderqualifizierter Arbeitskräfte taugen. Die Forscher am KSRI widersprechen hier und verweisen auf ein bereits vor längerer Zeit implementiertes Projekt. Bei diesem wurden die freien Kapazitäten eines Callcenters genutzt, um handschriftliche Patientenakten für eine Qualitätskontrolle in ein strukturiertes Format zu überführen.

Ohnehin angestellte Mitarbeiter übernehmen damit also kostengünstig eine Dienstleistung, die ohne People Clouds liegengeblieben wäre - so die Argumentation. Und genau hierin erkennen die Forscher den Charme des Cloud-Ansatzes: Bereits vorhandene Ressourcen lassen sich effektiver einsetzen, ganz gleich ob Mensch oder Maschine.

Weitere Informationen zum Projekt People Cloud gibt es online. Interessierte können zudem auf der CeBIT mit Vertretern des KIT ins Gespräch kommen, in Halle 26, Stand G33.

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