Das Netzwerk nicht vergessen! Kardinalsfehler bei der Cloud-Migration vermeiden

Autor / Redakteur: Stephan Wanke* / Elke Witmer-Goßner

Die Cloud ist auf dem Vormarsch. Fast jedes zweite Unternehmen hat laut IDC-Multi-Cloud Survey 2020 bereits kritische Anwendungen in die Cloud verlagert. Doch nicht immer läuft es reibungslos. Ein entscheidender Punkt ist die Netzwerkkapazität.

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Voraussetzung für eine gelungene Migration ist „performance first“ für ein leistungsfähiges Netzwerk mit sicheren und skalierbaren Verbindungen in die Cloud(s).
Voraussetzung für eine gelungene Migration ist „performance first“ für ein leistungsfähiges Netzwerk mit sicheren und skalierbaren Verbindungen in die Cloud(s).
(Bild: ©lassedesignen - stock.adobe.com)

Einer Forrester-Studie zufolge bereitet es rund einem Viertel der Unternehmen Probleme, die notwendige Performance und Latenz über Cloud-Plattformen hinweg sicherzustellen. Mit der richtigen Netzwerkstrategie können diese aber vermieden werden.

Immer mehr Unternehmen setzen aktuell auf Hybrid Working – die Verzahnung von Homeoffice und der Arbeit im Büro. Damit steigen die Anforderungen an Flexibilität und Sicherheit von Unternehmensnetzen. Sie müssen nicht nur zuverlässige Verbindungen für die Online-Zusammenarbeit bereitstellen, sondern auch die sichere Einbindung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gewährleisten. Das ist mit On-Premises-Lösungen nicht mehr leistbar.

Doch auch wenn die Zielrichtung eindeutig ist und Unternehmen schließlich den Schritt weg von einer On-Premises-Lösung Richtung Cloud planen, sind sie sich oft im Unklaren darüber, wie der richtige Migrationspfad aussieht. Die Möglichkeiten, einen Standort an die Cloud anzuschließen, sind vielfältig. Entscheidungskriterien wie Kosten, Sicherheit, Performance und flexible Integration in verschiedene Cloud-Service-Plattformen bieten einen ersten Anhaltspunkt. Ohne Frage sollten bei der Auswahl des geeigneten Cloud-Partners alle Aspekte gleichermaßen berücksichtigt werden. Allerdings rutscht auf der Prioritätenliste zu oft die Performance der Cloud-Verbindung nach hinten. Doch ohne einen leistungsfähigen Zugang ist die Nutzererfahrung der bisherigen On-Premises-Lösung in der Cloud-Umgebung nicht reproduzierbar.

Netzwerk von Anfang an mitdenken

Unternehmen sollten deshalb das Thema Netzwerk möglichst früh in den Migrationsprozess einbeziehen. Denn mit dem geeigneten Netzwerkpartner werden im sprichwörtlichen Sinne mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Das gilt insbesondere für die effiziente Anbindung an die Rechenzentren der Public-Cloud-Anbieter. Denn so können ohne zusätzliche hohe Infrastrukturkosten Rechenzentrumsressourcen geteilt und aufeinander abgestimmt werden. Mit der Öffnung des Unternehmensnetzwerks steigt auch die Anforderung an die Sicherheit. Dedizierte Verbindungen bieten hier dank ihrer Unabhängigkeit von öffentlichen Internetverbindungen nicht nur die entsprechende Performance, sondern schützen auch den Datentransport aus und in die Cloud. Einen hohen Sicherheits- und Datenschutzstandard garantieren außerdem Ende-zu-Ende-Verbindungen zwischen Unternehmensnetz und Cloud Access Point.

Zum Leistungsverhalten einer geeigneten Verbindung zählt auch die flexible Steuerung der Bandbreiten. Dazu bietet sich ein Proof of Concept an, um über eine On-Demand-Lösung mit zunächst geringeren Kapazitäten, zum Beispiel 100 Mbit/s, zu beginnen und diese dann entsprechend der genutzten Applikationen flexibel zu erhöhen. Auf diese Weise können Unternehmen von Projektbeginn an Erfahrungen sammeln, wie sicher und skalierbar die zu migrierenden Dienste sind und wie die jeweiligen Kapazitätsanforderungen in einem bestimmten Zeitverlauf im Netzwerk abgebildet werden können – und das zu kalkulierbaren Kosten.

Nächster Halt Multi-Cloud

Immer mehr Unternehmen setzen bei ihrer Cloud-Strategie auf einen Multi-Cloud-Ansatz. Gerade hier ist eine durchdachte Netzwerkarchitektur unabdingbar. Insbesondere bei verzweigten Firmenstrukturen ist es sinnvoll, die einzelnen Standorte dem jeweils nächstgelegenen Cloud-Anbieter zuzuordnen. Denn je weniger Umwege über die Unternehmenszentrale bei der Anbindung genommen werden, desto schneller und sicherer erfolgt der Zugriff auf die Cloud. Mit anderen Worten: Je mehr Direktverbindungen ein Netzwerkanbieter zu den Points of Presence (PoPs) der Cloud-Provider im Portfolio hat, desto eher können schnelle Verbindungen mit geringen Latenzzeiten realisiert werden.

Die Nähe zu den Cloud-Plattformen entscheidet über die Qualität der User Experience. Einen zusätzlichen Vorteil verschaffen Mehrwertdienste wie Cloud-Priorisierung. Hier werden der Datenverkehr und der Zugriff auf die Anwendungen von bestimmten Cloud-Anbietern priorisiert. Diese bekommen auch bei Lastspitzen immer Vorrang. So können Unternehmen beispielsweise ihre Kollaborationssoftware oder zentrale Geschäftsanwendung zur Abwicklung ihrer internen Prozesse priorisieren und so jederzeit ihre Produktivität sicherstellen.

SD-WAN als Multi-Talent

Die SD-WAN-Technologie, die auf Software-defined Networking basiert, hat sich vor allem für die Anbindung von Niederlassungen von Unternehmen etabliert. Doch auch beim Anwendungsmanagement mehrerer Clouds spielt sie ihre Stärken aus. Um die Steuerung des Datenverkehrs über alle genutzten Clouds und alle Standorte hinweg zu optimieren, bieten sich deshalb Multi-Cloud-Gateways über SD-WAN an. Diese Gateways übernehmen sozusagen eine Weichenfunktion und stellen sicher, dass geschäftskritische Anwendungen cloud- und netzwerkübergreifend reibungslos zur Verfügung stehen. So haben alle Endanwender beim Zugriff auf Cloud-Anwendungen unabhängig von ihrem Arbeitsort – ob zu Hause, im Büro, am Unternehmensstandort oder in den Niederlassungen – eine konsistente und stabile Nutzererfahrung.

Auf diese Weise lassen sich auch komplexe Geschäftsprozesse digital abbilden. Denn die unterschiedlichen Anwendungen stehen nicht miteinander in Konkurrenz, sondern bekommen durch die intelligente SD-WAN-Steuerungsplattform die entsprechende Kapazität zugewiesen. Das ist insbesondere bei zeitkritischen Termingeschäften oder der Abwicklung von „Just-in-Time“-Logistikprozessen von Vorteil.

Cloud-Migration ist auch Vertrauenssache

Wer ein Migrationsprojekt angeht, sollte sich über Zeit- und Ressourcenaufwand im Klaren sein. Ein leistungsfähiges Netzwerk, das die entsprechende Performance, Sicherheit und Skalierbarkeit der Verbindungen in die Cloud(s) garantiert, schafft die Voraussetzung für eine gelungene Migration.

Stephan Wanke, Colt Technology Services.
Stephan Wanke, Colt Technology Services.
(Bild: Colt)

Für einen nachhaltigen Projekterfolg ohne aufwändige und teure Nachjustierungen sind erfahrene Anbieter maßgeblich. Diese kennen sich mit allen Stufen des Projekts – von der Auslegung des Systems über die Risikoabschätzung bis zur Verfügbarkeitsgarantie – aus und sind in der Lage alle notwendigen Schritte eng getaktet zu planen. Ausschlaggebend ist in diesem Zusammenhang ein so genanntes Ökosystem von erfahrenen Partnern, die Hand in Hand, aufbauend auf ihren jeweiligen Kernkompetenzen, die Unternehmen bei der Cloud-Migration begleiten.

* Der Autor Stephan Wanke ist Regional Sales Director Enterprise Central & East Europe bei Colt Technology Services.

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