Cloud Computing beflügelt innovative Gründerszene Janz Berlin ist eene Wolke, aber nur in der sicheren Private Cloud

Autor / Redakteur: Lothar Lochmaier * / Florian Karlstetter

Gerade die dynamisch von der Graswurzel her wachsenden Jungunternehmen sollen mit Hilfe von Cloud-Technologien ihre IT-Ressourcen bedarfsgerecht nutzen. In der Praxis zögern jedoch mittelständische Anwender, meist aufgrund von Datenschutzbedenken, ihre Kernprozesse trotz offensichtlicher Kostenvorteile in die Wolke zu verlagern.

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Cloud Forum in Berlin: Vor allem Startups sollen von den unterschiedlichen Cloudinitiativen in der Hauptstadt profitieren.
Cloud Forum in Berlin: Vor allem Startups sollen von den unterschiedlichen Cloudinitiativen in der Hauptstadt profitieren.
(© kentoh - Fotolia.com)

Unterschiedliche Cloudinitiativen sind nun in der Hauptstadt angetreten, die Bedenken der Nutzer zu zerstreuen. Profitieren soll davon vor allem das lebendige Biotop der Startup-Szene.

Zu den prominenten Anwendern von Cloud Computing Diensten in der Hauptstadt, die sich aus nachvollziehbaren Gründen bereitwillig „outen“, gehört immerhin der IT-Branchenverband BITKOM. Auf dem Berliner Cloud Forum führte Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder vom BITKOM aus, die Organisation habe in einem klar definierten Einsatzbereich ihre Fixkosten beim Management der hauseigenen Infrastruktur durch radikalen Schwenk „in die Wolke“ pro Jahr deutlich reduzieren können.

Warum eine regionale Initiative somit allein aus betriebswirtschaftlichen Motiven heraus Sinn macht, skizziert Marius Brzezinski, Geschäftsführender Gesellschafter beim IT-Dienstleister Dynabit Systemhaus GmbH, einem der Impulsgeber zu den unterschiedlichen Berliner Cloud-Initiativen: „Die deutsche Hauptstadt ist der führende Standort für die junge Startup-Szene. Gerade diese Zielgruppe benötigt vor allem in der ersten Expansionsphase skalierbare Services, um sich flexibel an die jeweilige Entwicklung des Unternehmens anzupassen.“

Als zentralen Ausgangspunkt für den Wachstumsschub in die Wolke bei Existenzgründern und kleinen Unternehmen hat der Experte beim IT-Dienstleister Dynabit die in der Regel geringen Kapitalreserven identifiziert, die den Trend, externe Dienstleistungen gerade in der oft unübersichtlichen ersten Expansionsphase nur mehr bedarfsgerecht zu ordern und zu nutzen, massiv voran trieben.

„Dies bedeutet aber auch, sich eingehend mit der Frage zu befassen, wie investiere ich das Geld am sinnvollsten in die Cloud, ohne dass hinterher größere Probleme auftreten“, so Marius Brzezinski weiter. Deshalb raten Experten zu einem möglichst präzisen Vergleich, um Kosten und Nutzen pro Anwender und Mitarbeiter zwischen Wolke und „stationärer“ Lösung möglichst genau zu vergleichen.

Was das konkret bedeutet, beschreibt Hendrik Schneider, CEO bei der yoove Mobility GmbH. Der Mobilitätsspezialist mit dem „Segway-Roller“ als touristisches Zugpferd benötigte binnen kurzer Zeit Wochen nach seiner Gründung im März dieses Jahres eine Internetumgebung von der „grünen Wiese“. Das heißt gefragt waren nicht nur flexible Serverkapazitäten, sondern auch ein intelligentes Customer Relationship Management, um die gesamte Bestell- und Kundenverwaltung sicher abzuwickeln und auszubauen.

Heute wickelt der Mobilitätsspezialist mit wachsendem Mitarbeiterstamm sämtliche Server-Anwendungen im Rechenzentrum bei seinem Dienstleister ab, darunter Microsoft Windows Server mit Active-Directory, MS Exchange und Dynamics CRM, Terminal- und MS SQL Server, sowie neuerdings auch MS Sharepoint Portalsoftware. Die von den Mitarbeitern direkt bearbeiteten Dateien verbleiben jedoch weiterhin auf einem betriebsinternen NAS-System (Network Attached Storage).

Bis zum Startschuss bei der yoove Mobility GmbH in der Wolke blieben gerade einmal zwei Wochen Zeit, um das IT-System kurzfristig für die zum Frühjahr erwartete Buchungsflut zu rüsten. „Zu unseren Kunden gehören natürlich auch Unternehmen, weshalb wir Public Cloud Dienste wie Dropbox nicht nutzen, da uns hier der rechtlich wasserdichte Rahmen nicht vollständig geklärt erschien“ gibt Hendrik Schneider zu bedenken.

Klare Absage an die Public Cloud

Der Firmengründer erteilt der Public Cloud aber auch noch aus einem anderen Motiv heraus eine klare Absage. Denn ein persönlicher Ansprechpartner beim jeweiligen IT-Dienstleister sei unverzichtbar für die erfolgreiche Zusammenarbeit. Sprich, es braucht die direkte Hotline zum Servicepartner am anderen Ende der Leitung, gerade wenn einmal Probleme auftreten oder sich kurzfristig ein akuter Abstimmungsbedarf ergibt.

Deshalb lautet das Gebot der Stunde für Unternehmen unabhängig von ihrer Größenordnung, möglichst früh eine klare Grenzlinie zwischen Public und Private Cloud zu ziehen. „Für uns spielt die Notwendigkeit, sensible Daten unter Verschluss zu halten eine ebenso große Rolle wie die Maßgabe, uns als Unternehmen möglichst dynamisch aufzustellen“, ergänzt Peter Broschinski, IT-Leiter bei der Fleurop AG.

Der immerhin schon 1908 in Berlin gegründete traditionelle Blumenhändler hat bereits seit 2007 sukzessive eine bundesweit nutzbare Private Cloud für sich und seine Partner etabliert. Der Clou: Die jeweiligen Urlaubs- und Schließzeiten der Filialen sind darin ebenso erfasst wie der virtuelle Warenkorb, der für alle Nutzer gleichermaßen zur Verfügung steht. Nur eine verlässliche Private Cloud stellt somit sicher, dass der Blumenstrauß auch zur vorgesehenen Zeit an der richtigen Haustüre landet.

Die BerlinerCloud ist eine Private Cloud-Lösung in Form eines Mietmodells, das laut Angaben des Anbieters Dynabit die Vorzüge einer Public Cloud mit den individuellen IT-Wünschen und Sicherheitsbedürfnissen anspruchsvoller mittelständischer Unternehmen in Einklang bringen soll.

Übersicht - „Berliner Cloud Initiativen“ (kleine Auswahl):

Der Online- Marktplatz „goBerlin“ entwickelt neue Services der Verwaltung und der Privatwirtschaft, etwa zum Thema Heirat oder Umzug. Zu letzt genannten unterstützt das Online-Portal die Bürger von der Suche nach einer neuen Wohnung, über die Ummeldung bis zur Wahl des passenden Umzugsunternehmens. An der Pilotanwendung beteiligt sind unterschiedliche Partner aus Industrie und Forschung. Mehr Infos gibt es beim Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme.

„Gründercloud“ an der TU Berlin: Eine virtuelle Cloud um das Thema virtuelle Kollaborationsumgebung entwickelt die Technische Universität Berlin (TU), etwa mit einem neuen „Co-Working-Space“.

Lesetipp

Einen Überblick über den IT-Standort Berlin sowie die unterschiedlichen Anwendungen und Dienste in der „Berliner Cloud“ bietet die Broschüre „Internet der Dienste“, herausgegeben von der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Forschung.

Der Autor

Lothar Lochmaier arbeitet als freier Fach- und Wirtschaftsjournalist in Berlin.

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