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Bitkom: Studie zum Arbeitsmarkt für IT-Fachkräfte IT-Fachkräftemangel in Deutschland

Redakteur: Sarah Böttcher

In Deutschland werden derzeit rund 41.000 IT-Spezialisten gesucht. Damit ist die Zahl der offenen Stellen im Vergleich zum Vorjahr um rund 5 Prozent gestiegen. 42 Prozent von den 1.500 Geschäftsführern und Personalverantwortlichen, die für die Studie befragt wurden, gehen davon aus, dass sich in Zukunft der Mangel an IT-Experten weiterhin verschärfen wird.

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Obwohl der Fachkräftemangel in Deutschland mit 41.000 offenen Stellen sehr hoch ist, wird er sich in Zukunft weiter verstärken.
Obwohl der Fachkräftemangel in Deutschland mit 41.000 offenen Stellen sehr hoch ist, wird er sich in Zukunft weiter verstärken.
(© digitalfoto105 - Fotolia.com)

In Deutschland gibt es derzeit rund 41.000 offene Stellen für IT-Experten. Das sind rund 5 Prozent mehr als noch vor einem Jahr. Darin spiegelt sich laut Bitkom wider, dass sich die Auftragslage in großen Teilen der IT-Branche deutlich besser entwickelt hat als 2013. Den Trend, den man laut Bitkom seit 2007 auf dem Arbeitsmarkt sehen kann und der, von Ausnahmejahren in der Wirtschafts- und Finanzkrise abgesehen, nahezu konstant einen ungedeckten Fachkräftebedarf von rund 40.000 IT-Experten aufweist, wurde durch die vom Bitkom durchgeführte Studie zum Arbeitsmarkt für IT-Fachkräfte bekräftigt.

ITK-Unternehmen und Anwender suchen Spezialisten

In der IT-Branche selbst finden sich aktuell 16.500 offene Stellen bei Unternehmen der Informationstechnologie und Telekommunikation. Vor allem Software-Anbieter sowie IT-Dienstleister suchen Spezialisten, insgesamt entfallen auf sie rund 14.200 unbesetzte Stellen. Software- sowie IT-Dienstleistungen seien laut Bitkom auch die Branchen-Segmente, die über die vergangenen Jahre konstant überdurchschnittlich gewachsen seien.

Wie im Vorjahr benötigen fast drei Viertel (rund 71 Prozent) der ITK-Unternehmen die aktuell freie Stellen haben, Software-Entwickler. Bei ihnen sind vor allem Fähigkeiten rund um Cloud Computing (53 Prozent) und Big Data (44 Prozent) gefragt, gefolgt von Kenntnissen im Bereich Social Media (34 Prozent) sowie zur Programmierung von klassischen Webpräsenzen (28 Prozent) und Apps beziehungsweise mobilen Webseiten (26 Prozent).

1.700 IT-Experten werden von Herstellern von Hardware und Unterhaltungselektronik gesucht, 600 von Anbietern von Telekommunikationsdiensten.

IT-Experten werden aber auch quer durch alle Wirtschaftszweige gesucht. Denn auch Anwender von ITK-Lösungen suchen nach Fachkräften. Rund 24.500 offene Stellen benötigen Unternehmen aus Handel, Produktion oder Dienstleistung, die selbst IT-Abteilungen unterhalten oder die für spezifische Aufgaben IT-Experten benötigen.

Nachfrage nach Entwicklern in der Anwenderbranche

Wie bereits in der Vergangenheit sieht die Nachfrage nach bestimmten IT-Qualifikationen in den Unternehmen außerhalb der ITK-Branche anders aus. Hier haben weiterhin Anwendungsbetreuer und Administratoren die besten Chancen. In jedem zweiten Unternehmen gibt es entsprechenden Bedarf. Allerdings ist auch hier die Nachfrage verglichen mit dem Vorjahr rückläufig.

Deutlich häufiger gibt es inzwischen offene Stellen für Software-Entwickler außerhalb der klassischen ITK-Unternehmen. In jedem sechsten Unternehmen gibt es eine nicht gedeckte Nachfrage nach entsprechenden Spezialisten, vor einem Jahr war dies gerade einmal in jedem elften der Fall. Und auch in den Anwenderbranchen steigt der Bedarf nach IT-Sicherheitsexperten kräftig.

Waren offene Stellen für Sicherheits-Fachleute vor einem Jahr noch die absolute Ausnahme, so haben heute bereits 9 Prozent der Unternehmen Stellen, die sie nicht adäquat besetzen können. Rückläufig ist dagegen die Nachfrage nach Projektmanagern. IT-Berater werden unverändert in rund jedem achten Unternehmen gesucht.

IT-Sicherheitsexperten sind gefragt

Auffallend sei vor allem der rasant gestiegene Bedarf an IT-Sicherheitsexperten, die fast in jedem siebten Unternehmen fehlen. „Der Bedarf an IT-Sicherheitsexperten steigt. Hier spiegelt sich die Debatte der vergangenen Monate über Abhörmaßnahmen der Geheimdienste, Industriespionage und die zahlreichen Berichte über Cyberattacken deutlich wider“, so Kempf. Ebenfalls verstärkt gesucht werden Projektmanager.

Schaffung neuer Arbeitsplätze

Trotz des unverändert hohen Fachkräftemangels in der ITK-Branche werden die Unternehmen in diesem Jahr voraussichtlich 10.000 zusätzliche Arbeitsplätze schaffen. Am Ende des Jahres werden in den Unternehmen voraussichtlich 953.000 Menschen beschäftigt sein. Innerhalb von fünf Jahren sind damit in der ITK-Branche fast 100.000 neue Arbeitsplätze entstanden.

Expertenmangel wird sich weiterhin verschärfen

Sollte der Bedarf an IT-Fachpersonal in Zukunft weiter ansteigen, beziehungsweise weiterhin nicht genügend Fachkräfte vorhanden sein, so besteht laut Bitkom-Präsident Prof. Dieter Kempf „die Gefahr, dass Arbeit ins Ausland verlagert wird. Das bedeutet aber auch, dass Innovationskraft verloren geht.“

Mehr als jedes zweite ITK-Unternehmen (54 Prozent) gibt an, dass aktuell ein Mangel an IT-Spezialisten herrscht. 42 Prozent erwarten sogar, dass sich der Fachkräftemangel in Zukunft weiter verschärfen wird.

Um dem Expertenmangel entgegenzuwirken, bekräftigte der Bitkom seine Forderungen nach einem Pflichtfach Informatik in der Sekundarstufe I. „Wir müssen bei unseren Kindern ansetzen und schon in der Schule das Interesse an der Informatik und anderen technischen Berufen wecken. Wir könnten damit unsere Schülerinnen und Schüler besser auf das Leben in einer digitalen Welt vorbereiten und dabei auch frühzeitig ihr Interesse für Informatikberufe wecken“, so Kempf.

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