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Welche UC-Lösung ist wann sinnvoll? IP-Centrex versus IP-PBX – ein Vergleich

| Autor / Redakteur: Bernhard Lück / Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

Kommunikationssysteme, die auf IP-Centrex und IP-PBX basieren, versprechen größtmögliche Flexibilität und viele Features. Der Managed-Service-Provider BCC vergleicht die beiden IP-basierenden Lösungen und beleuchtet die Unterschiede zu klassischen TK-Anlagen.

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BCC-Produktmanager Sebastian Lingner: „In Sachen Ausfallsicherheit liegen IP-Centrex und IP-PBX ziemlich gleichauf. Eine redundante Auslegung erhöht die Sicherheit zusätzlich“.
BCC-Produktmanager Sebastian Lingner: „In Sachen Ausfallsicherheit liegen IP-Centrex und IP-PBX ziemlich gleichauf. Eine redundante Auslegung erhöht die Sicherheit zusätzlich“.
(Bild: BCC)

Seit Jahren ist der Markt für klassische Telefonanlagen rückläufig, während die Zahl der neuen VoIP-Anschlüsse kontinuierlich wächst. Das liegt vor allem daran, dass die alten ISDN- oder analogen Telefonanlagen nicht mit den technischen Neuerungen und den damit einhergehenden Features mithalten. Hinter der Umstellung auf moderne IP-Anlagen stecken auch Kostengründe. Während im klassischen Modell starr die Anzahl der Endgeräte bzw. Nebenstellen festgelegt ist und die Abrechnung nach einer monatlichen Pauschale erfolgt, punkten die neuen konvergenten Kommunikationssysteme mit flexibler Skalierbarkeit und im Fall von IP-Centrex mit Pay-per-Use-Modellen. Dabei ist heute nicht einmal mehr eine physisch vorhandene Anlage notwendig. Die gesamte Kommunikation lässt sich über eine kostengünstige Software realisieren.

VoIP-Systeme auf Erfolgskurs

VoIP-Systeme erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Die Welt IP-basierender TK-Anlagen teilt sich im Wesentlichen in die Bereiche IP-Centrex und IP-PBX auf. Bei Letzterem ist sowohl ein gehosteter Betrieb als auch der Eigenbetrieb im Unternehmen möglich. Die Entscheidung, wann sich welche Lösung eignet und was für Vorteile sie mit sich bringt, ist nicht einfach. Beide Technologien haben sich in letzter Zeit immer weiter angeglichen und sind nur in den Feinheiten zu unterscheiden, zum Beispiel in der gewünschten Teilnehmeranzahl. Während sich IP-Centrex als gesharte Variante bereits für Unternehmen ab einer geringen User-Anzahl rentiert, rechnet sich der Betrieb von unternehmenseigenen IP-PBXen – sowohl im Eigenbetrieb als auch als gehostete Lösung – erst mit wesentlich mehr Teilnehmern, da hier die Investitionskosten je nach verwendetem System relativ hoch ausfallen.

Fixe Kosten bei gehosteten Diensten

IP-Centrex bietet die Abrechnung pro Port, da die Betriebskosten anteilig auf mehrere Kunden umgelegt werden. Bei gehosteten PBXen fahren Provider unterschiedliche Modelle: Meist berechnen sie Betriebskosten pro Port bei einer garantierten Mindestabnahmemenge. Für den Kunden entstehen hier bei gleicher User-Anzahl also keine unerwarteten Kostensprünge, da die Portkosten planbar und zu nahezu 100 Prozent OPEX sind. Die Gesamtkosten verändern sich bei konstanter Nutzerzahl nicht und sind damit leichter in die Budgetplanungen einzurechnen. Hardwarebasierende IP-PBXen amortisieren sich – je nach Abschreibungsdauer und Konfiguration – im Eigenbetrieb in der Regel erst nach einigen Jahren und sind mit einem sehr hohen CAPEX verbunden. Werden solche Anlagen nach der Abschreibungsdauer weiter betrieben, so fallen vorwiegend Betriebskosten an, die verglichen mit einem Centrex-Service wesentlich niedriger sein können. Aufgrund der langen Tilgungsphase und der schnellen technologischen Weiterentwicklungen in der ITK ist allerdings fraglich, ob dieser Kostenvergleich dann auch aufgeht. Zudem liegt der gesamte Betrieb nach wie vor in den Händen der unternehmenseigenen IT-Abteilung.

Moderne Features stellen hohe Anforderungen ans Netz

IP-Centrex-Dienste wiesen im Vergleich zu Soft-PBXen anfangs nur einen begrenzten Funktionsumfang auf, rüsteten aber in den letzten Jahren nach: Heute unterstützen diese beispielsweise Funktionen wie Click-to-Dial und Fixed Mobile Convergence (FMC) zur Verknüpfung von Fest- und Mobilfunknetz. IP-PBXen zeichnen sich durch eine leichtere Integration in die vorhandene IT-Landschaft aus und haben den Vorteil, spezifischere Anpassungen leichter umzusetzen, da sie nur für ein spezielles Unternehmen bereitgestellt werden. Solche Anpassungsmöglichkeiten bieten heute auch bereits verschiedene IP-Centrex-Plattformen, allerdings hängt es häufig vom spezifischen Diensteangebot des Providers ab, ob der Kunde von dieser Möglichkeit partizipiert.

Für alle im WAN betriebenen IP-Telefonievarianten ist genügend Bandbreite mit entsprechender Servicequalität notwendig. Auch attraktive Zusatzdienste aus dem Bereich Collaboration, wie Conferencing, benötigen eine stabile und schnelle Internetverbindung. Als kostengünstigste Basislösung fungiert eine sDSL-Anbindung, die gleichmäßige Upload- und Downloadbandbreiten garantiert. Die Wahl der Anbindung wie der Bandbreite hängt jedoch wesentlich von der Teilnehmerzahl eines Standortes ab.

Selbst IP-Centrex benötigt entsprechende Bandbreite: Gute Uploadgeschwindigkeiten sind auch dann notwendig, wenn der Provider die Gespräche zentral ins klassische Fernsprechnetz abführt.

In puncto Sicherheit gleichauf

Im Netz unterliegen die Sprachdaten den gleichen Gefahren wie normale Daten. Daher läuft zum Schutz die Übertragung häufig durch das Secure Realtime Transport Protocol (SRTP). Zudem bieten einige Provider die Möglichkeit, die Gespräche über IPsec zu tunneln. Auf diesem Wege sind die Daten gut abgesichert. Dies ist allerdings nur dann nötig, wenn Gespräche über das öffentliche Internet gehen. „In Sachen Ausfallsicherheit liegen beide Systeme ziemlich gleichauf und eine redundante Auslegung erhöht die Sicherheit zusätzlich“, stellt Sebastian Lingner, Icyteas-Produktmanager bei BCC, fest. „Redundanzen, die Verfügbarkeiten erhöhen, sollten in sensiblen Bereichen wie der Telefonie Standard sein.“ Bei den gehosteten Lösungen regeln die SLAs des Providers die Ausfallsicherheit. Hier sammelt der Eigenbetrieb im Vergleich eher Minuspunkte, da das Unternehmen selbst den redundanten Aufbau der Systeme garantieren und Failover-Lösungen entwickeln muss. Unter dem Strich profitieren Unternehmen am ehesten von dem gehosteten System von IP-Centrex und IP-PBX. Durch die relative Angleichung im Leistungsspektrum sind beide Systeme attraktive Alternativen zur klassischen TK-Anlage. Nur in puncto Userzahl und Abrechnungsmodelle gibt es kleinere Unterschiede zwischen den beiden Modellen, die für die Unternehmen interessant sind.

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