Offshorer dringen in Consulting-Bereich vor

Indische Anbieter investieren verstärkt in Unternehmensberatung in Europa

31.03.2011 | Autor / Redakteur: Alun Jones / Katrin Hofmann

Alun Jones, Senior Consultant bei IDC in Frankfurt
Alun Jones, Senior Consultant bei IDC in Frankfurt

Offshore-Provider bieten ihre Beratungs-Kapazitäten verstärkt „onshore“, also vor Ort bei ihren potenziellen Kunden, an. Diesen Trend beobachtet IDC seit geraumer Zeit. Die in Indien ansässige Wipro etwa offeriert ihren Kunden ihre Business-Consulting-Dienstleistungen mittlerweile aus Westeuropa heraus.

Offshore-Anbieter haben sich in der Vergangenheit in den Bereichen Applikationsentwicklungs-, Management-Services- und Business-Process-Outsourcing (BPO) einen Namen gemacht. Traditionelle Beratungsdienstleistungen im Bereich Management- und Business-Consulting gehörten jedoch bisher meist nicht zum Portfolio.

Viele Offshorer sind jedoch gerade unauffällig aber dennoch zielstrebig dabei, hierzulande eine zunächst kleine, aber wachsende Beratungsmannschaft aufzubauen. Wipro verfügt zum Beispiel derzeit über 370 Berater in Europa, wovon die meisten in Großbritannien sind und für Wipro Projekte sowohl im Bereich Business- als auch Technology-Change verkaufen und durchführen.

Ob Offshore-Anbieter wie Wipro in der Lage sind – oder gar über ausreichende Glaubhaftigkeit verfügen –, eine strategische Beratung auf dieser Ebene anzubieten, dürften sich einige Unternehmen in Deutschland und Westeuropa vermutlich bald fragen. Zum jetzigen Zeitpunkt ist IDC eher skeptisch; allein der Versuch ist fragwürdig. Indische Offshorer rangieren im Vergleich zu etablierten Dienstleistern wie etwa McKinsey unter ferner liefen, und daran wird sich in absehbarer Zeit nach unserer Einschätzung nichts ändern. Nichtsdestotrotz haben sich die europäischen Consulting-Mannschaften der Offshorer auf den Onshore-Bereich fokussiert und verfügen bereits über erfahrene Führungskräfte, die in früheren Positionen etwa Partner bei anderen Consulting-Unternehmen oder bei einem der „Big Four“ waren. Dies allein unterstreicht den Schritt in der Wertschöpfungskette weg vom IT- hin zu Business-Consulting.

Deutschland und Frankreich im europäischen Fokus

2009 erzielte Wipro 55 Prozent seines europäischen Umsatzes in Großbritannien, die übrigen 45 Prozent verteilten sich auf das europäische Festland. Dennoch ist die UK-lastige Verteilung bei Wipro weniger ausgeprägt als bei anderen indischen Mitbewerbern. Wipros Fokus hinsichtlich des künftigen Wachstums in Europa liegt auf dem deutschen und französischen Markt, so wurden in beiden Ländern bereits lokale Strukturen geschaffen und Landes-Geschäftsführer eingesetzt. Die kritische Frage lautet: Wird sich das Erfolgsmodell aus UK auch in Deutschland und Frankreich durchsetzen können?

Tipps für Anwenderunternehmen

  • Anwenderunternehmen, die großangelegte firmenübergreifende Business-Change- im Gegensatz zu Technology-Change-Projekten erwägen, sollten nach Meinung von IDC sorgfältig vorgehen. Oftmals sind die von den indischen Offshorern derzeit angebotenen Dienstleistungen – die Größenordnung, Breite und Tiefe betreffend – noch nicht ausgereift.
  • Die Offshore-Anbieter sind allerdings gerade dabei, sich Glaubhaftigkeit und Leistungsfähigkeit anzueignen, indem sie technologielastige Prozessoptimierungs-Projekte (beispielsweise im Bereich IT, Finanzen, Kundenservice oder Logistik) umsetzen. Dies gilt besonders für die Applikationstransformation, hier haben die indischen Anbieter eine hervorragende Expertise.
  • Interessant an der Initiative der indischen Anbieter ist aber vor allem, dass sie ihnen nach Meinung von IDC neue Chancen eröffnet, ihre Hauptangebote, welche ohne Frage jenseits des Business Consulting liegen, auch bei „Nicht-IT-Ansprechpartnern“ in der Geschäftsführung zu platzieren. Diese Investitionen werden sie ein wenig näher an den CxO (Chief Officer) bringen und ein Stück weg von reinen Rechenzentrums-Dienstleistungen. Es wäre also nicht überraschend, wenn das eine oder andere deutsche Unternehmen demnächst verstärkt mit Wipro, TCS, Infosys oder einem anderen Mitbewerber Gespräche auch über Business-Themen führend würde.

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