Dunkle Schatten bedrohen den Aufschwung

IDC: 2010 bleibt ein schwaches Jahr für die IT

26.05.2010 | Autor / Redakteur: Joachim Benner / Katrin Hofmann

Joachim Benner, Research Analyst bei IDC in Frankfurt
Joachim Benner, Research Analyst bei IDC in Frankfurt

Langsam schreitet seit Jahresbeginn 2010 die weltweite konjunkturelle Erholung voran. Die deutsche Wirtschaft konnte ebenfalls ein leichtes Plus im ersten Quartal verzeichnen. Von einer kräftigen und nachhaltigen Erholung sind wir aber noch weit entfernt.

Erstaunlich robust zeigt sich immerhin der Arbeitsmarkt; die Auftragslage verbessert sich und die Stimmung hellt sich mehr und mehr auf. Doch wirft Griechenlands Haushaltskrise einen dunklen Schatten auf das zarte Pflänzchen Wachstum. Neben den politischen Folgen gefährdet dies vor allem die Stabilität des Euros. Mittelfristig befürchten Finanzexperten sogar eine rasant steigende Inflation in Deutschland.

Konjunkturmotor stottert

Gleichzeitig wird der ohnehin schon stark defizitäre Staatshaushalt Deutschlands weiter belastet. Der Bundesregierung, aber auch den Ländern und Kommunen, bleibt gar nichts anderes übrig als scharf auf die Schuldenbremse zu drücken. Ob dies den Konjunkturmotor abwürgen wird sei dahingestellt, ins Stottern wird er mit Sicherheit kommen.

Das konjunkturelle Umfeld ist also ziemlich unsicher und viele Unternehmen halten sich deshalb im Moment mit Investitionen bedeckt. Tritt fassen konnten daher bisher auch noch nicht die Investitionen in IT. Die mit einem Rückgang um über sieben Prozent im vergangenen Jahr stark gebeutelten IT-Ausgaben zeigen auch in diesem Jahr noch keine durchgreifende Erholungstendenz.

Hardware-Markt weiter auf Sinkflug

Insbesondere der Hardware-Markt befindet sich weiter auf Sinkflug. Die Ausgaben für Server, PCs und Speichermedien dürften sogar bis Jahresende noch einmal schrumpfen. Einen Lichtblick stellen da lediglich mobile Endgeräte dar. Blackberry, iPhone und Co. erfreuen sich weiter zunehmender Beliebtheit, was die Kasse in diesem Segment auch in diesem Jahr kräftig klingeln lässt. Allerdings reicht das nicht aus, um den angeschlagenen Hardware-Markt auf die Füße zu bringen. Laut einer Prognose von IDC werden die Hardware-Ausgaben in diesem Jahr um gut zwei Prozent zurückgehen, nach einem Minus von über zwölf Prozent im Kalenderjahr 2009.

Outsourcing-Geschäft zieht an

Etwas günstiger sieht es da schon bei den IT-Services aus, dem größten Teilmarkt der drei IT-Bereiche Hardware, Software, IT-Services. Zwar geht die Nachfrage für Wartung und Support Dienstleistungen sowie Schulungs- und Trainingsmaßnahmen auch in diesem Jahr weiter zurück, dafür zieht aber das Outsourcing-Geschäft an. Waren viele Unternehmen im vergangenen Jahr damit beschäftigt kurzfristig Kosten einzusparen, haben sie inzwischen etwas Luft gewonnen, ihre IT-Strategie zu überdenken. Aufgrund des nach wie vor bestehenden Kostendrucks, stellt das Auslagern von Teilen der IT eine Alternative zum Eigenbetrieb dar.

Ungebrochener Preisdruck

Die Ausgaben für Outsourcing werden daher in diesem Jahr beschleunigt steigen; ein Wermutstropfen für die Servicesanbieter besteht jedoch – der Preisdruck ist in diesem Umfeld nicht gerade gering. Alles in allem wird es aber reichen, um dem Services-Markt ein leichtes Wachstum von 0,7 Prozent zu bescheren.

Ein weiterer Lichtblick ist der Software-Markt. Er wird von allen drei Teilmärkten das stärkste Wachstum verzeichnen, gleichwohl wird auch er nicht übermäßig stark zulegen können. Einige neue Releases in der ersten Jahreshälfte und natürlich das neue Microsoft Betriebssystem Windows 7, das Ende vergangenen Jahres auf den Markt kam, geben dem Markt Wachstumsimpulse.

Nullrunde droht

Die Zuwächse im Software- und Services-Bereich werden insgesamt jedoch nicht den Rückgang bei den Hardware-Ausgaben wettmachen können. Alles in allem rechnet IDC für dieses Jahr bei den IT-Ausgaben in Deutschland mit einer roten Null. Der Markt wird damit ein Volumen von gut 58 Milliarden ausmachen. Für das Jahr 2011 erwartet IDC dann jedoch, dass die Krise auf dem IT-Markt – sofern keine weiteren wirtschaftlichen Rückschläge mehr eintreten – endgültig überwunden sein wird.

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