Euphorie macht Entscheider blind

Hybrid ja – aber nicht so!

| Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Florian Karlstetter

Die Risiken der Hybrid Cloud: Viele Unternehmen lassen sich auf zu viele externe Cloud-Anbieter ein.
Die Risiken der Hybrid Cloud: Viele Unternehmen lassen sich auf zu viele externe Cloud-Anbieter ein. ( © hywards - Fotolia.com)

Die Hybrid Cloud hat sich auch in deutschen Unternehmen bewährt und durchgesetzt. Die Euphorie über das neue Paradigma verführt viele IT-Entscheidungsträger dazu, sich mit zu vielen Anbietern einzulassen.

Die Hybrid Cloud setzt sich immer mehr durch. So sehr, dass Branchenbeobachter die Alarmglocken schellen lassen: Viele Unternehmen lassen sich auf zu viele externe Cloud-Anbieter ein! Denn schon ab drei genutzten Wolken wird die Lage unübersichtlich.

Unternehmen binden Ihre Private Clouds immer öfter an Ressourcen von außerhalb an, gerne aus der Public Cloud. Die Private Cloud ist in der Regel ausgelegt auf die Grundlast, zusätzlicher Bedarf, zuallererst ist hier an saisonale Lastspitzen oder gelegentliche Big Data-Analysen zu denken, wird flexibel hinzugebucht. Dies sorgt für Sicherheit und Kontrolle: Der Herr der Unternehmensdaten bestimmt selbst, ob seine Schäfchen die Private Cloud verlassen dürfen oder nicht. Bestehende Security-Richtlinien lassen sich dabei oft direkt auf externe Cloud Umgebungen anwenden.

Das Rechenzentrum mit Anbindung an öffentliche Wolken überzeugt immer mehr Entscheider. In einer gut aufeinander abgestimmten, interoperablen Konfiguration lassen sich die Vorteile der unterschiedlichen Cloud Delivery Modelle nutzen– von Private Clouds, überwiegend On-Premise, bis hin zu externen Clouds, meist Public.

Aktuelle Zahlen von IDG Connect belegen den Trend hin zur „Hybrid IT“. Die im März vorgelegten Zahlen bezeugen, dass die Hybrid IT sowohl heute als auch in der mittel- bis langfristigen Zukunft die bevorzugte Strategie darstellen. 45 Prozent der europäischen Unternehmen nutzen bereits hybride IT-Lösungen, in Deutschland sind es gar 58 Prozent. Auch im kommenden Jahr werden Unternehmen hierzulande diesen Vorsprung noch deutlich ausbauen. 98 Prozent (!) der deutschen Unternehmen schätzen, dass sie 2016 hybride IT-Lösungen nutzen werden, im europäischen Durchschnitt sind es 80 Prozent.

Aber die Euphorie über das hybride Modell lässt viele Verantwortliche übers Ziel hinaus schießen. Das hat die von Vanson Bourne im Auftrag von Telstra durchgeführte Studie „Customer Centric Clouds - Hype or Hybrid“ herausgefunden. Zwei Drittel der IT-Entscheidungsträger würden demnach ja gerne sämtliche Cloud-Dienste von einem einzigen Anbieter beziehen, die meisten haben sich allerdings für Angebote von drei (!) Anbietern entschieden.

Ein idealer Endzustand ist schwierig

„Wir leben in einem Käufermarkt und unsere Studie lässt darauf schließen, dass viele Unternehmen zur Erfüllung unterschiedlicher Kundenerwartungen mit mehreren Cloud-Anbietern zusammenarbeiten, um ihre diversen Infrastrukturbedürfnisse zu erfüllen. Das Ergebnis ist dann möglicherweise eine komplexe Cloud-Umgebung, die für Unternehmen schwer zu verwalten, integrieren und kontrollieren ist“, so Martin Bishop, Leiter des Bereichs Network, Applications & Services bei Telstra Global Enterprise & Services.

„Trotzdem zeigt unsere Studie auch, dass die Bündelung von Ressourcen in einer einzigen privaten Cloud ebenfalls nicht der ideale Endzustand ist. Die meisten IT-Entscheidungsträger argumentieren, dass dieses Modell nicht die erforderliche Flexibilität für die unterschiedlichen Prozesstypen, Dienste und Arbeitslasten bietet, die globale Unternehmen unterstützen müssen.“

Outsourcing mit Hilfe eines Partners

Der Trend scheint 2015 hin zu einem hybriden Ansatz zu gehen, der von einem einzelnen Partner bereitgestellt wird, der vollständig für die Cloud-Dienste eines Unternehmens verantwortlich ist. „Unsere Studie zeigt in der Tat, dass 72 Prozent der IT-Entscheidungsträger einen einzelnen Anbieter oder Vermittler für alle Cloud-Dienste bevorzugen würden als mit den Herausforderungen beim Management mehrerer Anbieter zu kämpfen“, so Bishop.

Die Studie ergab darüber hinaus, dass zwar vier von zehn (45 Prozent) der Unternehmen IaaS implementiert haben - 42 Prozent planen die Implementierung in der nahen Zukunft - Cloud-Anbieter aber mehr tun können, um Unternehmen bei ihren IaaS-Migrationen zu leiten.

Die Implementierung von IaaS ist auch branchenabhängig sehr unterschiedlich. Hauptsächlich genutzt wird die Technologie in den Bereichen Produktion (61 Prozent), professionelle Dienstleistungen (54 Prozent) sowie Finanz- und Versicherungswesen (46 Prozent). Die Hochschulbildung hingegen zeigt die geringste IaaS-Nutzungsrate. Hier haben mehr al ein Viertel (27 Prozent) zurzeit nicht die Absicht, die Technologie zu implementieren.

Mit den Bestrebungen der Unternehmen, in neue und aufstrebende Märkte in Asien und rund um die Welt zu expandieren, ergab die Studie, dass die Hälfte der Teilnehmer (49 Prozent) sich eher für einen globalen als einen lokalen Dienstanbieter entscheiden würde - nur 27 Prozent würden eine lokale Option bevorzugen.

„Der Wettbewerb ist in sämtlichen Branchen erbittert und zunehmend international. Viele Unternehmen wünschen sich heute die Fähigkeit, Daten offshore zu hosten, um das Unternehmenswachstum zu unterstützen. Und wie unsere Studie zeigt, sehen sie einen Wert darin, mit Anbietern zusammenzuarbeiten, die mit den verschiedenen Verordnungen, Regierungsbestimmungen und Gesetzen in den zahlreichen Märkten ihrer Tätigkeit vertraut sind“, schloss Bishop.

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