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Facebooks Serverblaupausen begünstigen Ökosystem konkurrierender Infrastrukturanbieter Hersteller integrieren Open Compute Project teilweise in Server

| Autor / Redakteur: Dirk Srocke / Florian Karlstetter

Facebooks Open Compute Project dokumentiert, wie effiziente Rechenzentren aussehen. Hinter den frei verfügbaren Spezifikationen vermuten Analysten jedoch knallharte Geschäftsinteressen und den Plan, ein Ökosystem konkurrierender Hardwarelieferanten zu züchten. Dell und Hewlett-Packard machen trotzdem mit und übernehmen einige Server-Designs.

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Facebook-Spezifikationen dokumentieren, wie Rechenzentren eine PUE von 1,07 erreichen.
Facebook-Spezifikationen dokumentieren, wie Rechenzentren eine PUE von 1,07 erreichen.
( Archiv: Vogel Business Media )

Server von der Stange erfüllen Facebooks Anforderungen an kostengünstige und effiziente Rechenzentren offenbar nicht. Dem entsprechend hat der Dienstleister eigene Hardware für den Betrieb seines Social Networks entworfen, beispielsweise aufs Wesentlichste reduzierte Server mit offenen Gehäusen.

Die technischen Spezifikationen für Server, Racks sowie Stromversorgung und Gebäudedesign sind jetzt öffentlich verfügbar - und versprechen Datacenter mit einer hervorragenden Power Usage Effectiveness (PUE) von 1,07. Facebook selbst hat im eigenen Rechenzentrum Prineville, Oregon 38 Prozent an Energie und 24 Prozent an Kosten eingespart.

Zumindest theoretisch könnten Hersteller und Anwender die Entwürfe nutzen und weiterentwickeln, um eigene Rechenzentren zu optimieren. Facebook lädt die Community zu einem regen Austausch ein und verweist auf Analogien zu offener Software. Analysten bezweifeln allerdings, dass Facebook Firmeninterna aus rein altruistischen Motiven preisgibt.

Maßgeschneiderte Systeme zu günstigen Preisen

Für Forrester-Analyst Richard Fichera ist klar: Facebook hofft, ein Ökosystem konkurrierender Anbieter zu schaffen. Gemäß dieses Kalküls gäbe es in Zukunft verschiedene Lieferanten, die Facebook mit maßgeschneiderten und preisgünstigen Systemen beliefern.

So erklärt sich, dass bereits jetzt miteinander wettstreitende Unternehmen am Open Compute Project mitarbeiten; beispielsweise werden Dell und Hewlett-Packard als Partner des Unterfangens genannt. Die Server-Hersteller sehen Ihre Pfründe offziell nicht gefährdet und betonen stattdessen die Bedeutung offener Standards für die Industrie.

Innovation statt Kannibalisierung

Konkret bestreitet Dell auf Nachfrage von DataCenter-Insider mögliche Kannibalisierungseffekte durch offene Serverdesigns und betont den innovativen Aspekt des Open Compute Projects. Der Hersteller glaubt offenbar, mit dem Projekt mehr zu gewinnen als zu verlieren. Mutmaßlich geht Dell auch nicht davon aus, dass Endkunden ihrer Server künftig in reiner Eigenleistung zusammenbauen.

Stattdessen werden Anwender die im Open Compute Project getesteten Designs womöglich als Features von PowerEdge-C-Systemen erwerben können, so zumindest eine unverbindliche Absichtserklärung Dells. Eine Roadmap gibt es allerdings nicht. Derzeit ergründe man noch, welche Entwürfe für Standardserver taugen. Über die Data Center Solutions Division (DCS) biete man jedoch schon jetzt vom Open Compute Project abgeleitete Produkte an - für Kunden die mit Facebook vergleichbare Applikationen betreiben.

Auch Hewlett-Packard wird wohl einige, der mit Facebook entwickelten Lösungen in eigene Produkte einfließen lassen. So beschreibt der Hersteller ein hocheffizientes 277-Volt-Netzteil mit niedrigem Klirrfaktor (Total Harmonic Distortion). Die Energieversorgung könne auch mit bestehenden HP-ProLiant-Servern genutzt werden.

Zu weiteren Mitstreitern von Facebooks Open Compute Project gehören unter anderem Alfa Tech, AMD, Delta, Intel, Power-One, Quanta, Synnex, Rackspace, Skype und Zynga.

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