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Schallhorn von Fritz und Macziol: „Die Cloud kann zum Gefängnis werden“ Hauseigene Test and Development Cloud für Entwickler

| Redakteur: Sarah Maier

Bei Fritz und Macziol sieht man sowohl die Vorteile wie auch die Nachteile von Cloud-Lösungen. Geschäftsführer Oliver Schallhorn ist sich jedoch sicher, dass diejenigen, die nicht in die Wolke investieren, in drei Jahren vom Markt gefegt werden.

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Oliver Schallhorn, Geschäftsführer bei Fritz und Macziol
Oliver Schallhorn, Geschäftsführer bei Fritz und Macziol
( Archiv: Vogel Business Media )

„Die Cloud ist ein Mainstream, allerdings kann der Weg dorthin auch ziemlich steinig sein“, findet Oliver Schallhorn, Geschäftsführer des Systemhauses Fritz und Macziol. „Wer heute nicht in die Cloud investiert, wird in zwei bis drei Jahren nicht mehr im Geschäft sein“, so seine Prophezeiung.

Wie der Geschäftsführer feststellt, beschäftigen sich die Kunden stark mit der Cloud – hauptsächlich mit der Private Version. „Natürlich führen wir auch Beratungsgespräche zur Hybrid Cloud, doch noch ist es für Unternehmen kein Thema, sensible Daten in ein fremdes Rechenzentrum auszulagern. Dafür ist es rund drei Jahre zu früh“, glaubt Schallhorn.

Auch weist er darauf hin, dass vielfach die Bezahlsysteme für Applikationen aus der Wolke nicht ausgereift sind. Als Beispiel nennt er die Business Productivity Online Standard Suite (BPOS) von Microsoft: Statt nach dem tatsächlichen Nutzungsverhalten zu bezahlen wird hier, wie bei den herkömmlichen Lizenzmodellen, weiterhin per User bezahlt. Es gibt also keinen zustätzlichen Anreiz diese Public Cloud zu nutzen. Eine Abrechnung nach tatsächlichem Verbrauch, würde hingegen den CIOs entgegen kommen, da sich so die Kosten transparent auf die Abteilungen umlegen lassen.

Interne Test-Wolke

Diesen Wert hat Fritz und Macziol bereits erkannt, und für interne Zwecke eine hauseigene „Test and Development Cloud“ aufgesetzt. Die rund 500 Entwickler und Berater des Systemhauses können über ein Portal innerhalb von zwei Minuten Test-Umgebungen erstellen. „Früher, mit dem Weg über die IT-Abteilung, die einen virtuellen Server aufsetzen musste, brauchte das oftmals zwei Wochen“, erklärt Schallhorn. „Waren die Server einmal konfiguriert, wurden die Systeme lange nicht mehr freigegeben. Durch die besetzten Ressourcen entstanden wieder Kosten. Jetzt, via Cloud, werden die Systeme automatisch freigegeben. Zudem werden die entstandenen Ausgaben dem Abteilungsleiter zeitnah übermittelt.“

Gefangen in der Cloud

Doch die Wolke hat auch ihre Tücken, wie der IT-Dienstleister in der Müll-Branche feststellen musste. Zur automatisierten Abwicklung aller Verwaltungsprozesse nach dem elektronischen Abfallnachweisverfahren (eANV), hat Fritz und Macziol ein eANV-Portal entwickelt. Dies kann jeder via Web für 2,80 pro Abfallschein nutzen.

„Anfangs gab es eine ganze Reihe von Problemen und es hagelte massenhaft Beschwerden. Am liebsten hätte ich das Ganze trotz der hohen Investitionen abgeblasen, doch wir hatten bereits 400 Kunden“, erinnert sich Schallhorn. „Diese hätten dann ruinöse Forderungen gegen uns geltend machen können. In solch einem Fall ist die Cloud wie ein Gefängnis – man kommt nicht mehr raus.“ Mittlerweile läuft der Service bestens und wird von rund 10.000 Kunden genutzt.

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