Konsequenzen aus der Sun-Übernahme Hardware-Hersteller Oracle zwingt IT-Partner zum Umdenken

Autor / Redakteur: Simone Schnell / Rainer Graefen

Die für den Markt weitreichendste Erkenntnis der Akquisition von Sun: Oracle ist jetzt Hardwareanbieter. Das hat zu erheblicher Unsicherheit und Umdenken bei Cisco, EMC, Dell Fujitsu, HP und auch IBM geführt. Fragt sich, wie Oracle mit deren strategischer Neuausrichtung zurecht kommt.

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IT-Großmacht Oracle. (Quelle: Oracle)
IT-Großmacht Oracle. (Quelle: Oracle)
( Archiv: Vogel Business Media )

Konkurrenz belebt das Geschäft, behaupten gerne beide Seiten - der Neueinsteiger wie die Alteingesessenen. Trotzdem dürfte ein sonst so gelassen auftretender Larry Ellison einen erhöhten Puls gehabt haben, als er sich mit der Übernahme von Sun gegen seine langjährigen Hardware-Partner stellte.

Eines zeigt der Sun-Deal: Wachstum entsteht nur noch im begrenzten Umfang mit den IT-Partnern, größeres Wachstum versprechen Firmenaufkäufe. EMC beispielsweise verleibt sich pro Jahr 30 bis 40 Firmen ein.

Nun hat auch Oracle diese Wachstumskarte gezogen und viele Spekulationen angeheizt. Viele ehemalige IT-Partner müssen damit rechnen, dass Oracle seine Software in Zukunft auf Sun-Hardware optimieren wird.

Das wird aus Redwood nach wie vor dementiert. Jeder soll nach seiner Fasson glücklich werden, propagiert Ellison, doch niemand weiß, wie sehr er sich bei diesem Satz überwinden muss.

Oracle ist mehr als Soft

IT-Partner HP trifft es gleich mehrmals. Neben der neuen Hardware-Rivalität geht die Zusammenarbeit bei der Exadata-Plattform mit der Exadata-2 zu Ende, die Oracle künftig mit Sun-Equipment anbietet.

War die Exadata-1 eher auf die Data-Warehousing-Arbeit fokussiert, will die die neue Version X2-8 einen größeren Kundenkreis ansprechen. Die Lösung ist von Haus aus auch auf Online Transaction Processing (OLTP) spezialisiert. Dafür hat Oracle bisher mit EMC zusammengearbeitet.

Dass der (ehemals reine) Datenbankspezialist mit der Weiterentwicklung dieses Produkts in seiner strategischen Ausrichtung nicht ganz falsch liegen dürfte, zeigt Konkurrent EMC mit der Übernahme von Greenplum im Oktober 2010.

Analyse der Cloud-Kunden

Greenplums Data Computing Appliance zielt auf das gleiche Kundensegment. Bereits im September hatte sich IBM Netezza einverleibt und will ebenfalls auf den Data-Warehousing-Zug aufspringen.

Und HP? Der Hersteller ist erst einmal raus, könnte sich aber eventuell wieder ins Spiel bringen, wenn er sich zu einer Übernahme entschließen könnte. Teradata sei da ein möglicher Kandidat, so wird spekuliert.

NetApp zwischen allen Stühlen

Auch Netapp muss sich Gedanken machen wie man mit dem Hardware-Hersteller Oracle in Zukunft umgehen will. Die Partnerschaft definierte sich in den vergangenen Jahren auf der Datenbankebene.

Jetzt stehen sich zwei Storage-Anbieter gegenüber, die noch dazu im Streit zusammengekommen waren. Hatte Netapp Sun doch 2007 verklagt mit der Begründung, Suns Open-Source-Dateiensystem ZFS verletze Patente, die Netapp für sein Network File System (NFS) beansprucht.

Erst im September dieses Jahres einigte sich Netapp mit Oracle. Die Klage wurde ohne Angabe von Details zurückgezogen. Damit dürften die Sorgen des Appliance-Anbieters aber nicht beendet sein.

Mit ZFS im Haus eines Herstellers, der neben Software jetzt auch Hardware kann, positioniert sich ein echter neuer Konkurrent am Markt.

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