Deutsche Oracle-Anwender mucken auf - Hersteller bezieht Stellung

Gravierende Probleme beim Virtualisierungs-Tool Oracle VM 3

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Die Mängel bilden einen roten Faden durch Oracle VM 3

Laut Doag ziehen sich Verbesserungswünsche durch die gesamten Anwendungsszenarien: Fehlendes Benutzerkonzept für die Administration, fehlende Oracle VM API zur Nutzung von Skripten, kein HA Feature für den VM Manager, keine Snapshots per NFS - das sind nur ein paar Punkte aus der Liste, die die Anwendervereinigung erstellt hat.

Zwar trifft nicht jeder Mangel alle Oracle-VM-Anwender. Doch manche Einschränkungen rufen laut Doag allgemeines Unverständnis hervor, zum Beispiel das fehlende Benutzerkonzept: „Wie sollen mehrere Administratoren ohne Benutzerkonzept Oracle VM 3 vernünftig administrieren? Von personalisierten Accounts ganz zu schweigen“, kritisiert Bröhl.

Missverständnisse sind programmiert

Andere Eigenartigkeiten des Produktes indes verbuchen die Kunden unter Kurioses: So sei beispielsweile Windows zwar als Betriebssystem freigegeben. Datenbanken auf Windows seien im Oracle-VM-Verbund allerdings nicht zertifiziert. „Das ist eine seltsame Einschränkung, da Oracle einiges unternimmt, um Windows optimal auf Oracle VM zu unterstützen“, so Bröhl.

Auch die Support Policies seien unklar: „Oracle Entreprise Manager 12c Cloud Control“ darf sich nicht auf dem gleichen Server befinden wie „Oracle VM Manager“. Für eine größere Umgebung werde die Architektur recht kompliziert. „Wenn das Ganze noch hochverfügbar sein soll, brauche ich jede Menge Hardware. Das macht den Einspareffekt der Virtualisierung zunichte“, zitiert die Doag die Stimme eines betroffenen Anwenders.

Oracle enttäuscht

Dabei hätten sich die Kunden viel von der neuen Version Oracle VM 3 versprochen. Als der Hersteller vor einigen Jahren direkt mit der Version 2 die erste Version veröffentlichte, seien sich die Anwender zunächst nicht sicher gewesen, was sie damit anfangen sollten.

Zu diesem Zeitpunkt setzten bereits viele Unternehmen Produkte von VMWare strategisch für die Virtualisierung ein. Wollte Oracle nun mit seiner eigenen x86-Virtualisierungs-Lösung in das Massengeschäft einsteigen oder sollte Oracle VM lediglich eine stabile Basis für den virtuellen Betrieb anderer Oracle Technologien sein?

Ungeachtet dieser Frage habe sich das Interesse der Anwender auf der darauf folgenden Doag-Konferenz + Ausstellung gehalten. Die Vorträge zu Oracle VM seien so gut besucht gewesen, dass fast alle wiederholt werden mussten. Nach und nach hätten immer mehr Anwender Oracle VM ausprobiert und manch einer entschied sich zum Produktiveinsatz.

Anwender kritisieren die OVM-Lizenzierung

Die Möglichkeit, alle Lösungen aus einer Hand zu bekommen und einen durchgängigen Stack aufzubauen, hätten diese Anwender als sehr vorteilhaft empfunden. Unter dem (von Cisco entlehnten) Motto „Unified Computing“ habe man sich vertikal aufgebaute Lösungen vorgestellt, die nur aus Oracle-Produkten bestanden – vom Betriebssystem über die Virtualisierungslösung bis hin zu den Applikationen – damals allerdings noch ohne Hardware.

Hinzu seien die Vorzüge in puncto Lizenzierung gekommen. Oracle-Produkte konnten auf größerer Hardware mit der Oracle VM auf nur einem Teil der CPU-Kerne lizenziert werden (Hard-Partitioning). „Kurz: Das Interesse für das neue Produkt war da“, resümiert die Doag.

Sicherlich sei mit dem Release 2 und den folgenden Patches der Funktionsumfang immer noch nicht mit demjenigen einer VMWare-Lösung vergleichbar gewesen. Doch das Produkt habe sich im Betrieb stabil verhalten und sei daher auch für größere Umgebungen anzuwenden gewesen.

Dementsprechend hoch waren offenbar die Erwartungen für das Release 3. „Diesen Erwartungen wird das Produkt, das verspätet im Sommer 2011 auf den Markt kam, nicht gerecht“, lautet nun das Fazit der Doag.

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