Die Premiere des Farbfernsehens in Deutschland am 25. August 1967 begann mit einer Panne. Der damalige Vizekanzler Willy Brandt war auf das Gelände der Internationalen Funkausstellung (IFA) unter dem Berliner Funkturm gekommen, um vor laufenden Kameras mit einem großen roten Knopf das neue TV-Zeitalter zu starten.
Die IFA wird auch in ihrem 100. Messejahr zig tausend Technologieenthusiasten nach Berlin locken.
(Bild: Harry Pseftoudis 2023)
Der Schalter war aber nur eine Attrappe, wie sich kurz danach herausstellte. Denn als der SPD-Politiker – eben noch in Schwarz-weiß zu sehen – den Knopf um 10:57 Uhr feierlich drückte, war es schon zu spät. Das übertragene Fernsehbild war bereits bunt. Wahrscheinlich hatte ein nervöser Techniker hinter der Bühne wenige Sekunden zu früh das Farb-TV aktiviert.
Um eine echte Weltneuheit hat es sich beim Start des Farbfernsehens aber nicht gehandelt. Schließlich konnten einige Fernsehzuschauer in den USA schon seit Mitte der 50-er Jahre bunte TV-Bilder empfangen – allerdings im qualitativ deutlich schlechteren Standard NTSC.
Deutschland setzte auf den von Walter Bruch bei Telefunken in Hannover entwickelten Standard PAL, der sich nach der IFA-Premiere in Westeuropa, Australien sowie etlichen Ländern in Südamerika, Afrika und Asien durchsetzen sollte. In der DDR kam die PAL-Technik aus Westdeutschland dagegen nicht zu Einsatz, weil sich der gesamte Ostblock für das französische System SECAM entschieden hatte.
Start auf dem „Strahle der elektrischen Kraft“
Zu Beginn der Funkausstellung in Berlin 1924 ging es noch nicht ums Fernsehen, das kam erst sieben Jahre später. Zunächst standen die Radioempfänger im Rampenlicht. Die Parole der frühen Hörfunk-Pioniere lautete: „Vom Mund zum Ohr auf dem Strahle der elektrischen Kraft!“ Was wenige Jahre zuvor noch als vage Idee von kauzigen Bastlern abgetan wurde, zeigte schnell die Perspektive einer Wachstumsbranche. Radiohersteller wie Braun, Grundig, ITT Schaub Lorenz, Körting, Loewe, Nordmende, Saba und Telefunken machten nach den bescheidenen Anfängen jahrzehntelang nicht nur in Deutschland gute Geschäfte.
In der Geschichte des Fernsehens hat die Funkausstellung seit 1931 einen festen Platz. Damals führte der TV-Pionier und Wissenschaftler Manfred von Ardenne das erste voll elektronische Fernsehen vor, das für lange Zeit die TV-Zukunft bestimmen sollte. 1935 startete die deutsche Reichs-Rundfunkanstalt den ersten öffentlichen Fernseh-Programmdienst der Welt.
Werkzeuge der Propaganda
Die Funkausstellung wurde nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten immer stärker politisch instrumentalisiert. Technische Innovationen wie der auf der Funkausstellung 1933 vorgestellte „Volksempfänger VE 301“ wurden von Reichspropagandaleiter Joseph Goebbels persönlich in Auftrag gegeben und dienten dem Regime als wichtiges Propaganda-Werkzeug. „Goebbels Schnauze“ war ein Radiogerät mit nur zwei Programmen.
Mit dem Überfall auf Polen und dem Beginn des Zweiten Weltkrieges 1939 fand die Funkausstellung ein vorläufiges Ende und sollte erst 1950 als Wanderausstellung mit den Stationen Düsseldorf, Frankfurt, Berlin und Stuttgart neu gestartet werden. 1971 kehrte die Messe dauerhaft auf das Gelände unter dem Berliner Funkturm als „Internationale Funkausstellung“ (IFA) zurück.
Internationale Ambitionen
Der neue internationale Anspruch im Messe-Namen wurde in den kommenden Jahren vor allem durch die wachsende Präsenz von ausländischen Ausstellern – vor allem aus Asien – unterstrichen. Und die sorgten für Highlights: So wurde auf der IFA 1981 die Compact Disc (CD) erstmals einem breiten Publikum vorgestellt. Die Innovation war vom niederländischen Philips-Konzern zusammen mit dem japanischen Elektronikriesen Sony entwickelt worden. Die Compact Disc revolutionierte die Musikindustrie und leitete die Wende von der analogen zur digitalen Technologie ein.
Zwei Jahre später, auf der IFA 1983, wurden erste Digital-Fernsehgeräte vorgestellt. Zeitgleich wurde als Experiment auch erstmals 3D-Fernsehen gezeigt. Während sich das Digital-System inzwischen flächendeckend durchgesetzt hat, blieb das dreidimensionale TV eine Nischenanwendung.
Großen Anklang fanden dagegen Fernseher mit hoher Auflösung (HD), die ab dem Jahr 1985 auf der IFA gezeigt wurden. Die immer höhere Auflösung der Bildschirme – von HD zu FullHD über 4K bis hin zu 8K – zieht sich seitdem wie ein roter Faden durch die Geschichte der IFA, auch wenn sich nicht jeder in Berlin präsentierte Zwischenstandard wie D2-MAC durchgesetzt hat.
In den 90er Jahren verpasste die Berliner Messe dann allerdings einen wichtigen Techniktrend, den Mobilfunk. Der ersten beiden digitalen Mobilfunknetze in Deutschland und das erste massentaugliche Mobiltelefon von Nokia wurden 1992 vorgestellt – aber nicht auf der IFA, denn in diesem Jahr gab es gar keine Funkausstellung.
Stand: 08.12.2025
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Erst 2005 wechselte die Messe auf einen jährlichen Rhythmus. Zu diesem Zeitpunkt war es aber schon zu spät, um Mobilfunk-Fachmessen wie dem Mobile World Congress in Barcelona Konkurrenz zu machen. Die Deutsche Telekom, einst der Hauptmieter der Messehalle 21, konzentriert sich inzwischen auf das eigene Event DigitalX in Köln.
Verpasste Themen
Auch in den vergangenen Jahren hat es die IFA versäumt, Trendthemen wie Elektromobilität oder autonomes Fahren aufzugreifen, wie dies der US-amerikanischen Konkurrenzveranstaltung CES in Las Vegas gelungen ist.
Aufgegangen dagegen ist die strategische Entscheidung der IFA, Ende der 2000er-Jahre nicht nur klassische Unterhaltungselektronik auszustellen, sondern auch Haushaltsgeräte – vom Geschirrspüler über den Kaffeevollautomaten bis hin zum Putzroboter – ins Programm aufzunehmen.
Um nicht erneut den Zug zu verpassen, hat sich der IFA-Veranstalter vorgenommen, intensiv auf Trendthemen wie Künstliche Intelligenz einzugehen. KI ist nicht nur auf den Computer-Bildschirmen allgegenwärtig, sondern steuert auch viele Geräte in der Unterhaltungselektronik und im Haushalt.