Sind deutsche CIOs zu konservativ für Cloud Computing?

German Angst in der IT

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Es sei viel wichtiger, „ob er die IT entsprechend der strategischen Ziele des Unternehmens ausrichten kann oder nicht. Ferner gehört für mich dazu, die IT so zu gestalten, dass das Unternehmen für die Herausforderungen und Chancen durch die Digitalisierung gewappnet ist“, so Niemann weiter. „Zudem sollte nicht vergessen werden, dass der CIO bei der erforderlichen Transformation der IT ‚das große Ganze‘ im Blick haben muss, sprich die gesamte IT-Umgebung und deren Weiterentwicklung gemäß den Anforderungen des Business. Ferner muss er Themen wie Sicherheit, Compliance und Verfügbarkeit etc. berücksichtigen.“ Allerdings sollten CIOs prüfen, ob, wie und in welchem Umfang Cloud Computing dabei helfen kann. „Konservativ wäre, sich dieser Prüfung zu verschließen“, so der Analyst.

Mit Bernd Hilgenberg, Vorstand für Technik und Entwicklung bei der SHD AG, steuert ein erfahrener Aktivist der IT-Szene seine Meinung bei. Als jahrelanger IT-Leiter beteuert er, dass Cloud Computing mittlerweile einen Reifegrad erreicht habe, der es erlaube, geschäftliche Anwendung ganz oder teilweise in die Cloud auszulagern. Für CIOs gebe es daher kaum technische Hindernisse, die den Einsatz von Cloud-Services be- oder verhindern sollten. „Trotzdem ist das Thema Cloud noch immer von viel Skepsis durchsetzt“, sagt Hilgenberg. Und er nennt konkrete Gründe: „Seit Snowden ist klar, dass der Umfang und die Tiefe der Überwachung des Internets nie geahnte Dimensionen erreicht hat. Er hat damit die schon vorher bestandene Ängste und Befürchtungen der Skeptiker bestätigt und ihnen damit zusätzliche Argumente verschafft.“

Corporate Clouds als Ausweg?

Die Angst vor Datenschnüffelei und Wirtschaftsspionage sollte Unternehmen und ihre CIOs gerade im mittelständischen Bereich aber nicht davon abhalten, sich mit der Wolke zu beschäftigen, Dabei müsse man differenzieren: „Die Skepsis bezieht sich nach meiner Einschätzung auf die Public Cloud, also auf Dienste, die von jedermann benutzt werden können.“ Eine Private beziehungsweise Corporate Cloud könne aber alle Vorteile des Cloud Computings offerieren, „ohne die Bedürfnisse an Datensicherheit außer Acht zu lassen“.

Eigentlich wären damit alle Probleme gelöst: Deutsche CIOs können dank der Corporate Cloud weiter konservativ agieren und dabei doch die Annehmlichkeiten der Cloud genießen. Eigentlich. Denn „die Vorbehalte der Unternehmen, geschäftsrelevante Daten in die Cloud zu verlagern, werden durch die aktuelle Forderung der Politik nach Backdoors bei der Verschlüsselung nicht gerade verringert“, glaubt Hilgenberg. Diese Forderungen werden nach seinem Dafürhalten den Einsatz von Cloud Services weiter verzögern.

Das Ende der Hysterie

Wie dieses Dilemma lösen? Der erfahrene CIO rät dazu, den Einsatz von Cloud Computing eng mit dem Management abzustimmen. „Erst wenn eine mit dem Management abgestimmte Vorgehensweise beim Einsatz von Cloud-Services vorliegt, kann der CIO sicher sein, dass eine Entscheidung für oder gegen Cloud-Services nicht nur an den Parametern Kosten und Flexibilität ausgerichtet wird“, so Hilgenberg. „Daten sind das neue Öl, und deren Sicherheit dauerhaft für die Unternehmen zu gewährleisten ist nicht nur die Aufgabe des CIOs. Sie liegt in der Verantwortung des gesamten Managements.“

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Dr. Dietmar Müller

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Journalist