Vorstellung des Cloud-Einkaufszentrums auf der CeBIT Fujitsu weist Entwicklern den Weg in den Business Solutions Store

Redakteur: Dr. Stefan Riedl

Ein Vorreiter der IT-Branche in Sachen Cloud Computing will der Fujitsu-Konzern mit seinem Business Solutions Store sein. Ob die Rechnung aufgeht, wird erst die Zukunft zeigen. Auf der CeBIT bestand das Konzept jedenfalls bereits eine erste Nagelprobe.

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Der Business Solutions Store von Fujitsu kann als Cloud-Einkaufszentrum verstanden werden.
Der Business Solutions Store von Fujitsu kann als Cloud-Einkaufszentrum verstanden werden.

Der offizielle Startschuss für den Business Solutions Store von Fujitsu ist zwar noch nicht gefallen, aber wer die vorläufige URL kennt, kann schon einen Blick darauf riskieren.

Das Konzept

Der Business Solutions Store des japanischen IT-Konzerns ist ein Marktplatz auf dem Software in Cloud-Manier als Service über das Internet angeboten werden kann (Software as a Service). Der Clou für Independent Software Vendors (ISVs) ist folgender: Sie bekommen ihre Applikationen ohne großen Aufwand fit für die Bereitstellung als Online-Service. Damit sollen sich Software-Entwickler auf ihre Kernkompetenz (nämlich die Software-Entwicklung) konzentrieren können, während Fujitsu alle Fragen im Tagesgeschäft, die im Cloud-Business-Modell auftauchen, beantwortet.

Mit Vollgas in die Wolke

Fujitsu verspricht nämlich eine Benutzerschnittstelle, die es gewährleistet, dass Anwendungen innerhalb weniger Tage auf den Einsatz im Cloud-Betrieb getrimmt werden. „Derzeit können nur wir Applikationen so schnell Cloud-fähig machen“, findet Marcel Schneider, Vorsitzender der Geschäftsführung von Fujitsu Technology Solutions und Senior Vice President Sales Cluster Germany.

Mit dem Business Solution Store habe man bei Fujitsu daher „einen riesigen Wettbewerbsvorteil gegenüber allen anderen Anbietern im Markt“, so der Fujitsu-Manager.

Das Portfolio

Die Bandbreite der Anwendungen im Store-Portfolio beschreibt man bei Fujitsu wie folgt: „Customer Relationship Management, Dokumenten-Management, Archivierungs- und ERP-Lösungen, Sicherheitslösungen für die IT-Infrastruktur sowie andere Anwendungen, denen komplexe Geschäftsprozesse zugrunde liegen, wie beispielsweise HR-Systeme.“ Unterstützt werden alle großen Programmiersprachen wie Java oder .NET sowie alle gängigen Betriebssysteme, zum Beispiel Linux oder Windows.

SaaSification Factory

Auf der IT-Messe CeBIT in Halle 2, Stand B52/A3, demonstriert Fujitsu dieses „in die Wolke bringen“ – live in der sogenannten „SaaSification Factory“. Laut Fujitsu ist das Interesse enorm: Für die Live-Workshops auf der CeBIT gab es fünf Mal mehr Anmeldungen als Plätze. Allein am ersten Messetag wurden zehn ISVs neu auf die Plattform gebracht. Bis Jahresende sollen 150 Anbieter auf der Plattform sein, taxierte Schneider.

Lesen Sie auf der nächsten Seite mehr zu zwei Anbietern im Business Solutions Store der ersten Stunde.

Saperion

Zu den Teilnehmern der SaaSification Factory zählt die Saperion AG. Deren CEO, Herbert Lörch, nennt als Gründe für seine Teilnahme an dem Fujitsu-Angebot: „Indem wir eine Partnerschaft mit Fujitsu eingehen, um unsere Software in die Cloud zu bringen, können wir uns voll auf unsere Kernkompetenz konzentrieren, die in der ECM-Web-Content-Archivierung liegt.“ Fujitsu kümmere sich um die gesamte Bereitstellung, „einschließlich Online-Billing, der Erhebung der Zahlungen, Hosting und den Online-Vertriebskanal“.

pro-ite

Der Systemintegrator pro-ite bietet die E-Mail- und Collaboration-Software Open-Xchange als Cloud-Service samt technischem Support über den App-Store von Fujitsu an. Open-Xchange verbindet E-Mail, Termin-, Kontakt- und Aufgabenverwaltung mit Dokumentenmanagement-Funktionen und integriert dabei auch soziale Netzwerke. Als Mobility-Tool erhalten Anwender so neue E-Mails, Aufgaben, Kontakte und Kalendereinträge automatisch auf iPhones sowie Android- oder Windows-Mobile-Smartphones.

Für Dirk Kutsche, den CEO des Unternehmens, ist folgender Aspekt besonders wichtig: „Indem die Daten und E-Mails ausschließlich in den deutschen Fujitsu-Rechenzentren gespeichert werden, können wir unseren Kunden die Einhaltung der deutschen Datensicherungsgesetze garantieren.“

Lesen Sie auf der nächsten Seite mehr zum Geschäftsmodell und der Rolle des Channels.

Revenue-Share-Modell

Endkunden bezahlen Software aus dem Business Solutions Store entsprechend ihrem Nutzungsverhalten, mieten die Software also, statt in Software-Lizenzen zu investieren. Die Bereitstellung über die Fujitsu-Infrastruktur ist für Software-Anbieter wie Saperion, oder pro-ite zunächst kostenlos. Dafür sieht das Geschäftsmodell dahinter eine Umsatzbeteiligung des japanischen Konzerns vor. Aber auch Reseller, die keine eigene Software anzubieten haben, bleiben nicht außen vor. Waren sie in Sachen Beratung und Buchung der Services involviert, erhalten auch sie anschließend ihren Anteil an den monatlichen Umsätzen, deren Höhe noch nicht final feststeht.

Taten statt Worte

Durch den Business Solutions Store fühlt man sich bei Fujitsu als Vorreiter in Sachen Cloud Computing, weil man als Plattformanbieter die Multiplikatorwirkung der teilnehmenden ISVs umsatzbringend nutzen kann. Andre Kiehne, Vice-President Cloud bei Fujitsu Technology Solutions findet gar: „Beim Aufbau seines Marktplatzes für Geschäftsanwendungen in der Cloud hat Fujitsu jedes andere Unternehmen in der Industrie überholt.“ Softwareunternehmen seien schon jetzt „massiv daran interessiert, ihre Software in den Business Solutions Store hochzuladen.“ In einer Zeit, in der die ganze Branche über Cloud Computing hauptsächlich nur rede, sei Fujitsu mit der SaaSification-Factory der Nachweis gelungen, wie Firmen das Cloud-Konzept konkret zu ihrem Vorteil nutzen können. Vermeintliche Kostenprobleme und Risiken in Hinblick auf das Cloud-Modell würden sich bei der Herangehensweise von Fujitsu „in Luft auflösen.“

Die Rolle des Channels

Inwieweit das Konzept aufgeht wird erst die Zukunft zeigen. Im Fujitsu-Konzern ist man jedenfalls schon heute vom Erfolg überzeugt. Daher werde sich auch die Rolle des Channels langfristig mehr in Richtung Cloud-Beratung ändern. Marcel Schneider betonte, die zentrale Rolle des Channels in dem Konzept: „Über sie werden die Umsätze abgewickelt, von denen wir als Betreiber der Plattform einen Teil erhalten. Das ist die Basis des angekündigten Shared-Revenue-Modells, das wir in den kommenden Monaten weiterentwickeln werden.“ Die Cloud-Strategie von Fujitsu sei eine Channel-Strategie, so Schneider. „Auch in der Cloud bleiben wir ein verlässliches, partnergetriebenes Unternehmen.“ □

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