Aktuelle Statistiken zum Fachkräftemangel zeichnen ein klares Bild: Allein in Deutschland fehlen derzeit 137.000 IT-Fachleute. Stark datengetrieben, ist die Versicherungswirtschaft von dieser Entwicklung besonders betroffen. Unlösbare Herausforderung oder Anstoß zum Umbruch?
Grund zur Verunsicherung? Die Versicherungsbranche könnte besonders stark unter dem IT-Fachkräftemangel leiden.
Traditionelle Geschäftsmodelle und ehemals analoge Vertriebskanäle in der Versicherungsindustrie stoßen an ihre Grenzen, während der Druck wächst, mit der digitalen Transformation Schritt zu halten: Online-Plattformen, datenbasierte Risikobewertungen, künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen stehen auf der Tagesordnung. Die Einführung dieser fortschrittlichen Technologien hat die Arbeitsweise von Versicherungsunternehmen revolutioniert.
Die Suche nach geeigneten Fachkräften wird jedoch durch die spezifischen Anforderungen der Versicherungsbranche erschwert. Schließlich bringen nicht alle IT-Fachkräfte beispielsweise ein ausgeprägtes Verständnis für regulatorische Anforderungen, die nötigen Sicherheitsmaßnahmen oder komplexe Produktdetails mit.
Stabile und belastbare IT-Systeme sind eine wesentliche Grundvoraussetzung. Da eine Versicherung auch nach jahrzehntelanger Vertragslaufzeit ein verlässlicher Partner sein muss, muss bei der Entwicklung insbesondere die Nachhaltigkeit der Lösung integraler Bestandteil sein. Kundendaten müssen hochsicher und zuverlässig verwaltet werden. Diese Anforderungen ebnen keinen einfachen Weg, Fachleute zu finden, die sowohl über technisches Wissen als auch über Branchenkenntnisse verfügen.
Neue digitale Produkte erfordern geschultes Entwicklungspersonal
Viele Berufseinsteiger und -einsteigerinnen sowie IT-Absolventen sind sich gar nicht bewusst, welche Innovationen und Potenziale in den Produkten und Dienstleistungen von Versicherungen stecken. In den vergangenen Jahren hat in der Branche ein Umdenken eingesetzt.
Offenheit und Bereitschaft für Innovation und Digitalisierung werden als Schlüssel für den zukünftigen Unternehmenserfolg angesehen. Digitale Produkte stehen im Fokus der noch sehr traditionellen Branche – das bedarf geschulter Entwicklerinnen und Entwickler, die das Angebot kontinuierlich voranbringen und Raum für kompetente Innovation schaffen.
Von automatisierter Schadenbearbeitung bis hin zur personalisierten Tarifierung – die Möglichkeiten der Branche sind schier unendlich. Doch all diese Innovationen erfordern spezialisierte IT-Fähigkeiten, um sie umzusetzen und zu verfeinern.
Das Tempo des technologischen Wandels bedeutet, dass Versicherungsunternehmen ständig hoch qualifizierte IT-Fachkräfte benötigen, die auf dem neuesten Stand sind. Der Mangel an IT-Talenten in der Versicherungsbranche wird durch den zunehmenden Wettbewerb mit anderen Technologiebranchen um Fachkräfte mit idealen Qualifikationen noch verschärft.
Die Kunst, ein Developer Team aufzubauen
Um sich in Zeiten des IT-Fachkräftemangels zukunftsorientiert und erfolgreich aufzustellen, müssen Versicherungsunternehmen strategisch handeln. Die Dringlichkeit, geschultes Development-Personal für neue digitale Versicherungsprodukte zu gewinnen, ist allgegenwärtig: Für eine an vielen Stellen noch traditionell analogen Branche kein einfaches Unterfangen.
Der Aufbau eines leistungsstarken Entwicklungsteams in der Versicherungsbranche erfordert mehr als nur das Sammeln von Talenten. Diversität, Expertise, klare Kommunikation und Agilität sind entscheidende Faktoren für den Aufbau eines erfolgreichen Teams. Unterschiedliche Hintergründe und Fachkenntnisse fördern die Entwicklung von Lösungen und stimulieren eine effektive Zusammenarbeit.
Wenn die Anzahl der Festangestellten nicht ausreicht, besteht immer die Möglichkeit, mit externen Partnern zusammenzuarbeiten. Sowohl innerhalb dieser Kollaboration als auch bei der Zusammenstellung eines effektiven Developer-Teams sind einige Überlegungen zu wichtigen Voraussetzungen erforderlich:
1. Vielfalt: Ein vielfältiges Team bringt unterschiedliche Perspektiven und Ideen ein. Es ist wichtig, Talente mit unterschiedlichen Hintergründen und Fähigkeiten einzustellen, um kreative Lösungen zu fördern.
2. Fachwissen: Entwickler und Entwicklerinnen sollten über das notwendige technische Know-how verfügen, um den komplexen Anforderungen der Versicherungsbranche gerecht zu werden. Dazu gehören Kenntnisse über Compliance, Sicherheit und die Fähigkeit, sich in das komplexe Fachwissen einzuarbeiten.
3. Kommunikation: Die Fähigkeit zur klaren Kommunikation ist entscheidend, da Developer eng mit anderen Abteilungen wie dem Vertrieb und dem Produktmanagement zusammenarbeiten müssen, um die besten Lösungen zu entwickeln.
4. Agilität: Der Einsatz agiler Entwicklungsmethoden kann die Effizienz steigern und die Anpassungsfähigkeit des Teams erhöhen. Dies ist besonders wichtig in einer sich schnell verändernden Branche wie der Versicherungswirtschaft.
5. Innovation: Es ist wichtig, die Fähigkeit zu fördern, komplexe Innovationen in benutzerfreundliche Anwendungen zu integrieren und die Balance zwischen technisch anspruchsvollen Ideen und der Relevanz für die Kundschaft zu finden.
Eine Möglichkeit für Unternehmen, dem Fachkräftemangel im IT-Bereich entgegenzuwirken, kann in dieser Situation die Rekrutierung von Fachkräften aus dem Ausland sein. Dies gestaltet sich durch den Wandel hin zur Remote Arbeit deutlich einfacher, als noch vor ein paar Jahren.
Eine erfolgversprechende Strategie kann aber auch darin bestehen, Quereinsteigern aus anderen Berufsgruppen und Aufsteigern aus niedrigeren Qualifikationsstufen eine Chance zu geben. Nur mit ausreichend qualifizierten Fachkräften lassen sich die Potenziale der Branche voll ausschöpfen und Transformationsprozesse umsetzen.
Für die Zukunft gerüstet
Die Versicherungsbranche muss sich aber noch weiteren Herausforderungen stellen, die den IT-Fachkräftemangel verschärfen. Hierzu gehören strenge regulatorische Anforderungen und steigende Kundenbedürfnisse innerhalb möglichst nahtloser digitaler Prozesse, die durch kontinuierliche Investitionen in innovative Technologien unterstützt werden müssen. Hinzu kommt die Aufgabe, Kundendaten vor wachsenden Cyberbedrohungen zu schützen.
Stand: 08.12.2025
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Insgesamt erfordert der Mangel an IT-Fachkräften einen langfristigen strategischen Ansatz: Unternehmen müssen in Ausbildung und Rekrutierung investieren, um qualifizierte Entwickler zu gewinnen und zu halten. Dazu gehört auch die Aus- und Weiterbildung des bestehenden Personals, um sicherzustellen, dass dessen Fähigkeiten auf dem neuesten Stand bleiben.
Unternehmen müssen zudem gezielte Rekrutierungsstrategien entwickeln, die auf die spezifischen Anforderungen der Branche ausgerichtet sind. Die Zusammenarbeit mit Universitäten, die Förderung von Praktika und die Teilnahme an Technologie- und Karrieremessen sind wichtige Bestandteile dieser Strategien. Nur so können die Schmerzpunkte der Branche effektiv angegangen und nachhaltiger Erfolg erzielt werden.
Die Versicherungswirtschaft ist mehr als Zahlen und Verträge. Sie schützt das Eigentum, das Leben und das Vermögen von Menschen. Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber sollten potenziellen Angestellten vermitteln, dass sie in einer Branche arbeiten können, in der sie die Möglichkeit haben, die digitale Transformation entscheidend zu prägen.
Die aktuellen Herausforderungen bieten aber auch eine einzigartige Chance: Mit gezielten Employer-Branding-Maßnahmen, innovativen Rekrutierungsansätzen und einer zukunftsorientierten Arbeitskultur können Versicherungsunternehmen den Wandel nicht nur bewältigen, sondern mitgestalten. Ziel ist es, ein Umfeld zu schaffen, in dem Technologie und Branchenwissen Hand in Hand gehen, um Lösungen für das nächste Versicherungszeitalter zu entwickeln.
* Über den Autor Sebastian Titze ist Chief Technology Officer der corify GmbH und verantwortet den Technologiebereich für die technische Planung und Umsetzung der Plattform. Der Diplom-Informatiker verfügt über 25 Jahre Erfahrung im Technologiesektor und besitzt umfangreiche Führungserfahrung in den Bereichen Innovationsmanagement, Technologieentwicklung und agiles Projektmanagement.