HANA aus der Enterprise Cloud Fachabteilungen drücken aufs Tempo

Autor / Redakteur: Lars Landwehrkamp / Nico Litzel

Die „In-Memory-Technologie“ auf bloße Geschwindigkeitsvorteile zu reduzieren, greift zu kurz. Vielmehr tritt mit SAP HANA eine ganz neue Softwaregeneration an den Start. Vor allem die Fachabteilungen drücken aufs Tempo. Aus der Enterprise Cloud lassen sich die neuen Geschäftsszenarien am einfachsten nutzen.

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Der Autor: Lars Landwehrkamp ist Vorstandssprecher der All for One Steeb AG
Der Autor: Lars Landwehrkamp ist Vorstandssprecher der All for One Steeb AG
(Bild: All for One Steeb)

Die pure Technik ist – wenngleich stark vereinfacht – mit wenigen Worten erklärt: Was an Daten zwischen internem Hauptspeicher und externen Festplatten „hin und her schwappt“, wird mit SAP HANA komplett im Hauptspeicher verarbeitet, in Echtzeit. Das erlaubt zudem eine deutliche vereinfachte Struktur der Datenhaltung. Damit geht alles unvorstellbar viel schneller.

Gleichfalls gehören Paradigmen, etwa getrennte Datenspeicherung für Geschäftsvorgänge („Transactions“) und Auswertungen („Analytics“) der Vergangenheit an. Soweit die Technik. Doch was lässt sich damit im Unternehmen konkret anfangen?

Deutsche Firmen zeigen sich IT-Innovationen gegenüber eher zurückhaltend. Große Stäbe, die neue IT-Strategien untersuchen, sind nur in Großunternehmen anzutreffen. Im Mittelstand hingegen ist die EDV-Abteilung vor allem mit dem operativen Betrieb befasst. Nicht wenige IT Chefs definieren sich zudem primär über ihre Hardware- und Systemlandschaften.

Offen gegenüber Cloud-Lösungen

US-Unternehmen wie Salesforce, Workday, Success Factors oder Concur, die beiden zuletzt genannten wurden von SAP übernommen, haben das richtig erkannt. Ihre Erfolgsgeschichten verdanken sie nicht alleine der Aufgeschlossenheit ihrer Märkte gegenüber innovativen Cloud-Lösungen. Mit ihren Softwaredienstleistungen zielen sie vielmehr geschickt an der IT Abteilung vorbei, direkt auf die „Line of Business Manager“, etwa im Ein- und Verkauf, im Marketing oder in der Abteilung Human Resources.

Die nämlich sind des Wartens längst überdrüssig und lassen ihre Problemlösungen lieber rasch aus der Cloud implementieren, mit eigenem Budget, vorbei am IT-Chef. Der kommt erst dann wieder zum Zug, wenn später alles in die Unternehmenssoftwarelandschaft integriert werden soll, zu spät.

Generationswechsel ist längst in vollem Gang

Doch Vorsicht: Auch in den IT-Abteilungen ist der Generationswechsel längst in vollem Gang. Beispiele wie Pirelli, die ihre Reifen mit Sensorik ausstatten, um stets zur Stelle zu sein, bevor Reifenschäden auftreten, oder John Deere, die zur schnelleren Ersatzteilversorgung ihre Landmaschinen direkt „anzapfen“, lassen auch hierzulande die IT-Chefs aufhorchen.

Denn ob Pirelli oder John Deere, gleich mehrmals täglich und in Echtzeit werden hier Millionen von Datensätzen generiert, verarbeitet und zur Steuerung ganzer Lieferketten eingesetzt. Entsprechend groß ist der Aufklärungsbedarf über die Hintergründe solcher neuartigen Geschäftsszenarien.

Die Diskussion gewinnt enorm an Intensität und Substanz. Bereits jedes vierte Unternehmen plane innerhalb der nächsten drei Jahre entsprechende Investitionen, gar jedes zweite erwarte, dass HANA zur dominierenden Plattform im SAP-Umfeld wird. Das sind Ergebnisse aus „SAP Business Suite auf SAP HANA – Chancen und Herausforderungen für deutsche SAP-Kunden“. Die Studie wurde erst unlängst von Pierre Audoin Consultants (PAC), München, gemeinsam mit Accenture, All for One Steeb, Capgemini, Realtech, SAP und T-Systems vorgestellt.

Bessere Geschäftsabläufe, neue Geschäftsmodelle

Was läuft gerade? Was ist bis dato gelaufen? Warum ist was passiert? Was bringt die Zukunft? Neben verbesserten Geschäftsabläufen sowie deren Monitoring und Reporting bestimmen vermehrt Analysen, Prognosen und Simulationen die Agenda. Geschäftschancen und Risiken, die bis dato unerkannt blieben, wollen vielmehr bei Unternehmensentscheidungen berücksichtigt werden.

Davon profitieren nicht nur die internen Abläufe. Auch die unternehmensübergreifenden Prozesse erhalten eine neue Basis. Hier rücken an die Stelle von vergleichsweise starren Lieferketten mit festen Leistungsbeziehungen zunehmend dynamische Business Networks mit projektspezifisch wechselnden Beziehungen.

Der Transformationsbedarf ist daher riesig und könnte früher oder später ganze Industrien ins Zeitalter der Echtzeitunternehmen führen. Voraussetzung jedoch: Business Software muss einfacher werden. Die Chancen dafür stehen gut. Mit Hauptspeicherverarbeitung und einer deutlich flacheren Struktur der Datenhaltung tritt zunehmend eine ganz neue Generation von Unternehmenssoftware in die Startlöcher.

Die Aggregationsebene entfällt

Bei SAP Smart Financials etwa entfällt die Aggregationsebene. Diese wird vielmehr stets live ermittelt, anstatt einmal durchgerechnet und als fester Wert in Tabellen zurückgeschrieben. Das macht vieles dramatisch einfacher, schneller und flexibler. Selbst hochkritische Prozesse, etwa die Erstellung von Monats-, Quartals- und Jahresabschlüssen, lassen sich plötzlich Tage früher abschließen, so die Erfahrungen aus der Praxis.

Bestehende Geschäftsprozesse gegen vernachlässigbare Verarbeitungszeiten zu „matchen“ und dabei vor allem auch das bisher Undenkbare konsequent durchzudenken, gilt als erfolgsversprechend, um gezielt neue Geschäftsszenarien zu evaluieren. Branchenkompetente Berater sind dazu unerlässlich, neue Systemlandschaften samt Installation, Monitoring, Datensicherung und Patching, sind kein Hindernis.

Neuartige Servicemodelle aus der Enterprise Cloud bieten darüber hinaus sogar die Lizenzen zu Miete. Sicherheit und Datenschutz sind zudem eingeschlossen. Mindestens einer der Top-Serviceprovider betreibt seine Public-Cloud-Rechenzentren daher ausschließlich in Deutschland.

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