Neues Geschäftsmodell, neue Standorte ERP aus der Cloud unterstützt Start-up auf Erfolgskurs

Autor / Redakteur: Ina Schlücker / Elke Witmer-Goßner

Für seine Kunden automatisiert die ID: Industrial Dynamics GmbH umständliche, meist manuelle Fertigungsschritte. Jetzt hat das Start-up aus Chemnitz auch die eigenen internen Prozesse gestrafft – mithilfe eines cloud-basierten ERP-Systems.

Auch die Innovationsfähigkeit von Start-ups kann leiden, wenn die eigene IT nicht mehr Schritt hält mit der dynamischen Entwicklung des Unternehmens.
Auch die Innovationsfähigkeit von Start-ups kann leiden, wenn die eigene IT nicht mehr Schritt hält mit der dynamischen Entwicklung des Unternehmens.
(Bild: ©Nokhoog - stock.adobe.com)

Bei einem Elektronikhersteller führt ein Mitarbeiter einer Produktionsmaschine manuell einzelne Bauelemente zu und entnimmt die fertiggestellten Teile im Anschluss auch wieder: Monotone Handgriffe, die ein Roboter schneller ausführen und sich der Mitarbeiter währenddessen anspruchsvolleren Aufgaben widmen könnte. Beim Gang durch die Fertigungshallen ihrer Kunden entdecken die Spezialisten von Industrial Dynamics immer wieder solches Optimierungspotenzial. In der Folge erstellen sie Machbarkeitsstudien sowie Prototypen und integrieren die Lösungen im Shopfloor.

Während Innovationen das Geschäftsmodell von Industrial Dynamics bestimmen, waren die internen Prozesse anfänglich eher klassisch organisiert. Nach der Gründung im Jahr 2019 arbeitete das Unternehmen größtenteils mit Excel-Listen, viele manuelle Schritte machten den Mitarbeitern das Leben schwer. Ein neues ERP-System sollte dies ändern.

Kalkulierbare Kosten dank Festpreis

Die Auswahlkriterien hatte Industrial Dynamics schnell formuliert. Da das Start-up künftig deutlich wachsen will, suchte Geschäftsführer Danny Schmiedel im Frühjahr 2020 nach einer ERP-Lösung, die sich flexibel skalieren lässt und steigende Anforderungen abbilden kann. Auf diese Weise lassen sich spätere, umständliche Systemwechsel oder Migrationen vermeiden.

Die Wahl fiel auf SAP Business One und das Ready2Go-Paket des SAP-Partners Uniorg, das sowohl wichtige Standardfunktionen als auch Best Practices beinhaltet. Außerdem legte der Paketpreis den Budgetrahmen fest, sodass ausufernde Projektkosten von Anfang an ausgeschlossen waren. Da das Jungunternehmen keine eingefahrenen Prozesse modernisieren musste und auf der grünen Wiese starten konnte, gelang die Einführung von Juli bis September 2020 innerhalb von nur drei Monaten.

Bereit für internationales Wachstum

Dass es sich bei SAP Business One um ein cloud-basiertes ERP-System handelt, spielt dem Start-up gleich mehrfach in die Karten: Industrial Dynamics setzt globale Projekte um, weshalb der Zugriff auf das ERP von überall möglich sein muss. Auch neue Standorte sollten sich unkompliziert, sicher und schnell ins ERP einbinden lassen. Daher suchte Schmiedel gezielt nach einem ortsunabhängigen, mehrsprachigen und mehrmandantenfähigen System.

Doch nicht nur neue Niederlassungen profitieren von der Cloud. Auch Mitarbeiter, die viel unterwegs sind und am Flughafen oder im Zug arbeiten, greifen über eine mobile App auf ERP-Basisfunktionen zu und können Bestellungen, den Projektstatus oder aktuelle Lagerbestände einsehen.

Datenschutz und Sicherheit in der Cloud

Bedenken hinsichtlich Datenschutz und Sicherheit in der Cloud gab es keine. „Hier vertrauen wir unserem Cloud-Provider“, sagt Danny Schmiedel. Uniorg betreibt die ERP-Software ausfallsicher in einem Rechenzentrum in Deutschland. So verbleiben System und Daten im deutschen Rechtsraum. Das ist wichtig, um Compliance-Anforderungen wie der EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) nachzukommen. „Ein kritischer Punkt, denn unsere Kunden wollen stets wissen, wo die Daten landen, die wir in ihrer Fertigung sammeln und verarbeiten“, sagt Schmiedel.

Um Transparenz zu schaffen, legt das Start-up den Kunden bereits zu Projektbeginn seine Arbeitsweise und das Datenmanagement offen. Laut Schmiedel hat sich noch nie ein Kunde negativ über die Cloud geäußert. Im Gegenteil: Die Cloud wird zunehmend zum Standard – und das nicht nur bei größeren Unternehmen, sondern auch im Mittelstand.

Aus Beratern werden Konstrukteure

Dank flexibler Cloud-Architektur kann Industrial Dynamics schnell neue ERP-Funktionen nutzen. Was bereits kurz nach der Einführung erforderlich war: Gestartet als praxisbezogenes Beratungshaus, deckt Industrial Dynamics inzwischen den gesamten Optimierungsprozess in der Fertigung ab – von der Prozessanalyse über Machbarkeitsprüfungen und Prototypen bis hin zur Integration der neuen Lösung beim Kunden.

„Die Basis dafür schaffen individuelle Robotiklösungen. Industrielle Standardroboter erhalten von uns zum Beispiel Greifersysteme, Augen in Form von Kamerasystemen und individuelle Software-Applikationen, um auch komplexe Aufgaben mit hoher Variantenvielfalt und ungleichen Prozessabfolgen zu lösen“, sagt Schmiedel.

Umfangreiche Stücklisten einfach verwalten

Deckte die ERP-Software bei Industrial Dynamics zunächst die Finanzbuchhaltung und das Beratungsgeschäft ab, kamen jetzt Produktionsplanung und -steuerung hinzu. Denn um neue Anlagen zu bauen, benötigen die Chemnitzer die passenden Komponenten. Zügig gründete das Start-up eine Einkaufsabteilung, organisierte die Beschaffung und aktivierte die nötigen ERP-Features. Seitdem bildet das System neben klassischen Finanzprozessen auch Wareneingang und -ausgang, Stücklisten, Chargenrückverfolgung, Materialplanung und Lagerverwaltung ab. Schmiedel: „Aufgrund der vielen neuen Aufgabengebiete ist unser ERP-System quasi über Nacht explodiert.“

Auf welche Weise das ERP bei Industrial Dynamics die Brücke zur Fertigung schlägt, zeigt die Stückliste für das erwähnte Greifersystem. Dieses kann aus mehreren Tausend Einzelteilen bestehen wie Federn, Schrauben oder Zylindern. Das Konstruktionsteam fasst alle mechanischen Komponenten in einer Stückliste zusammen und spielt diese ins ERP ein. Für Standardteile eignen sich bestehende Artikelnummern, für alle anderen Teile legt die Software neue Nummern an. Anschließend bestellt die Software alle Einzelteile, die nicht im Lager vorrätig sind, automatisch.

Das Konstruktionsteam erhält Rückmeldungen, welche Lieferzeiten die fehlenden Teile haben. Das sorgt für Überblick und erleichtert das Projektmanagement. Wissen die Mitarbeiter beispielsweise, dass in acht Wochen die letzten Teile eintreffen, können sie besser planen und den Kunden informieren, wann er den neuen Greifer in der Produktion nutzen kann.

Weitere Digitalisierungsprojekte in Planung

In Zukunft möchte Industrial Dynamics gemeinsam mit Uniorg das ERP-System um ein Dokumentenmanagement erweitern. Dann könnte die Firma Dokumente wie Rechnungen im ERP nicht nur erstellen, sondern auch archivieren. Gleichzeitig wollen die Chemnitzer den Posteingang digitalisieren: Per OCR-Erkennung kann das Unternehmen eingehende Belege automatisch erfassen, indizieren und einem Workflow übergeben. So lassen sich Lieferscheine oder Rechnungen direkt einem Kunden, Projekt oder Lieferanten zuordnen und revisionssicher ablegen. Ein wichtiger Schritt, um weitere interne Prozesse zu optimieren und die Mitarbeiter zu entlasten.

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