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Kommentar: Warum IT-Abteilungen ihre Selbstständigkeit verlieren müssen Drei Leuchtfeuer im Nebel

Autor / Redakteur: Wieland Alge, Barracuda Networks / Elke Witmer-Goßner

Die drei „C“ – Crime, Consolidation und Cloud – haben allgemein viel Zuspruch bekommen. Es sind Grundwerte, an denen sich IT-Profis bei der strategischen Planung orientieren können. Solange sie auf eine ausgewogene Balance der drei Elemente achten, sind sie auf dem richtigen Weg, ihre Systeme zu verbessern.

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IT-Abteilungen dürfen nicht mehr über den Dingen schweben, wenn sie andere Teams von der Notwendigkeit bestimmter Maßnahmen, insbesondere Sicherheit, überzeugen wollen.
IT-Abteilungen dürfen nicht mehr über den Dingen schweben, wenn sie andere Teams von der Notwendigkeit bestimmter Maßnahmen, insbesondere Sicherheit, überzeugen wollen.
(Bild: Andreas Haertle, Fotolia)

Andernfalls drohen Probleme: Zu viel Cloud kann der Consolidation entgegen wirken, zu viel Angst vor Crime lähmt den Schritt in die Cloud. Auf dem Weg in die ungewisse Zukunft fungieren diese drei „Cs“ als Orientierungshilfe, sozusagen wie Leuchtfeuer im Nebel. Aber immer öfter treffe ich IT-Profis, die trotzdem nicht vorankommen. Nach vielen Gesprächen bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es ein viertes „C“ geben muss, das die Zukunft der IT bestimmt: Change. Es ist so bedeutend, dass es ein eigenes Mantra verdient: „ABC – Always Be Changing“. Der Druck zur Veränderung kann aus zwei Richtungen kommen, von außen oder von innen. In beiden Fällen bleibt auch der IT-Abteilung keine Wahl: Sie wird sich wandeln müssen!

Change von außen: Crime & Co.

Jeder, der in der Security arbeitet, weiß, wie flexibel unser Geschäft ist. Es ist ein permanentes Katz- und Maus-Spiel mit Angreifern, deren Fronten sich ebenso schnell verändern wie die eingesetzten Mittel. Kein IT-Verantwortlicher kann sich diesem Druck entziehen. Er muss dabei aber eine besondere Herausforderung meistern: Die entsprechenden Schutz-Maßnahmen dürfen nicht dem Geschäft der Firma im Weg stehen, sei es, weil sie die Arbeit verlangsamen könnten, sei es, weil sie zu viele Hürden für die Mitarbeiter einbauen.

Denn damit züchtet die Security unversehens eine Armee von Saboteuren heran: fleißige, ehrgeizige Mitarbeiter, die nichts anderes tun wollen, als ihre Arbeit gut zu machen. Wenn sie aber an IT-Hürden scheitern, dann setzen sie ihre ganze Energie daran, diese zu unterlaufen. Sie benutzen Smartphones, anonymisierte Proxys, um Firewalls zu täuschen, USB-Speicher, um Filter zu umgehen, und Filesharing Lösungen wie Dropbox, um nicht das gedrosselte E-Mail-System nutzen zu müssen. Wer aber die legitimen Interessen der User berücksichtigt, hat schon den ersten Schritt zum Change von innen getan.

Auf Tuchfühlung im Team

Business Alignment war einst ein Buzzword, ein Hype, dem sich viele verschworen hatten, der aber für die praktische Umsetzung nicht eindeutig definiert war. Ging es dabei um organisatorische Veränderungen und wenn ja, um welche? Oder war einfach nur mehr Offenheit für die Belange der Fachabteilungen gemeint? Mittlerweile zeigen sich die eigentlichen Paradigmen, an denen man Business Alignment festmachen kann. Sie kommen aus der Software-Entwicklung und orientieren sich an Modellen wie Agile.

Der zentrale neue Ansatz ist die Integration der IT in die Fachabteilungen. Das bedeutet nicht mehr und nicht weniger, als dass die IT als gleichberechtigte Abteilung wegfällt. Dabei wird sie einige ihrer Aufgaben sogar an das Facility Management abgeben: Der Einkauf und die Installation von Bildschirmen ist nicht grundlegend anders als der von Bürostühlen oder Lampen. Die IT-Teams der Zukunft werden sich zwar weiterhin zu Schulungen und zur Projekt-Koordination treffen, aber den größten Teil ihrer Zeit werden ihre Mitglieder in Projektgruppen der Fachabteilungen verbringen. Sie müssen dort dafür sorgen, dass die IT von Beginn an berücksichtigt wird und im Gegenzug, dass das Projekt von Anfang an die bestmögliche Unterstützung durch die IT-Fachleute hat. Das betrifft in erster Linie die IT-Sicherheit. Sie kann nicht mehr nur ein Anhängsel neuer Projekte und Prozesse sein, sondern muss vom Start weg in das Design integriert werden.

Diese neue Rolle des IT-Fachmanns erfordert Fertigkeiten, die heute bei vielen Kollegen noch nicht weit verbreitet sind:

  • Selbstkritik: Was heute richtig ist, kann morgen schon falsch sein. Entscheidungen, die einmal getroffen wurden, müssen hinterfragt und korrigiert werden, wenn sich die Ausgangssituation geändert hat. Change bedeutet, über den eigenen Schatten springen zu können. Diese Fähigkeit zur fortwährenden Skepsis sich selbst gegenüber ist nicht jedem gegeben. Ein guter IT-Mitarbeiter wird sie in Zukunft mitbringen müssen.
  • Empathie: In einem Team muss man für den anderen mitdenken. Zu wissen, wo die Anforderungen, die Vorlieben und Barrieren der anderen liegen, ist entscheidend. Diese Empathie spart unglaublich viel Zeit und bewahrt davor, zeitraubende Irrwege einzuschlagen.
  • Mut: Als IT-Fachmann unter IT-Laien muss ein Experte die Kraft haben, seine Meinung im Notfall auch gegen Widerstände durchzusetzen. Es nützt nichts, hinterher Recht gehabt zu haben. Gleichzeitig muss man aber auch wissen, wofür man den Fehdehandschuh hinwirft und wofür es sich nicht lohnt.

Wende beim Outsourcing

Von diesem Wandel hin zur Fachabteilungs-IT werden vor allem die Anbieter von IT-Outsourcing betroffen sein. Ihr Verkaufsargument „kümmert ihr euch um das Geschäft, wir kümmern uns um eure IT“ wird dann nämlich nicht mehr funktionieren. Sie werden ihr Geschäftsmodell ändern und sich viel intensiver mit den Businessprozessen ihrer Kunden beschäftigen und verschränken müssen. Dazu ist Vertrauen auf beiden Seiten nötig, und noch mehr als bisher wird der enge Kontakt von Dienstleister und Kunde die Grundlage ihres Erfolgs sein. Viele gute Serviceanbieter genießen dieses Vertrauen bereits und deshalb steht für sie ein weiteres „C“ nicht für „Crisis“ sondern für „Chance”.

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