Buchwissen: Ist SugarCRM noch Open Source? Die Vermessung der SugarCRM-Welt

Autor: Dr. Stefan Riedl

SugarCRM brachte frischen Wind in einen CRM-Markt, der im Grunde bereits als besetzt galt, von Anbietern wie Siebel, SAP und auch schon Salesforce. Mit dem Konzept eines kommerziellen Open-Source-Produkts fand der Anbieter auch großen Anklang.

SugarCRM kommt mit ein paar Besonderheiten daher.
SugarCRM kommt mit ein paar Besonderheiten daher.
(Bild: Rassco - stock.adobe.com)

Beim Wechsel von Version 6 auf 7 gab es grundlegende Änderungen in der SugarCRM-Welt. Bis Version 6 gab es eine kostenfreie Version, die SugarCRM mitentwickelt und gepflegt hat, sowie mehrere kommerzielle Versionen. Für diese gab es neben der Betreuung Mehrwerte durch höheren Funktionsumfang, beispielsweise ein Outlook- oder Lotus-Notes-Plugin, man konnte Berechtigungen granularer vergeben, und weitere Module kamen obendrauf. „Auf der kostenfreien Version haben sich übrigens im Rahmen der GPL-Lizenzierung die noch heute auf dem Markt befindlichen CRM-Produkte vTiger und SuiteCRM entwickelt“, erläutert Mirco Müller, Geschäftsführer bei Insignio, der ein dickes Informatik-Fachbuch über SugarCRM geschrieben hat.

Der große Umbruch zum Versionswechsel

Der Paradigmenwechsel bei SugarCRM ab Version 7 bestand darin, dass die frei verfügbare Open-Source-Variante nicht mehr selbst gepflegt, sondern in die Hände der Community gegeben wurde. SugarCRM selbst beschäftigte sich nur noch mit den kommerziellen Varianten. „Die werden zwar nur noch kommerziell vertrieben, allerdings kann sich in Projekten wegen der nach wie vor bestehenden Open-Source-Lizenzierung so manche Freiheit herausgenommen werden, die so nur im Open Source-Umfeld möglich ist“, verrät Fachbuchautor Müller.

Hintergrund ist, dass der Software-Stack von SugarCRM auf Frameworks wie Javascript, verschiedenen Datenbankoptionen und PHP basiert. Quasi als organisierende Klammer wirkt hier das Sugar Sidecar Framework, das Framework von SugarCRM, das die Einzelkomponenten verbindet. Durch diesen Aufbau ist es problemlos möglich, ein neues Modul in die zentrale Schnittstelle einzubinden, Workflows draufzulegen oder Reporting-Funktionen zu implementieren.

Erweiterungen durch Zukäufe

„Zum Strategiewechsel zählt auch die Herangehensweise, dass SugarCRM seit etwa drei Jahren den Funktionsumfang durch Firmenkäufe erweitert. Marketing Automation, BI-Funktionen, eine Integrationsplattform und ab der bald kommenden Version 11 auch KI-Funktionen. Diese Erweiterungen sind nicht Open Source und nur über die Cloud-Version erhältlich.

„Neben der Tatsache, dass Software-Anbieter nur eine Version pflegen müssen, wenn sie via Cloud bereitstellen, dürfte auch diese Modulbereitstellung eine Rolle dabei spielen, dass SugarCRM nach meinen Erfahrungen am liebsten Cloud-Projekte abschließt“, stellt Müller fest. „Aber – und das spielt in der Finanzbranche und im gehobenen Mittelstand durchaus eine Rolle – wenn sie auf die Zusatzmodule verzichten oder dafür andere Lösungen finden, lässt sich SugarCRM prima als On-Premises-Produkt im eigenen Rechenzentrum oder dem eines Dienstleisters betreiben, während hier die Möglichkeiten immer geringer werden, weil sonst fast alle voll auf die Cloud setzen.“

Fachbuch und Vertriebsinstrument

Insignio besteht aus einer Werbeagentur, einer Digitalagentur, die sich mit Websites, Portalen und Apps beschäftigt, und aus dem CRM-Geschäftsbereich, der rund 70 Prozent des Umsatzes ausmacht. Zu Insignio stieß Müller 2006, mit CRM-Know-how im Handgepäck. 2007 wurden das Unternehmen Partner von SugarCRM. Zuvor war er als Management-Berater im CRM-Umfeld tätig.

Die erste Auflage von „SugarCRM“ wurde 2009 bei Galileo Press veröffentlicht. „Für Insignio ist es dahingehend ein gutes Vertriebsinstrument, weil Kunden sagen: Wer 360-Seiten-Bücher über ein Thema schreibt, wird sich auch ein wenig damit auskennen“, freut sich Müller.

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