Digitaler Wandel an deutschen Schulen

Die Schul-Cloud macht den Ranzen leichter

| Autor: Elke Witmer-Goßner

Das Pilotprojekt „Schul-Cloud“ soll den Zugang zu digitalen Unterrichtsinhalten vereinfachen und den Schulunterricht dauerhaft modernisieren.
Das Pilotprojekt „Schul-Cloud“ soll den Zugang zu digitalen Unterrichtsinhalten vereinfachen und den Schulunterricht dauerhaft modernisieren. (Bild: © massimo_g - Fotolia)

Das Hasso-Plattner-Institut (HPI) hat in Kooperation mit dem nationalen Excellence-Schulnetzwerk MINT-EC das erste Modell einer Schul-Cloud entwickelt. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Projekt geht noch in diesem Jahr bundesweit mit mehr als 25 MINT-EC-Schulen in die Testphase.

In der Schul-Cloud werden digitale Lehr- und Lernangebote schul- und fächerübergreifend zentral vorgehalten. Ein wichtiger Vorteil: Für Schulen entfällt die Anschaffung und Wartung von Rechnern, denn Schüler und Lehrer können über einfache Anzeigegeräte von überall auf die Inhalte zugreifen. Voraussetzung hierfür ist lediglich eine breitbandige Internet-Anbindung. Das Pilotprojekt soll den niederschwelliger Zugang zu digitalen Unterrichtsinhalten ermöglichen und den digitalen Wandel an den Schulen in Deutschland beschleunigen, erklärt HPI-Direktor Prof. Christoph Meinel: „Es wird Zeit, dass die fächerübergreifende Nutzung digitaler Medien und Lehrangebote fester Bestandteil der schulischen Ausbildung wird."

Ziel ist es, die digitale Transformation auch im Bildungssektor voranzutreiben. So sollen bereits die Kinder schon im Schulalter auf das Leben in einer zunehmend digitalisierten Gesellschaft vorbereitet werden. Aber die Schulen stoßen, wenn sie diesen Lehrauftrag tatsächlich erfüllen wollen, an harte Grenzen – finanziell wie administrativ. Denn während im Alltag digitale Geräte längst allgegenwärtig sind, befinden sich in Schulen häufig ausschließlich veraltete Hard- und Software im Computerraum. Zudem ist dieses meist nicht zu jeder Zeit von allen zugänglich. Jenseits von Fächern wie Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (MINT) sowie für die Vor- und Nachbereitung des Unterrichts können Schüler die digitalen Angebote bisher kaum nutzen. Zudem fehlt Personal für die fachkundige Administration. In der Praxis halten engagierte Lehrkräfte Hard- und Software so gut es geht am Laufen – auf Kosten ihrer Lehraufgaben und der Qualität der Technik.

Das Konzept der Schul-Cloud

Die Vorteile der Schul-Cloud für Schulen in Deutschland.
Die Vorteile der Schul-Cloud für Schulen in Deutschland. (Bild: obs/Hasso-Plattner-Institut)

Die von Experten des Hasso-Plattner-Instituts konzipierte Cloud-Infrastruktur soll dabei helfen, Schülern, Lehrkräften und Eltern einen einfachen Zugang zu Lern- und Lehrmaterial bereitzustellen, der für jeden, überall und jederzeit verfügbar ist. Über die Schul-Cloud besteht die Möglichkeit, flächendeckend neueste und professionell gewartete Programme zu nutzen, und neue technische Entwicklungen leicht mitzumachen. Deshalb sollen Bildungsinhalte künftig nicht mehr in abgeschlossenen Silos, in Lehrbüchern oder auf individuellen Rechnern in den Schulen platziert sein. Stattdessen werden die Lehrinhalte webbasiert allen und von überall aus über verteilte Server in Rechenzentren verfügbar gemacht.

Alle Vorteile des Cloud Computing kommen in vollem Umfang den Schulen und dem Unterricht zu Gute:

  • Zugang zu Lern- und Lehrmaterialien jederzeit und überall.
  • Keine teuren Computerräume mehr notwendig.
  • Keine aufwändige Wartung von Hard- und Software durch Lehrer.
  • Lehrer und Schüler nutzen immer Hard- und Software auf dem neusten Stand der Technik.
  • Digitale Medien sind auf Grund professioneller Wartung sicher.
  • Der Markt für hochwertige digitale Lern- und Lehrangebote wird belebt.
  • Digitale Lern- und Lehrangebote können direkt von Nutzern bewertet werden.
  • Lehrer und Schüler werden zum autonomen Lernen angeregt.
  • Jeder (auch Schüler) kann eigene Lernangebote, etwa zur Nachhilfe, bereitstellen.
  • Schulen können die Qualität des Unterrichts steigern und gleichzeitig Kosten reduzieren.
  • Lästiges Bücherschleppen ist Vergangenheit.

Gerade letzter Punkt erscheint auf den ersten Blick nur sekundär wichtig, fällt aber auf Dauer ins sprichwörtliche Gewicht. Krankenkassen und kinderärztliche Vereinigungen machen seit Jahren Stichproben und stellen immer wieder fest: Meist ist zu viel drin in den Schultaschen. Bis zu zwölf Kilogramm können es bei Schülern der gymnasialen Oberstufe schon mal sein. Dabei sollten Schulkinder maximal 10 bis 12,5 Prozent ihres eigenen Körpergewichts im gepackten Ranzen haben, so die Empfehlung von Kinderärzten, um bleibende Rücken- und Haltungsschäden zu vermeiden.

Das ausführliche Konzept finden Sie unten zum Download.

Darüber hinaus gibt es auch ein Video vom HPI, in dem das Pilotprojekt der Schul-Cloud näher vorgestellt wird.

Update:

Beim Digital-Gipfel der Bundesregierung im Juni haben die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Professorin Johanna Wanka, und HPI-Direktor Professor Christoph Meinel den Startschuss für die Schul-Cloud erteilt. Inzwischen können alle 27 ausgewählten Schulen des nationalen Excellence-Schulnetzwerks MINT-EC die Schul-Cloud in der Praxis erproben und testen. Einen Einblick in die vielfältigen Funktionen und Nutzungsmöglichkeiten der Schul-Cloud vermittelt ein Testzugang: Dort können sich alle Interessierten als Schüler oder Lehrer ganz einfach einloggen.

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