Mobile IP-Geräte verbinden Analog- und Digitalwelt Die globale Erwärmung und die Internet-Glühlampe

Autor / Redakteur: Harald Sander / Rainer Graefen

Zehn Milliarden IP-Devices werden den Adressraum von IP Version 4 (IPv4) überfordern und endlich den Weg frei machen für das Abenteuer IPv6. Dann beginnt das Zeitalter von Bequemlichkeit, Überwachung und Ressourcenkontrolle mit Metadaten.

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Es geht nicht um die Frage „Sein oder Nichtsein“. Es geht in Joseph Regers Keynote auf dem Fujitsu Forum 2013 darum, wie eine LED-Lampe mit Internetanschluss die Sicherheit herausfordert.
Es geht nicht um die Frage „Sein oder Nichtsein“. Es geht in Joseph Regers Keynote auf dem Fujitsu Forum 2013 darum, wie eine LED-Lampe mit Internetanschluss die Sicherheit herausfordert.
(Bild: Fujitsu)

Alles kommt zusammen im Internet der Dinge, wenn es eine IP-Adresse hat. Für die gern beschworenen Sandkörner der Welt, die man sich gerne als unzählbare Ressource vorstellt, reicht der Adressraum von IPv6 locker aus, schwierig ist derzeit allerdings noch, überall die Energieversorgung für die IP-Intelligenz der Devices bereitzustellen. Das wird wohl eine der Aufgaben der Nanotechnik werden.

Obwohl die Idee mit den IP-Sandkörnern erst einmal verrückt erscheint, so gibt es doch heute schon Bordsteine mit IP-Adressen. Wozu denn das?, fragen sich wahrscheinlich sofort viele Radfahrer. Für Autofahrer ist hingegen klar, Bordsteine wissen in Zukunft, wo freie Parkplätze zu finden sind.

Wer hätte das je vom Internet erträumt?

In seiner Keynote „All Things considered“ auf dem Fujitsu Forum in München hat Joseph Reger, CTO bei Fujitsu International Business, am Beispiel der IP-Glühbirne herausgearbeitet, wie sich Big Data beim Internet der Dinge darstellt.

Die ersten ahnen bereits, dass das Internet immer mehr von Dingen und weniger von Menschen bestimmt werden wird und führen die „unglaubliche“ Anzahl von zehn bis Hundert Milliarden Geräten an, die in den nächsten 15 Jahren über eine IP-Adresse erreichbar sein werden. Wer also noch nicht seine ganze Freizeit bei Facebook & Co. vertrödelt hat, der kann sich demnächst bei der Mensch-Maschine-Kommunikation verlustieren. Zum Beispiel bei der Steuerung seiner Wohnungsbeleuchtung.

Angesichts der Einfachheit der IP-LED-Glühbirne, den sinkenden Kosten durch Massenproduktion und der außergewöhnlichen Benutzerfreundlichkeit werden wir in wenigen Jahren acht Milliarden dieser Leuchtkörper installiert haben, schätzt Reger. Noch zielt der Preis von 20 Euro nicht auf die breite Masse.

Was man nicht im Kopf hat, sagt einem jetzt das IP-Gerät

Welche Vorteile hätte so eine per Internetprotokoll gesteuerte Lampe? Eine LED könnte vom Smartphone in seiner Farbtemperatur gesteuert werden. Und wenn der Stimmungssensor im Smartphone erst einmal erfunden ist, erwartet den Benutzer, im eigenen Haus angekommen, gleich die zu seiner Stimmung passende Beleuchtung und Musik.

Und die LED-Lampe erfordert keine zusätzlichen Kenntnisse, sie ist bequem anzuwenden. Sie benutzt dieselbe Infrastruktur wie eine Glühbirne, und die Steuerung verbindet sich drahtlos mit dem WLAN-Router am Internetanschluss.

Die Lampe erkennt, ob jemand im Zimmer ist und optimiert so die Verbrauchskosten. Und auch die Wartung ist einfach, da die Lampe sich selbst überprüft und ergänzt automatisch die Einkaufsliste, wenn das Smartphone erkennt, dass man sich gerade in einem Baumarkt befindet.

Denkt man das Ganze in einem globalen Maßstab weiter, wie das Joseph Reger in seiner Keynote tat, so könnte die Menschheit durch den Einsatz des intelligenten Leuchtmittels die globale Erhitzung ausbremsen, so dass auch noch in tausend Jahren Menschen auf der Erde leben können. Spätestens bei solchen euphemistischen Darstellungen - wenn das Analoge so deutlich vom Digitalen dominiert wird - hätte Aldous Huxley sein Werk „Brave New World“ geschrieben.

HTTP als Protokoll untauglich

Die postulierte Benutzerfreundlichkeit ist in der Praxis noch reine Behauptung, da jeder Hersteller von LED-Leuchtmitteln erst einmal seine eigene Lampensteuerung mitliefern wird. Ziel muss es allerdings sein, dass der Anwender nicht für jeden Lampenhersteller eine eigene App auf das Smartphone laden muss.

Und sicher soll das Ganze auch noch sein, damit kein Unbefugter das Licht nach seinem Gusto ein- und ausschalten kann. HTTP scheidet damit als Steuerungsprotokoll aus. 100 Trillionen Ereignisse kommen da pro Jahr schon zusammen, wirbt Reger für ein standardisiertes Protokoll mit diversen Schutzfunktionen, das bei Fujitsu für das Internet der Dinge schon in der Schublade liegt.

Es wäre sicherlich unangenehm, wenn jeder per Internet Zugriff auf die Beleuchtung anderswo hätte und nach Belieben Licht ein- oder ausschalten könnte. Das wären dann modernisierte Klingelstreiche mit Internet-Equipment. Gefährlich ist das nicht.

Die Gefährlichkeit der IP-Lampe

Kritischer wird es, wenn jemand die Verbrauchsdaten der Wohnungsbeleuchtung auslesen könnte. Ähnlich wie bei der Stromverbrauchsmessung, dem sogenannten Metering, ließen sich Rückschlüsse auf die Anwesenheit der Bewohner ziehen. Einbrecher müssten dann nicht mehr auf die persönliche Ankündigung des Urlaubs in sozialen Netzwerken warten.

Gefährlich wird es allerdings laut Reger, wenn jemand in der Lage ist, alle diese „intelligenten“ Geräte aus der Ferne zu steuern. Während auf der Welt derzeit so an die 40 bis 50 Millionen Server installiert sind, wären es beim Internet der Dinge Milliarden von „Devices“ wie zum Beispiel die LED-Lampe, Wearables, Klimasteuerungen und anderes mehr.

Und alle Argumente, die man sich auf der einen Seite positiv zurechtlegen kann, bekommen auf der anderen Seite den Touch der Überwachung, und nicht zuletzt könnte jeder smarte IP-Gegenstand auch seine Nutzung beschränken. Die Anfänge sind gerade im KFZ-Versicherungsbereich zu beobachten.

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