„As-a-Service“ wächst, traditionelles Sourcing schrumpft

Die DSGVO verändert Prioritäten im Sourcing-Markt

| Redakteur: Florian Karlstetter

EMEA ISG Index für das erste Quartal 2018 zeigt: vor DSGVO-Start gibt das traditionelle Sourcing in EMEA deutlich nach, As-A-Service-Sektor dagegen wächst überproportional.
EMEA ISG Index für das erste Quartal 2018 zeigt: vor DSGVO-Start gibt das traditionelle Sourcing in EMEA deutlich nach, As-A-Service-Sektor dagegen wächst überproportional. (Bild: gemeinfrei (geralt / pixabay) / CC0)

Der Sourcing-Markt in EMEA hat im 1. Quartal 2018 nachgelassen. Das Schrumpfen führen die Marktexperten der Information Services Group (ISG) auf die bevorstehende DSGVO zurück: Demnach führen die Auswirkungen auf die Geschäftsbeziehungen von Unternehmen zu einem (vorübergehenden) Wechsel der Prioritäten.

Vor DSGVO-Start gibt das traditionelle Sourcing in EMEA spürbar nach: Im Vergleich zum Vorjahr stürzt das Marktvolumen des traditionellen Sourcings gar um 40 Prozent ab, so Ergebnisse des aktuellen EMEA ISG Index für das erste Quartal 2018. Gleichzeitig legt das Auftragsvolumen von As-a-Service im Vergleich zum Vorjahr um 40 Prozent zu und macht nun 46 Prozent des gesamten Sourcing-Markts aus.

Friedrich Löer, Partner bei ISG Information Services Group Germany.
Friedrich Löer, Partner bei ISG Information Services Group Germany. (Bild: ISG)

„Der europäische Sourcing-Markt bleibt weiterhin von Unsicherheit geprägt, was die Nachfrage nach Outsourcing zusätzlich dämpft“, sagt Friedrich Löer, Partner bei ISG Information Services Group Germany. „Unternehmen konzentrieren sich auf die Vorbereitungen zur weitreichenden DSGVO-Datenschutzverordnung und deren Auswirkungen auf ihre Geschäftsbeziehungen. Dies führte zu einem Wechsel der Prioritäten. Zudem haben die zahlreichen Nachrichten über den Konkurs des britischen Baukonzerns Carillion und finanzielle Schwierigkeiten einiger wichtiger Outsourcing-Anbieter dazu geführt, dass die Marktakteure noch vorsichtiger geworden sind.“

Der EMEA ISG Index erfasst Outsourcing-Abschlüsse der Privatwirtschaft mit einem jährlichen Vertragsvolumen (Annual Contract Value, ACV) von mindestens 4 Millionen Euro. Er zeigt, dass der Markt in EMEA im ersten Quartal 2018 gegenüber dem gleichen Quartal des Vorjahres um 20 Prozent auf 3 Milliarden Euro nachgegeben hat. Dieser Rückgang geht vor allem auf das Konto eines drastischen Rückgangs beim traditionellen Sourcing, das gegenüber dem ersten, allerdings sehr starken Quartal 2017 um 40 Prozent nachgegeben hat. Die Zahl der Vertragsabschlüsse hingegen ging im gleichen Zeitraum nur um 3 Prozent zurück.

As-a-Service im Aufwind

Während das traditionelle Sourcing ins Stolpern geriet, schnellte As-a-Service im Jahresvergleich um 40 Prozent nach oben. Das Marktvolumen von As-a-Service stieg auf 1,4 Milliarden Euro und war das in EMEA höchste jemals gemessene Ergebnis. As-a-Service macht nun 46 Prozent des gesamten Sourcing-Marktes aus.

Der Zuwachs beim As-a-Service-Sourcing geht vor allem auf das Konto steigender Nachfrage nach Infrastructure-as-a-Service (IaaS). Im Laufe der letzten 12 Monate legte das IaaS-Marktvolumen um 48 Prozent zu. Dieser Anstieg fiel damit noch stärker aus als das Plus von 13 Prozent bei Software-as-a-Service (SaaS).

Weltweit verzeichnete der Gesamtmarkt ein Rekordergebnis von 9,8 Milliarden Euro im ersten Quartal 2018, vor allem dank eines 40-Prozent-Wachstums im As-a-Service-Sektor, der ein Marktvolumen von 4,7 Milliarden Euro erreichte. Dieser erneute Quartalsrekord liegt deutlich über den 3 bis 3,5 Milliarden Euro, die der As-a-Service-Markt in drei der letzten vier Quartale erreichte. Im Vergleich zum Marktvolumen von vor zwei Jahren entspricht dies fast einer Verdopplung.

Ergebnisse nach Ländern

ISG legt aktuelle Zahlen zum Sourcing-Markt vor.
ISG legt aktuelle Zahlen zum Sourcing-Markt vor. (Bild: ISG)

Mit Blick auf das traditionelle Sourcing in den einzelnen Ländern zogen die schwachen Ergebnisse der beiden größten Märkte in Europa, das Vereinigte Königreich (UK) sowie Deutschland, Österreich und die Schweiz (DACH), die EMEA-Zahlen nach unten.

Obwohl im Vereinigten Königreich das traditionelle Sourcing-ACV im ersten Quartal 2018 im Vergleich zum Vorquartal um 3 Prozent wuchs, sank es im Vergleich zum ersten Quartal 2017 um 60 Prozent. Zwar blieb die Zahl der abgeschlossenen Verträge im gleichen Zeitraum stabil, doch fielen die Vertragsumfänge wesentlich kleiner aus. Seit 2010 lag kein ACV des ersten Quartals so niedrig wie in diesem Jahr.

Der Markt in DACH wies nun bereits zum dritten Mal in Folge eine schlechte Performance aus. Die 438 Millionen Euro Marktvolumen im ersten Quartal 2018 sind das schlechteste Quartalsergebnis seit Anfang 2014. Die letzten drei Quartale waren in DACH von einem deutlichen Minus beim traditionellen Sourcing geprägt, zumal Unternehmen ihren Fokus auf die DSGVO und die Implementierung neuer Technologien richteten.

Frankreich verzeichnete im Vergleich zum schwachen Start im Vorjahr ein robustes Wachstum beim traditionellen Sourcing. Im ersten Quartal stieg das Marktvolumen im Jahresvergleich um 30 Prozent, während die Zahl der Neuverträge um mehr als zwei Drittel zunahm – dies allerdings im Vergleich zu einem schwachen ersten Quartal 2017. Obwohl der französische Markt weiterhin vergleichsweise klein ausfällt, wuchs er in den vergangenen 12 Monaten stetig.

Die zuletzt uneinheitlichen Marktzahlen in Skandinavien 2017 mündeten im ersten Quartal 2018 in ein ACV-Wachstum von 16 Prozent und ein Plus von 45 Prozent bei den Vertragsabschlüssen. Trotz seiner uneinheitlichen Entwicklung legte der skandinavische Markt auch auf Jahressicht sowohl beim Marktvolumen als auch bei den abgeschlossenen Verträgen zu.

Ergebnisse nach Branchen

Alle Branchen in EMEA verzeichneten beim As-a-Service-ACV 2017 in den vergangenen 12 Monaten Zunahmen. Beim traditionellen Sourcing hingegen meldeten alle sinkende ACV-Zahlen, mit Ausnahme der Konsumgüterindustrie.

Die Finanzdienstleister kamen in den vergangenen 12 Monaten auf ein Marktvolumen von 2,9 Milliarden Euro, was einem leichten Minus gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die As-a-Service-Werte legten um 45 Prozent zu, während das traditionelle Sourcing um 16 Prozent nachgab.

Die Fertigungsindustrie setzte ihren kontinuierlichen ACV-Rückgang weiter fort. Ihr ACV von 1,75 Milliarden Euro in den letzten 12 Monaten bedeutet ein Minus von 11 Prozent im Vergleich zum Jahr davor, während das Marktvolumen für As-a-Service um 38 Prozent anstieg.

Telekommunikation und Medien verzeichneten mit einem Minus von 46 Prozent auf 1 Milliarde Euro ihren stärksten ACV-Rückgang der vergangenen 12 Monate, und dies obwohl das As-a-Service-Sourcing um 32 Prozent zulegte.

Ausblick

Mit Blick auf den weiteren Verlauf des Jahres sagt Friedrich Löer: „Während das traditionelle Sourcing in den kommenden Quartalen wohl weiterhin vor schwierigen Zeiten steht, wird sich in Europa der Trend hin zu As-a-Service 2018 noch einmal zusätzlich beschleunigen.“

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