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Unkenntnis gefährdet Wettbewerbsfähigkeit Die Cloud, das unbekannte Wesen

| Redakteur: Elke Witmer-Goßner

Eine aktuelle Marktbefragung deckt eklatante Wissenslücken im deutschen Mittelstand hinsichtlich Cloud Computing auf. Rund ein Drittel der befragten kleineren Fertigungsbetriebe hat keine Vorstellung darüber, welches Cloud-Konzept für ihr Unternehmen in Frage kommen könnte oder kann überhaupt hinreichend zwischen Public und Private Cloud unterscheiden.

IT-Entscheider kleinerer Fertigungsbetriebe in Deutschland wissen über die Cloud gar nicht oder sehr wenig Bescheid – mit der Gefahr, im Wettbewerb bald nicht mehr mithalten zu können.
IT-Entscheider kleinerer Fertigungsbetriebe in Deutschland wissen über die Cloud gar nicht oder sehr wenig Bescheid – mit der Gefahr, im Wettbewerb bald nicht mehr mithalten zu können.
(Bild: Sergey Nivens, Fotolia)

Die aktuelle Umfrage des Marktforschungs- und Beratungsinstituts Pierre Audoin Consultants (PAC) im Auftrag der Freudenberg IT (FIT) zeigt, wie schwer sich insbesondere kleinere und mittlere Unternehmen der Fertigungsindustrie damit tun, die Chancen und Risiken der unterschiedlichen Cloud-Modelle realistisch einzuschätzen. Bei größeren Mittelständlern mit mehr als 500 Mitarbeitern sehen sich noch 14 Prozent außerstande, zu diesem Thema eine klare Aussage zu treffen. Immerhin fünf Prozent aller Fertigungsbetriebe sind der Ansicht, dass sich der Public Cloud-Ansatz prinzipiell für alle Einsatzbereiche eigne. Dagegen sehen 11 Prozent ausschließlich für das Private-Cloud-Modell eine Anwendungsmöglichkeit in ihrem Unternehmen. Für PAC-Analyst Karsten Leclerque leiste diese Unkenntnis den Vorurteilen Vorschub und sei zweifellos mitverantwortlich für die schleppende Adaption des Cloud Computing im industriellen Mittelstand.

Nicht zuletzt aufgrund vermeintlicher Sicherheitsrisiken bestehen im Mittelstand Vorbehalte. Zusätzliche Nahrung erhält die Cloud-Ablehnung durch aktuelle Presseberichte zu Überwachungsprogrammen amerikanischer und britischer Geheimdienste. Mit der fatalen Folge, dass mangels Unterscheidung mitunter Bedenken gegen Public Clouds pauschal auf das private Wolkenmodell übertragen würden, stellt Horst Reichhardt, CEO der Freudenberg IT, fest. Dabei seien Private Clouds genauso sicher wie konventionelle, allgemein akzeptierte Hosting-Angebote, argumentiert Reichardt, da der Service aus der privaten IT-Wolke nicht über das offene Internet, sondern über verschlüsselte VPN-Tunnelleitungen komme. Voraussetzung sei allerdings, dass die Datenhaltung in einem abgesicherten Cloud-Rechenzentrum auf deutschem Boden erfolge und der Provider nicht dem Patriot Act der US-Administration unterliege.

Dabei stehen die Produktionsbetrieben vor einer Zeitenwende, die den Cloud-Umzug eigentlich unumgänglich macht: Industrie 4.0 krempelt heutige Fertigungsprozesse um, wobei die universelle Vernetzung von Werkstücken, Anlagen und Maschinen gänzlich neue Herausforderungen an die IT mit sich bringt, wie zum Beispiel die Echtzeitintegration zwischen produktionsnahen Steueraggregaten und der ERP-Ebene. Verantwortlich für diese Aufgabe sind Manufacturing Execution Systeme (MES), die deshalb als Nukleus von Industrie 4.0-Fabriken gelten. Nach einhelliger Expertenmeinung wäre allein schon das notwendige Innovationstempo der IT ohne den Übertritt in die Cloud für kaum ein mittelständisches Fertigungsunternehmen erreichbar.

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