EY-Studie sieht inländische Wirtschaft auf der Verliererstraße

Deutsche Unternehmen stecken im Digitalisierungsdilemma

| Redakteur: Elke Witmer-Goßner

Obwohl sich die Automobilbranche besonders mit den Auswirkungen der Digitalisierung konfrontiert sieht und bereits heute digitale Technologien in erheblichem Umfang Teil des Geschäftsmodells sind, wollen ausgerechnet die befragten Automobilunternehmen vergleichsweise wenig in weitere Digitalisierungsschritte investieren: Durchschnittlich gerade einmal 0,7 Prozent ihres Umsatzes, etwa 15 Millionen Euro pro Unternehmen, sollen in diesem Jahr in digitale Investitionen fließen. Die Automobilindustrie ruft wohl nach wie vor einen Großteil ihrer Mittel für ihr klassisches Geschäft ab, um die Modellpalette erweitern und Produktionskapazitäten zu schaffen. Die Digitalisierung bleibt da fast außen vor.

Noch düsterer sieht es bei den Energieunternehmen aus. Sie wollen im Durchschnitt nur 8 Millionen Euro oder 0,1 Prozent ihres Umsatzes investieren. Grund für die Sparprogramme könnte sein, dass Energieunternehmen unter dem Ausstieg aus der Atomenergie und dem Rückbau von Kraftwerken leiden. Riedel warnt aber, sie sollten dabei die Investitionen in eine moderne digitale Technik nicht vernachlässigen, um sich insbesondere im Vertrieb als besonders kundenfreundlich zu positionieren. Telekommunikationsunternehmen und Dienstleister sind hingegen äußerst investitionsfreudig. Sie denken daran, 3,5 Prozent des Umsatzes, also 61 Millionen Euro bzw. 3,0 Prozent und damit 54 Millionen Euro für Digitalisierungsmaßnahmen auszugeben.

Auffällig ist: Je größer und finanzstärker Unternehmen sind, desto eher sind sie bereit, viel Geld in die Digitalisierung zu stecken. Drei von vier Unternehmen mit einem Umsatz größter als zehn Milliarden Euro geben im Durchschnitt 1,8 Prozent ihres Jahresumsatzes dafür aus. Dicht dahinter folgen die Unternehmen mit einem Jahresumsatz von einer Milliarde bis zehn Milliarden Euro. 73 Prozent von ihnen wollen nennenswert investieren. Ihnen ist das Thema durchschnittlich 1,6 Prozent ihres Jahresumsatzes wert.

Optimismus versus Misstrauen

Obwohl die deutschen Unternehmen bei den Investitionen weniger tun, vielleicht auch weniger tun können, als nötig wäre, um Anschluss an die Weltspitze zu halten, sehen sie die Digitalisierung trotzdem überdurchschnittlich positiv: 75 Prozent der befragten deutschen Unternehmen bewerten die Digitalisierung der Wirtschaft als Chance für das eigene Geschäft – nur zwei Prozent sehen sie in erster Linie als Bedrohung. Damit sind die deutschen Unternehmen deutlich zuversichtlicher als ihre ausländischen Wettbewerber: Weltweit betrachten nur 64 Prozent die Digitalisierung als Chance, vier Prozent als Bedrohung.

Zu denken gibt allerdings, dass in der für Deutschland so wichtigen Automobilbranche der Anteil der Unternehmen, die die Digitalisierung vor allem als Gefahr für sich selbst begreifen, mit 15 Prozent erheblich höher ist als in anderen Branchen. EY-Analyst Riedel sieht in dieser Zurückhaltung eine große Gefahr auf diese Top-Branche zukommen: „Gerade die Automobilbranche steht vor großen Veränderungen, die durch die Digitalisierung erst ausgelöst werden – Beispiele dafür sind die Vernetzung der Fahrzeuge oder autonomes Fahren. Hier versuchen sich auch bisher branchenfremde Unternehmen an Lösungen, weil sie bereits das entsprechende Know-how im IT- Bereich haben. Die klassischen Automobilfirmen müssen sich dieses Wissen erst noch aufbauen oder durch Kooperationen ins Boot holen.“

Das Thema Digitalisierung nur als Hype abzutun, kann zu falschen Entscheidungen führen, die nur schwer rückgängig zu machen sind. Die Unternehmensberatung Ernst & Young rät daher dringend, dass Unternehmen eine umsetzbare Strategie entwickeln. Strategieberater Heinen schlägt daher vor, Leitlinien zu entwickeln, „die eine Richtung vorgeben und konkrete Schritte priorisieren, damit Digitalisierung als wichtiger Bestandteil des künftigen Wirtschaftswachstums immer mitgedacht wird.“

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