VDI-Modelle kurz erklärt Desktop Virtualisierung: Welcher Ansatz passt für wen?

Autor / Redakteur: Jörg Tewes / Ulrike Ostler

Virtualisieren nach Schema F ist sinnlos und einen „typischen“ virtuellen Arbeitsplatz kann es nicht geben. Doch welche Ansätze gibt es? Und wo liegen die Vor- und Nachteile jedes Ansatzes? IT-Entscheider, die das adäquate Modell heraus finden, können sich sicher sein, dass die Akzeptanz der Mitarbeiter wie von selbst steigt und ihre Einführung ein Erfolg wird.

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Mit der richtigen Art der Desktop-Virtualisierung ist der PC für die Anwender bald kein goldenes Kalb mehr.
Mit der richtigen Art der Desktop-Virtualisierung ist der PC für die Anwender bald kein goldenes Kalb mehr.
( Archiv: Vogel Business Media )

Mehr Flexibilität bei der täglichen Arbeit am PC – dieser Mitarbeiterwunsch stellt viele Unternehmen derzeit vor große Herausforderungen. Immer lauter wird der Ruf nach freier Endgerätewahl und dem Einsatz privater Geräte am Arbeitsplatz. Arbeitgeber können sich dem „Bring your own Device“ genannten Trend nicht mehr lange entziehen.

Gleiches gilt für die so genannte „Consumerization of IT“, also den Business-Einsatz von Geräten, die ursprünglich für den Consumer-Markt entwickelt wurden. Ein Weg, diesen Nutzeranforderungen zu begegnen, ist die Virtualisierung von Desktops.

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Dynamic Client Infrastructure (DCI) ist die Grundlage

Bei der Desktop Virtualisierung liegt – anders als gewohnt – der technische Fokus auf dem Rechenzentrum und somit auf der zentralen Backend-Infrastruktur. Sind die Verantwortlichkeiten nicht klar geregelt, kann allein diese Tatsache Umstellungsprojekte vor organisatorische Herausforderungen stellen.

In einer dynamischen Client-Infrastruktur werden Anwendungen, Betriebssystem und persönliche Einstellungen voneinander und von der Hardware entkoppelt und virtualisiert bereitgestellt. Diese Bereitstellung kann lokal auf dem Endgerät oder über die Rechenzentrumsinfrastruktur erfolgen. Eine Kombination der verschiedenen Technologien – Virtualisierung von Applikationen, Betriebssystem und Einstellungen – ist möglich.

Virtualisierung des Betriebssystems: lokal oder remote

Soll das Betriebssystem den Anwendern virtualisiert zur Verfügung gestellt werden, kann dies lokal auf dem Rechner erfolgen (Local OS Virtualization) oder über eine Virtual Dynamic Infrastructure (VDI) im Rechenzentrum.

Bei der Local OS Virtualization ist eine parallele oder sequentielle Ausführung mehrerer Betriebssysteme möglich. Für eine Offline-Nutzung von virtualisierten Maschinen ist die lokale Ausführung unverzichtbar.

Die Bereitstellung der Images für solche Instanzen kann aus einem Master heraus zentral erfolgen. Aufgrund der Architektur ist die Abhängigkeit von der Netzwerkperformance verhältnismäßig gering, so dass die virtualisierten Maschinen auch bei hohen Latenzzeiten im Netz nutzbar sind.

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Die kostengünstige Alternative

Falls Unternehmen die hohen Investitionskosten in eine zentrale Infrastruktur scheuen, kann diese Art der Bereitstellung genutzt werden, denn eine umfangreiche Zentralisierung ist nicht notwendig. Allerdings macht dies auch nur ein eingeschränktes zentrales Management der verschiedenen Clients möglich.

Und steht eine Migration ins Haus, zum Beispiel aktuell der Umstieg auf das Microsoft-Betriebssystem Windows 7, kann sich diese kosten- und zeitaufwendiger als bei einer Virtual Dynamic Infrastructure-Lösung (VDI) gestalten. Zudem ist der Ressourcenverbrauch auf der Endgeräteseite sehr hoch, wenn mehrere Client-Betriebssysteme auf einer Hardware laufen.

Virtual Dynamic Infrastructure

VDI ermöglicht die Bereitstellung virtueller Clients im Rechenzentrum und bietet damit höchste Flexibilität für die Endnutzer. Der Zugriff auf die Clients erfolgt remote über das Netzwerk. Zur Ein- und Ausgabe können beliebige Endgeräte, wie beispielsweis auch das „Apple iPad“ oder das „Motorola Xoom“-Tablet genutzt werden.

Die virtuellen Clients werden den Endanwendern entweder individuell oder gruppenspezifisch zugewiesen. Hat ein Unternehmen eine hohe Anzahl an Homeoffice-Mitarbeitern, ist eine VDI-Lösung durchaus empfehlenswert. Denn in der Regel, dass die Daten nicht offline verfügbar sind, wird akzeptiert.

Zentralisierung bringt Sicherheit und Verfügbarkeit

Eine zentrale Infrastruktur, die eine Grundvoraussetzung für VDI ist, vereinfacht das Client-Management enorm, da die virtuellen Instanzen stets im Zugriff sind. Anwender profitieren von einer verbesserten Verfügbarkeit der IT-Services und auch davon, dass sie mit jedem beliebigen Gerät – sei es PC, Notebook oder Tablet-PC – auf ihre Daten und Anwendungen zugreifen können.

Auch der Datensicherheit kommt diese Zentralisierung aus zwei Gründen zugute: Zum einen verlassen die Daten das Rechenzentrum nicht mehr und zum anderen können hier zentrale Backup und ein Recovery-System genutzt werden.

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Die kostenaufwendige Alternative

Die Notwendigkeit einer zentralen Infrastruktur bringt jedoch auch klare Nachteile mit sich. Durch die Bereitstellung der Infrastruktur kommen zunächst enorme Kosten auf ein Unternehmen zu. Damit die virtualisierten Clients adäquat benutzt werden können, muss ausreichend Rechen- und Storage-Performance zur Verfügung gestellt werden.

Bei der Presentation Virtualization werden Applikationen zentral auf einem Terminalserver im Rechenzentrum bereitgestellt. Der Zugriff erfolgt über ein Remote-Protokoll. In der Praxis ist dies beispielsweise an einem Kassenterminal der Fall: Eine unbestimmte Anzahl von Anwendern greift gleichzeitig oder zu unterschiedlichen Zeiten auf dieselbe Anwendung zu.

Da sich auch hier der Server zentral im Rechenzentrum befindet, kommen die gleichen Vor- und Nachteile zum Tragen, wie bei der VDI: vereinfachtes Management, hohe Verfügbarkeit und Sicherheit – das alles aber bei etwas geringeren Investitionskosten. Auch wenn hier der Einsatz von verschiedenen Geräten ebenfalls möglich ist, werden heute in der Mehrheit Fat Clients verwendet. Zu beachten ist, dass nicht alle Applikationen für Terminal Server geeignet sind.

Trennung von Applikation und Betriebssystem

Die Virtualisierung von Applikationen ist dadurch möglich, dass diese vom Betriebssystem getrennt werden. Bei der Application Virtualization werden die Anwendungen in sogenannten „Sandboxes“ verfügbar gemacht. Abgeschirmt in virtuellen Boxen laufen sie getrennt, unabhängig und unbeeinflusst vom Betriebssystem und von anderen Anwendungen.

Die Bereitstellung erfolgt über Streaming, also die kontinuierliche Datenübertragung vom Server zum Client. Somit ist es nicht notwendig, die gesamte Anwendung vor Beginn des Anwendungsstarts zu übertragen. Durch die Trennung von Software und Betriebssystem werden Konflikte mit anderen Programmen oder Applikationen verhindert.

Dadurch erhöhen sich die Systemstabilität und die Sicherheit. Das Streaming vereinfacht die Applikationsverteilung, wodurch die schnelle Verfügbarkeit der virtualisierten Anwendungen sowie das einfache Aufspielen von Updates ermöglicht werden. Auch können verschiedene Versionen einer Software genutzt werden. Zu beachten ist jedoch, dass auch hierfür nicht alle Applikationen ausnahmslos geeignet sind.

User Profile Virtualization

Den Anwendern soll bei virtuellen Clients auch immer ihr individuelles Nutzerprofil zur Verfügung gestellt werden? Eine Profilvirtualisierung macht es möglich. Die User Profile Virtualization ist mit den Technologien zur Client- und Applikationsvirtualisierung kombinierbar.

Dabei werden Änderungen im Benutzerprofil wie beispielsweise manuelle Softwareeinstellungen bei jeder Sitzung gespeichert und dem Anwender steht seine gewohnte Umgebung durchgehend zur Verfügung. Zudem können die Benutzereinstellungen vom Betriebssystem getrennt und dadurch separat verwaltet werden. Bei einer Neuinstallation entfällt damit die Zeit für die erneute Einstellung der Benutzerkonfiguration.

Doch bei der Profilintegration ist Sorgfalt geboten: Ist diese fehlerhaft oder unzureichend kann es zu erheblichem Mehraufwand kommen und Funktionsverluste zur Folge haben.

Der Autor:

Jörg Tewes ist Senior Consultant – Consulting and Technology Solutions – bei Computacenter.

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