Experton Group über den Wandel von Software hin zu Services Der Untergang der klassischen Software-Industrie 2012 – 2017

Autor / Redakteur: Andreas Zilch / Florian Karlstetter

Zugegebenermaßen eine gewagte These – besonders vor dem Hintergrund, dass aktuell die weltweit führenden Software-Unternehmen als die erfolgreichsten IT-Unternehmen eingeschätzt werden – von Analysten und auch von der Börse.

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Andreas Zilch, Vorstand der Experton Group: Das Cloud-Paradigma weitet sich aus: klassische Software wird langfristig zu Service.
Andreas Zilch, Vorstand der Experton Group: Das Cloud-Paradigma weitet sich aus: klassische Software wird langfristig zu Service.

Dies wird sich aber mit der zunehmenden Ausbreitung des Cloud-Paradigmas ändern – aus „Software“ wird langfristig „Service“ werden, mit einschneidenden Veränderungen des Geschäftsmodells.

Schon heute ist SaaS sehr erfolgreich– in Deutschland aktuell immerhin über 725 Millionen Euro - und macht den größten Teil des Cloud Marktes aus. Neben dem Bereich CRM, werden insbesondere Software-Infrastruktur-Komponenten (E-Mail, Collaboration, Communications, …) nachgefragt und neben dem zumeist genannten Unternehmen in diesem Bereich, Salesforce.com, erzielen auch „klassische“ Software-Anbieter wie Microsoft und SAP in diesem Segment bereits Umsätze.

Software-Industrie im Wandel

Die Software-Industrie befindet sich also im Wandel – mehr oder weniger gewollt. Das bisher am meisten verbreitete Geschäftsmodell – einmalige Lizenzgebühr + jährliche Wartungsgebühr – ist eine „Gelddruckmaschine“, sofern man eine kritische Kundenzahl erreicht hat und danach die Grenzkosten gegen Null gehen. Hinzu kommt, dass es den Software-Kunden durch Veränderungen und Integration der „Standard-Software“ in das Unternehmen und die Systeme extrem schwer fällt, eine Software, für die man sich einmal entschieden hat, wieder abzulösen. Sehr vorteilhaft für den Software Anbieter, da damit der Wettbewerb weitgehend ausgeschaltet wird und damit die Argumente gegen etwaige Preiserhöhungen begrenzt sind.

Dieses Modell wird sich verhältnismäßig schnell und drastisch ändern – die Alternativen sind in der Grafik dargestellt (Preise bzw. Kosten sind hierbei Beispielswerte).

Andreas Zilch, Vorstand der Experton Group: Das Cloud-Paradigma weitet sich aus: klassische Software wird langfristig zu Service.
Andreas Zilch, Vorstand der Experton Group: Das Cloud-Paradigma weitet sich aus: klassische Software wird langfristig zu Service.

Das traditionelle Geschäftsmodell (1) wird sich sicher nicht kurzfristig radikal zum Web-Geschäftsmodell (6) wandeln – das Hybride oder (reine) SaaS-Modell ist aber sehr kurzfristig umsetzbar, sofern der dafür notwendige Standardisierungsgrad beim Anwender praktikabel umsetzbar ist.

Diese neuen Geschäftsmodelle bedeuten für die Software-Anbieter massive Veränderungen. Zum einen sind erhebliche Investitionen notwendig, um die Software zu modernisieren und „SaaS-ready“ zu machen – dies wurde gerade in der jüngsten Vergangenheit oftmals erheblich unterschätzt. Damit verbunden ist auch ein entsprechender Zeitbedarf und ein nicht unerhebliches Projektrisiko bei der Migration zu einer komplett neuen Architektur.

Geänderte Umsatzströme

Nachfolgend ändern sich die Umsatzströme erheblich – es wird vom Kunden nicht „vorab“ gezahlt, sondern auf monatlicher Basis, mit relativ kurzen Vertragslaufzeiten und dynamischen Anpassungsmöglichkeiten.

Bis hierhin ist also für die Software-Anbieter die Herausforderung, erhebliche Investitionen zu tätigen und notwendige Anpassungen bezüglich der geänderten Umsatzströme vorzunehmen. Hierzu gehören technologische, Finanzierungs-, aber auch vertriebliche Aspekte. Hinzu kommen veränderte Partner-Strukturen.

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Hohe Standardisierung

Der wahre Wandel steckt aber im Grad der Standardisierung. Hybride Modelle lassen noch einen gewissen Grad der Individualisierung zu, pure SaaS-Modelle sind dagegen extrem hoch standardisiert. Dieser Standardisierungsgrad hat nicht nur einen großen Einfluss auf die Preise beziehungsweise Kosten, sondern auch auf die „Wechselmöglichkeit“. Je weniger Anpassungen und Individualisierung, desto schneller kann der Service-Provider ausgetauscht werden.

Um die Erwartungen an dieser Stelle aber nicht zu hoch zu setzen: In den meisten Software-Disziplinen ist es ein langer Weg, von den heute vorherrschenden Eigenentwicklungen und der (vermeintlichen) Standardsoftware, bis zu einem wirklichen SaaS-Modell – und eine 100%ige Abdeckung ist für mittlere und große Unternehmen wahrscheinlich niemals erreichbar.

Weitere Herausforderungen

Für die Software-Anbieter bedeutet diese Entwicklung aber im Ergebnis eine deutliche Reduzierung der Margen, und es wird spannend sein, wie gerade die führenden Software-Unternehmen diesen Transformationsprozess durchlaufen. Hinzu kommen noch zwei weitere Herausforderungen: Die Markteintrittsbarrieren für neue Wettbewerber werden erheblich niedriger, und die Kundenlandschaft einiger Software-Anbieter wird sich deutlich vom Endkunden zum Service-Provider verschieben – mit negativem Einfluss auf die erzielbaren Preise.

Diese heute schon sichtbaren Entwicklungen werden also in den nächsten fünf bis zehn Jahren den Markt und die Anbieterlandschaft fundamental verändern. Es werden neue Wettbewerber hinzukommen, einige Software-Anbieter werden die Transformation schaffen und andere werden ausscheiden oder bedeutungslos werden. Zur letzten Gruppe werden insbesondere die Unternehmen gehören, die zu lange an dem „klassischen“ Software-Geschäftsmodell festhalten, um kurzfristige Gewinne zu maximieren.

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