Cloud-Infrastrukturen im Rechenzentrum Der Umstieg auf HCI rechnet sich

Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Elke Witmer-Goßner

Eine Studie von Cloudflight legt den Betreibern von Rechenzentren den Einsatz hyperkonvergenter Infrastrukturen ans Herz, um bis zu 50 Prozent an Kosten einzusparen. IDC erklärt Interessenten, wie sie die richtige hyperkonvergente Lösung für sich finden.

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Der Wildwuchs in deutschen Rechenzentren ist für viele CIOs ein Ärgernis. Der Umstieg auf moderner Cloud-Architekturen und -Technologien liegt nahe.
Der Wildwuchs in deutschen Rechenzentren ist für viele CIOs ein Ärgernis. Der Umstieg auf moderner Cloud-Architekturen und -Technologien liegt nahe.
(Bild: gemeinfrei© Shaun_F / Pixabay )

Das Rechenzentrum ist auch in Zeiten des boomenden Cloud Computings nach wie vor das Herz eines soliden Unternehmens – dieses Backend bildet die Basis für unternehmenskritischen Applikationen, Geschäftsprozesse und Reporting-Systeme. In der Regel ist es über viele Jahre hinweg stetig gewachsen und inkorporiert verschiedenste Hard und Software-Ansätze. Das macht die Arbeit der IT-Teams generell kompliziert, zudem erschwert es die Suche nach Einsparungspotenzialen.

Doch die gibt es! Zwei relativ neuen Studien – die eine von Cloudflight, die andere von IDC – legen den Betreibern von Rechenzentren eine höhere Auslastung und Skalierung der IT-Infrastruktur nahe. Dies werde am ehesten mittels eines Umstiegs auf hyperkonvergente Infrastrukturen und damit den Einstieg in das Cloud Computing möglich. So ließen sich Kostenreduktionen von über 50 Prozent (!) erzielen, so die Studienautoren.

Doch der Reihe nach:

Zwei Möglichkeiten für die Modernisierung im RZ

Der Wildwuchs in deutschen Rechenzentren ist für viele CIOs ein Ärgernis. Die historisch gewachsenen Strukturen kosten immense Summen im Unterhalt. Der Umstieg auf moderne Cloud-Architekturen und -Technologien liegt nahe, sie eröffnen signifikante Einspar- und Effizienzpotenziale, allen voran in Form einer Konsolidierung der heterogenen Hardware- und Software-Landschaften, der Automatisierung des IT-Betriebs sowie durch Rightsizing und Skalierung. Das weiß heute eigentlich jeder Verantwortliche in der IT. Doch wie dorthin gelangen?

Jan Mentel, Industry Focus Leader Machinery & Plant Engineering, Cloudflight
Jan Mentel, Industry Focus Leader Machinery & Plant Engineering, Cloudflight
(Bild: Cloudflight)

Jan Mentel, Industry Focus Leader Machinery & Plant Engineering bei Cloudflight und Autor der Studie „IT-Infrastruktur für das digitale Zeitalter - Eine TCO-Analyse für CFOs und CIOs“ sieht für mittelständischen Unternehmen und Konzerne zwei Optionen: Zum einen den Ausbau traditioneller IT-Infrastruktur auf Basis von 3-Schichten-Architekturen, oder den Umstieg auf hyperkonvergente Infrastrukturen (Hyperconverged Infrastructure / HCI).

Traditionelle IT-Infrastruktur auf Basis von 3-Schichten-Architekturen

Diese Variante steht in erster Linie für ein „weiter so“ der Rechenzentrums-Ausrüstung. Die Kernbereiche Server, Storage und Network werden mittels Hard- und Software-Komponenten verschiedenster, oft günstiger Anbieter aufgestockt. Das passiert öfter als man denkt – denn die Erweiterung der verschiedenen Bereiche wie Architektur & Technologieauswahl, Provider Management, Betrieb, Wartung und Support obliegt nicht selten unterschiedlichen Verantwortlichen. Dies erschwert eine synchronisierte Innovation des RZ und hat die bekannten und gefürchteten Daten-„Silos“ in Unternehmen hervorgebracht.

Eine ganzheitliche Automatisierung, Visibilität und Reduzierung von Risiken sind damit quasi ausgeschlossen. Im Gegenteil: Die Komplexität der IT-Infrastruktur nimmt weiter zu. Dies geschieht jeden Tag in Hunderten oder gar Tausenden Unternehmen allein in Deutschland. Willkürlich fragt man sich, wie das sein kann. Nun, immer weiter ausgebaute traditionelle IT-Infrastrukturen nach dem 3-Schichten-Prinzip belasten Unternehmen nicht mit Transformations-/Change-Kosten, zudem werden bestehende IT-Teams weiter in Lohn und Brot gehalten und Kompetenzen sowie Zertifizierungen auch in Zukunft genutzt.

Hyperkonvergente Infrastrukturen

Ganz anders bei den hyperkonvergenten Infrastrukturen. Hier müssen sich Unternehmen auf eine völlig neuartige IT-Architektur einlassen. Ihre hervorstechendste Eigenschaft ist zunächst die Integration der ehemals getrennten Infrastrukturkomponenten Compute, Storage und Netzwerk, die anschließend mittels Virtualisierungs- und Container-Technologien abstrahiert und einheitlich administriert werden.

Die Infrastruktur wird komplett „Software-defined“, was sie unabhängig von der eingesetzten Hardware macht. Hier bietet sich aus Kostengründen der Einsatz von Standard-Hardware (x86, SSD) an. Die damit verbundene Kosteneffizienz ist der eine, eine sehr hohe Skalierbarkeit und I/O-Performance der andere große Pluspunkt von HCI.

Die entscheidende Frage lautet jedoch: Welcher Ansatz ist günstiger?

Was kommt günstiger? 3-Schichten oder HCI?

Cloudflight Research hat einen TCO-Vergleich zwischen einer traditionellen 3-Schichten-Architektur und der hyperkonvergenten Infrastruktur „Enterprise Cloud“ von Nutanix durchgeführt. Wir wollen Sie nicht lange auf die Folter spannen und liefern Ihnen hier kurz und knapp das Ergebnis laut Mentel:

„Im Vergleich über einen typischen Investment- bzw. Lebenszyklus von 3 Jahren, unterscheiden sich die beiden IT-Infrastruktur-Varianten deutlich. So liegen zwar die Ausgaben im Bereich der reinen Infrastruktur noch verhältnismäßig gleich auf. Beim Blick auf die Betriebskosten jedoch, kann die Hyperconverged Infrastructure von Nutanix ein signifikantes Effizienzpotenzial bieten. Während in dem Fall des mittelständischen Unternehmens rund 17,1 Millionen Euro an IT-Betriebskosten für Administration, Wartung und Pflege einer klassischen 3-Schichten Architektur über drei Jahre anfallen würden, liegt dieser Kostenblock beim Wechsel auf die ‚Hyperconverged Infrastructure‘ bei ‚nur‘ 8,2 Millionen Euro, was einer Ersparnis von über 52 Prozent entspricht.“

Das ist deutlich. Zudem liegen die Transformationskosten für eine Migration von der Bestands-Architektur auf eine Hyperconverged-Architektur mit knapp 0,6 Millionen Euro deutlich unter den Ausgaben für ein Update der „alten“ IT-Architektur auf den neuesten Stand.

Und: Durch den Einsatz der kostenfreien Nutanix Hypervisor-Technologie sowie die günstigeren bzw. teils inkludierten Management- und Monitoring-Tools könnten über drei Jahre rund 660.000 Euro Lizenzkosten eingespart werden.

Ähnliches gelte zudem für die Bereiche Security und Risk Management sowie Audits & Governance. Auch hier liefere Nutanix Tools und Services, die hinsichtlich Benutzerfreundlichkeit und Integration punkten und so deutlich weniger manuellen Arbeitsaufwand für das IT-Team schaffen. Die Nutanix Enterprise Cloud stelle alle notwendigen Logs, Zertifizierungen und ein Policy- sowie Rechtemanagement bereit.

So wird richtig eingekauft

Auch IDC hat sich mit der Transformation der Rechenzentren hin zu Hyperconverged Infrastructures beschäftigt. Der Analyst Lucas Mearian, Research Manager, Infrastructure Systems, Platforms and Technologies Group, gibt in seinem Report „How HCI Can Enable a Hybrid/Multicloud Architecture, and How to Choose the Right One“ eine Anleitung, wie Einkäufer das für sie passende HCI-Lösungsangebot validieren können. Seiner Meinung nach sollten die Interessenten ganz konkrete Fragen stellen, etwa „Bietet das Lösungsangebot eine konsistente Erfahrung?“.

Lucas Mearian, Research Manager, Infrastructure Systems, Platforms and Technologies Group, IDC
Lucas Mearian, Research Manager, Infrastructure Systems, Platforms and Technologies Group, IDC
(Bild: IDC)

„Es sollte keine Rolle spielen, wo der Benutzer sich einklinkt und mit dem HCI interagiert, ob über eine API oder eine GUI“, so Mearian. Immer müsse die Erfahrung für den Anwender dieselbe sein. Er sollte auch gar nicht bemerken (müssen), ob eine Arbeitsauslastung lokal, in der Cloud oder am Rand ausgeführt wird. Die lokale Infrastruktur müsse genauso wie die öffentliche Cloud-Infrastruktur aussehen, beide müssten hochskalierbar und Software-definiert sein.

Weitere Fragen, die Käufer an einen Anbieter einer HCI stellen sollten, lauten:

  • Wie gut ist das System für den Umgang mit neuen Technologien wie AI/ML, Big Data, CI/CD, Containern und IoT ausgestattet?
  • Kann das System beim Aufbau einer Private Cloud beziehungsweise einer Hybrid Cloud helfen?
  • Können Daten und Anwendungen reibungslos zwischen dem HCI und den Clouds migriert werden?
  • Verfügt der Anbieter über Software und Services, die beim Aufbau einer nahtlosen Architektur helfen, die Core, Edge und Cloud zusammenfügt?
  • Lässt sich mittels eines einzigen Dashboards sowohl die lokale als auch die Public-Cloud-Infrastruktur bereitzustellen und überwachen?
  • Können mittels eines einzigen Dashboards mehrere und geografisch verteilte HCI-Systeme überwacht, aktualisiert und gewartet werden?
  • Verfügt das System über Selbstheilungsfähigkeiten?
  • Wie viel richtlinienbasierte Automatisierung lässt das System zu?
  • Können Sie APIs verwenden, um das System mit Ihren vorhandenen Tools zu integrieren, die für die Orchestrierung, Überwachung und Verwaltung verwendet werden?

„Mit anderen Worten: Suchen Sie nach einer Benutzererfahrung, bei der die physische Infrastruktur und der Cloud-Service genau gleich angezeigt werden. Ressourcen und Dienste sollten einfach über eine einfache Verwaltungsschnittstelle skaliert oder reduziert werden“, so Mearian.

Fazit

Die Ergebnisse der TCO-Analyse und Überlegungen zu den Fähigkeiten und Möglichkeiten einer modernen Hyperconverged-Infrastruktur von Cloudflight Research lassen sich einfach zusammenfassen: Hyperkonvergente Infrastrukturen wie die Nutanix Enterprise Cloud sind eine gangbare und vernünftige Alternative zur klassischen Rechenzentrums- und IT-Architekturen nach dem 3-Schichten-Prinzip. Sie eignen sich nicht nur als Konsolidierungsplattform für bestehende Rechenzentren, sondern aufgrund ihrer hohen Effizienz und Skalierbarkeit auch und insbesondere für digitale Workloads.

Hyperkonvergente Infrastruktur bietet effizientes Datenmanagement durch die Kombination von verteilten Dateisystemen und verwandten Technologien. Klassische und gleichzeitig komplexere NAS/SAN-Strukturen werden nicht mehr benötigt, was die Verwaltung erleichtert und sich positiv auf die Gesamtkosten (TCO) auswirkt.

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Dr. Dietmar Müller

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Journalist