Das Oracle-Credo: Hardware, Middleware und Applikationen aus einer Hand

Der Trend zu vollständig integrierten Lösungen vom Hersteller

| Redakteur: Wilfried Platten

Oracle Exalytics: die In-Memory-Maschine auf Basis des Sun Fire Servers.
Oracle Exalytics: die In-Memory-Maschine auf Basis des Sun Fire Servers. (Bild: Oracle)

Helene Lengler, Vice President Sales Fusion Middleware bei Oracle, gibt ein Interview zu den Cloud-Angeboten, dem Trend zum Komplettanbieter und dem Hype um In-Memory-Datenbanken.

Wie sieht die Differenzierung Ihres Cloud-Angebots hinsichtlich IaaS und PaaS aus?

Helene Lengler: Wir lehnen uns hier an die klassischen Cloud-Definitionen des NIST (National Institute of Standards and Technology) an. Infrastructure-as-a-Service umfasst demnach die hardware- und betriebssystemnahen Lösungen und Services.

Das heißt: Wir stellen dem jeweiligen Kunden die Infrastruktur hinter seine Firewall, die er dann per monatlichem Bezahlverfahren auf Basis verschiedener Abrechnungsmodelle nutzen kann. Platform-as-a-Service (PaaS) ist dann der nächste Schritt, beispielsweise die Nutzung eines Datenbank- oder Java-Service aus der Oracle-Cloud.

Anders gesagt, in der Regel sprechen wir bei IaaS über eine Private Cloud, bei PaaS über Public Cloud. Natürlich haben wir die Möglichkeit, PaaS auf Wunsch auch in die Private Cloud zu integrieren.

Oracle selbst bezeichnet den schon einige Zeit zurückliegenden Zukauf von Sun als „industry-transforming“. Worin liegt das umstürzlerische Potential dieser Akquisition?

Helene Lengler: Für uns ist die Tatsache entscheidend, dass ein Software-Hersteller den Wert verstanden hat, Hard- und Software nicht nur aus einer Hand vertreiben zu können, sondern seine Entwicklung auf die optimale Kombination hin abzustimmen. Die "Exa"-Famile mit "Exadata" und "Exalogic" ist das beste Beispiel dafür.

Und wir sehen ja, dass die Kollegen in der IT-Branche nachziehen, allerdings nicht in der Stringenz, wie Oracle das tut. Wir sind der einzige Anbieter von durchgetesteten, vollintegrierten Lösungen, von der Hardware über die Middleware bis zur Applikation. Und die werden immer wichtiger, denn sie erleichtern komplexe IT-Projekte enorm.

Sie reduzieren die Kosten und den Zeitbedarf in der Evaluations- und Integrationsphase und erleichtern enorm die Verwaltung über die Laufzeit. Damit verschieben wir den Best-of-breed-Ansatz von den Integratoren zum Hersteller. Das lässt mehr Raum für Innovationen. Der Trend geht aus unserer Sicht absolut in diese Richtung.

Oracle ist mit Datenbanken groß, reich und berühmt geworden. Da muss es Sie doch wurmen, dass aktuell alle Welt über In-Memory-Datenbanken im Allgemeinen, und SAP HANA im Besonderen spricht – aber niemand über Oracle.

Helene Lengler: Es geht auf der Kundenseite doch um das Thema: Wie baue ich eine hochperformante IT-Umgebungen für Big Data und Business Intelligence zum Sammeln und zur Analyse strukturierter und unstrukturierter Daten auf? Das Tier Leveling, bei dem die Daten je nach Wichtigkeit klassifiziert und entsprechend auf RAM, Flash oder Festplatte gespeichert, oder auch im Backup oder Archiv abgelegt werden, ist dabei die deutlich interessantere Frage.

Und bei deren Beantwortung fühlen sich unsere Kunden bei uns sehr gut aufgehoben. Gerade bei großen Installationen haben sie weniger ein Problem mit In-Memory, als vielmehr mit dem Information Lifecycle Management. In-Memory ist aus unserer Sicht nur eine Lösung, im Rahmen des Tier Levelings eine performante Infrastruktur aufzubauen.

Die aktuelle Diskussion ist also verkürzt. Bei Kunden geht es um eine ganzheitliche Architektur, die ihre Probleme löst. Und nicht wenige haben sich In-Memory angeschaut, und sind anschließend enttäuscht wieder zurückgekehrt, etwa wegen der immanenten Größenrestriktionen.

Mitte der 90er Jahre war die Datenbank das wichtigste strategische Element einer IT-Architektur. Erleben wir mit der hitzigen Diskussion über Cloud, Big Data und In-Memory eine Renaissance der Datenbanken als Strategiethema?

Helene Lengler: Man sagt ja gerne: Die Anwender stimmen mit den Füßen ab. IDC und Gartner sagen uns, dass rund 70 Prozent aller SAP-Installationen sowohl auf der OLTP-Seite, als auch im Warehousing-Bereich immer noch auf einer Oracle-Datenbank laufen. Es ist also dich nicht so ganz egal, welche Datenbank die Informationen speichert.

Helene Lengler, Vice President Sales Fusion Middleware bei Oracle Deutschland
Helene Lengler, Vice President Sales Fusion Middleware bei Oracle Deutschland (Bild: Oracle)

Dabei sprechen wir ja über mehr, als eine reine Datenhaltung. Dazu kommen ja typischerweise noch viele Elemente wie Backup und Recovery, Desaster Recovery, Hochverfügbarkeit oder die analytischen Aspekte. Das ist alles andere als Commodity. Und das fulminante Wachstum an strukturierten und unstrukturierten Daten gibt den im Kontext der Datenverwaltung Datenbanken eine neue Wichtigkeit.

Macht sich Oracle Gedanken über eine eigene Datenbank für unstrukturierte Daten als Alternative zu Hadoop?

Helene Lengler: Mir sind derzeit keine Pläne dazu bekannt. Wir haben Hadoop in unserem Portfolio, weil wir offene Standards unterstützen.

Die Lokalisierung von Anwendungen scheint für Oracle-User derzeit ein kritisches Thema zu sein.

Helene Lengler: Es ist sichergestellt, dass die Anwendungen im SaaS-Umfeld sprachlich lokalisiert werden. Diskutabel ist hingegen der Umfang der lokalen inhaltlichen Anpassungen in den Applikationen selber, also etwa Fragen des Steuerrechts in Finanz-Anwendungen oder Abrechnungselemente im HR-Umfeld.

Das kann man per Standard-Modulen lösen, oder über Partnerlösungen als Basis eines Regelwerkes. Wir präferieren Letzteres.

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