Säen, Wurzeln, Wachsen, Ernten Der – nicht immer einfache – Weg in die Cloud-Ära

Autor / Redakteur: Ann Thueland* / Elke Witmer-Goßner

Der erste Schritt bei der Cloud-Nutzung dreht sich nicht um Technologie. Es geht um Menschen. Während sich Cloud-Diskussionen häufig auf die Infrastruktur konzentrieren, erfordert der Übergang zur Cloud-Nutzung jedoch eine neue Denkweise.

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Die Entscheidung für eine Cloud erfordert vom Plan über die Ausführung bis zum Abschluss des Projekts viel Geduld, Pflege und reichlich Motivation.
Die Entscheidung für eine Cloud erfordert vom Plan über die Ausführung bis zum Abschluss des Projekts viel Geduld, Pflege und reichlich Motivation.
(Bild: Rido, Fotolia)

Mitarbeiter werden hierfür eine Bereitschaft entwickeln müssen und lernen sich von bestehenden Denkmustern zu lösen. Doch auch das Management muss sich der neuen Struktur annähern. Letztlich müssen alle Ebenen des Unternehmens an einem Strang ziehen. Dabei wird nicht alles auf einmal passieren. Pilotprojekte tragen unter Umständen wesentlich dazu bei, dass sich in den Köpfen tatsächlich etwas ändert, indem Ergebnisse sichtbar werden, die das Unternehmen voranbringen.

Erfolgreiche Cloud-Vorauskommandos sind eine Mischung aus Menschen mit Technik- und Entwicklungskompetenz, die bereit sind, Normen zu ändern. Sie besitzen sowohl Erfahrung als auch Vorstellungskraft. Die Wahl der richtigen Cloud-Technologie hat zunächst weniger Bedeutung, als die richtigen internen Befürworter zu gewinnen.

Die Cloud-Option wird oft als einfach dargestellt und in einigen Fällen kann es auch sein, dass eine einfache Lösung reicht. Für wichtige Anwendungsfälle die perfekte Nutzungsart der Cloud zu finden, sorgt bei Unternehmen jedoch für viele Fragen, auf die sie wenige konkrete Antworten erhalten.

Die wichtigen Fragen

Während des eCloud Summit von Actifio, spezialisiert auf Copy-Data-Virtualisierung, war der häufigste Rat der Experten, das Cloud-Projekt mit „Welche“-Fragen zu starten: Welche Anwendungen sind am besten geeignet, um sie in die Cloud zu verlagern oder sie in der Cloud zu erstellen? Welche Service Provider können dabei am besten helfen? Welche qualifizierten Ressourcen stehen bereits (wenn überhaupt) im eigenen Haus zur Verfügung? Und schließlich, eine wichtige Frage: Welche Prozesse müssen verändert werden, um das Cloud-Potenzial besser nutzen zu können?

Die Erwartungen müssen in die richtigen Bahnen gelenkt werden. Cloud Computing liefert ein großes Versprechen, Visionen von Wettbewerbsvorteilen und Einsparungen, doch all dies muss mit der Realität in Einklang gebracht werden. Und die Cloud ist kein Allheilmittel. Erfolgreiche Cloud-Integration in den bestehenden IT-Betrieb ist eine technische Herausforderung, die realistische Erwartungen zusammen mit sorgfältiger Planung, Zeit und Kompetenz erfordert.

Ann Thueland, Actifio.
Ann Thueland, Actifio.
(Bild: Actifio)
Die Cloud hat das Potenzial, traditionelle IT-Denkweisen und Strukturen zu verändern, aber es ist Zeit notwendig, um die Cloud organisatorisch als echte Gelegenheit für den Wandel erfolgreich zu etablieren.

Unternehmen werden Leute mit Erfahrung und Urteilsvermögen benötigen, um die richtigen Entscheidungen zu treffen, einen Cloud-Service-Provider auszuwählen, Serviceangebote, Servicequalität, Flexibilität, Stabilität, Sicherheit und Kundenbetreuung zu bewerten: Was sind die Kostenvorteile und Zielkonflikte? Wie sieht das effektivste Design für die technischen Umstellungen aus? Wer kann die Planung und Ausführung bewältigen? Und wenn die Cloud-Nutzung nicht den Erwartungen gerecht wird: Wie sieht ein potenzieller Rückzugsplan aus? Gibt es Ausstiegoptionen?

Für viele Unternehmen ist die Verlagerung weg von Kosten, Betrieb und der Verwaltung traditioneller Infrastruktur eine primäre Motivation für den Wechsel zur Cloud. Die technische Herausforderung besteht darin, den Übergang vorausschauend zu managen und ein breites Servicespektrum von internen und externen Ressourcen zu berücksichtigen.

Das beginnt mit einem soliden Change Management Plan für alle beteiligten Personen. Etablierte Unternehmen haben gut definierte Prozesse, um ihre Geschäfts- und IT-Ziele zu erreichen. Aber die Cloud ist eine Herausforderung für bestehende Systeme und althergebrachte Herangehensweisen „wie wir es immer getan haben“. Das macht die Übergangsphase schwierig. Jede Veränderung ist schwer zu vermitteln.

„Bei der Wahl, die Denkweise zu ändern oder zu beweisen, dass es dafür keine Notwendigkeit gibt, entscheidet sich fast jeder für die zweite Variante“, so John Kenneth Galbraith von American Economist. Neu gegründete Unternehmen haben in diesem Zusammenhang einen Vorteil, sie haben keine traditionellen Systeme im Einsatz und keine bestehenden Geschäftsprozesse oder eine Belegschaft, die es zu transformieren gilt. Sie können sich auf ein kleines engagiertes Personal beschränken, um ein exponentielles Wachstum von Anfang an mit cloud-basierter IT zu bewältigen. Sie können dies tun, weil die Cloud bereits da war, als sie starteten.

„Wie viel Cloud, wann und zu welchem Zweck und Vorteil?“

Für die meisten Unternehmen ist die Frage nicht „Cloud oder nicht Cloud“. Die Frage lautet eher: „Wie viel Cloud, wann und zu welchem Zweck und Vorteil?“ Um die Denkweise der Mitarbeiter zu ändern, sind interne Kommunikation und Proof-of-Concept-Projekte hilfreich, um eine Akzeptanz für die Veränderung zu erreichen. Der Nutzen muss klar sein.

Ann Thueland, Actifio.
Ann Thueland, Actifio.
(Bild: Actifio)
Es sollte nicht darum gehen, Altsysteme um jeden Preis in die Cloud zu verlagern, sondern den Blick auf Innovationen zu richten, die risikolos umgesetzt und effektiv eingesetzt werden können, wie etwa die längst überfällige Virtualisierung von Datenkopien als Voraussetzung für die Cloud. Beide Konzepte sind noch relativ neu, haben aufgrund der immer knapper werdenden IT-Budgets ein riesiges Marktpotenzial und befruchten sich gegenseitig. Es muss nicht gleich eine komplette Expedition in die Cloud sein. Es gibt auch einfach zu begehende Pfade, um zukunftsorientierte Geschäfts- und IT-Ziele einzuleiten.* Die Autorin Ann Thueland ist Director Marketing EMEA bei Actifio.

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