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Kommentar von Andreas Zilch, zu den dramatischen, aber eigentlich leicht erklärbaren HP-Ankündigungen

Der Drahtseilakt von Léo Apotheker

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Der Vergleich mit IBM hinkt – IBM war nie so stark wie HP in diesem Segment und erreichte mit dem Lenovo Deal auch den wichtigen Eintritt ins Servicegeschäft in China. In dieser Form ein nicht nachvollziehbarer Schritt von HP.

4. Akquisition der Autonomy Corp.

HP beabsichtigt die Übernahme von Autonomy für ca. 10 Mrd. US-Dollar. Die (sehr schnell wachsenden und sehr profitablen) Umsätze von Autonomie betragen ca. 1 Mrd. US-Dollar pro Jahr, der Börsenwert vor der Bekanntgabe des HP Interesses ca. 5 Mrd. US-Dollar.

Autonomy ist sicher kein schlechtes Unternehmen, bringt HP aber kaum weiter und Enterprise Search ist aktuell auch nicht unbedingt das Hype-Thema am Markt. Im Rahmen der SW-Strategie nachvollziehbar, aber deutlich zu teuer.

Katastrophale Kommunikation

Kann man die vorgehenden Ankündigungen noch in gewisser Weise nachvollziehen, so muss man die Kommunikation von HP / Apotheker als absolute Katastrophe bezeichnen. Vor 5 Monaten wurde WebOS als Baustein der Zukunftsstrategie ausgelobt, jetzt ohne jede Vorwarnung abgekündigt.

Noch schlimmer ist die Disposition der PC-Sparte mit einem Volumen von immerhin 30 Mrd. US-Dollar. Wenn man diese verkaufen möchte, dann kündigt man das nicht in der Öffentlichkeit an, verunsichert Kunden und Partner, und reduziert den Marktwert damit um mehrere Mrd. Dollar. Dass HP es wesentlich besser kann, hat das Unternehmen zum Beispiel bei der EDS-Übernahme gezeigt.

Insgesamt kann man diese Ankündigungen zwar als konsequent bezeichnen, keineswegs aber als intelligent. Die Akquisition von Autonomy brächte HP kaum voran und wäre viel zu teuer, der Verkauf des PC Geschäftes würde HP 1/3 des Gesamtumsatzes kosten und auch bei den Mitarbeitern zu massiven Protesten führen.

Die falsche Führungsspitze?

Die Anwender und Partner fragen uns nach der tatsächlichen strategischen Ausrichtung von HP und damit den Konsequenzen für die Geschäftsbeziehung und den sich daraus ergebenden eigenen Maßnahmen.

Die Kernfrage ist dabei „Sollen wir überhaupt noch HP PCs und Notebooks kaufen/verkaufen oder müssen wir uns kurzfristig umorientieren?“

Die Antwort der Experton Group mag überraschen: „Warten Sie die nächsten 3 bis 6 Monate ab und verfolgen Sie die Entwicklung bei HP genau. Geben Sie als Kunde HP auch ein offizielles Feedback, was Sie von dieser Strategie halten.“

Diese Ankündigungen passen in vielfältiger Hinsicht nicht zur Unternehmensstrategie und Business-Ethik von HP und werden daher sicher noch einer intensiven internen Diskussion und Entscheidungsfindung unterworfen.

Es ist dabei auch zu wünschen, dass sich HP auf seine technologische Innovationskraft besinnt und diese auch für Clients und Tablets einsetzt. Wir sehen eine große Chance, dass wesentliche Teile der Ankündigung nicht in der derzeit diskutierten Form realisiert oder sogar zurückgenommen werden.

Dies wäre gut für HP, die Kunden und Partner – würde aber sicher zu Veränderungen an der Unternehmensspitze führen.

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