Virtualisierung, Automatisierung, Standardisierung und die Cloud - eine Bestandsaufnahme

Der CIO auf dem Weg zum Service Broker

| Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Florian Karlstetter

In vollem Gange: Die Transformation des CIOs

Auch andere "Aktivisten" der IT-Szene teilen diese Meinung. Peter Wüst, Director Strategic Pathways bei NetApp Deutschland, ist ganz nah dran an den IT-Entscheidern. Er berichtet: "Die Transformation des CIOs in die erweiterte Rolle des Service Brokers ist auch in Deutschland in vollem Gange. Viele CIOs nehmen die neue Herausforderung an, neben der selbst produzierten IT auch standardisierte externe IT Services in den eigenen Servicekatalog aufzunehmen."

Am Ende helfe diese Vorgehensweise schneller agieren zu können und das eigene Team auf hochwertige Services zu konzentrieren, die eng an der Wertschöpfung des eigenen Unternehmens hängen. Ein Beispiel seien die Malteser, die die IT durch eine "clevere Kombination" einer private Cloud mit NetApp und Public Cloud-Elementen von Microsoft Azure in die Lage versetzt, mit über einer Million freiwilliger Helfer in Kontakt zu bleiben.

Fazit

Der CIO hat's nicht leicht, tatsächlich befindet sich sein Rollenverständnis im Wandel. Er soll einerseits die vielbeschworene Agilität erhöhen, andererseits die Kosten reduzieren und schließlich neue Techniken ermöglichen. Und bitte die bestehende Infrastruktur behalten und bewahren, dafür wenden viele Unternehmen locker 70 Prozent ihres Budgets auf. Es bleiben also gerade mal 30 Prozent, um Prozesse zu verbessern, die Infrastruktur zu transformieren und Innovationen einzuführen. Das kann nur mittels Virtualisierung, Automatisierung, Standardisierung und schließlich Cloud Computing umgesetzt werden.

Diese Trends lassen dem CIO gar keine andere Chance, als zum "strategischen Service Manager" zu mutieren, der den Fachanwendern genau die Dienste liefert, die sie zur Bewältigung Ihrer Aufgaben benötigen. Dafür braucht es selbstverständlich eine funktionierende Abstimmung zwischen der IT und den Fachabteilungen. Gemeinsam können passende Services identifiziert, geordert und eingerichtet werden. Dabei hat der CIO in der Regel drei verschiedene Optionen:

  • 1. Der Service kann durch Legacy-Anwendungen bereitgestellt werden. Oft kommen dabei allerdings Web Services zum Einsatz, die die traditionelle Umgebung vom Nutzer abschotten.
  • 2. Der Service kann durch Applikationen bereitgestellt werden, die in einer privaten Cloud vorgehalten werden. Dies scheint der aktuell meistbeschrittene Weg zu sein.
  • 3. Der Service könnte durch einen Cloud Service Provider (z.B. einen SaaS-Provider) angeboten werden.

Für den CIO ergeben sich daraus durchaus auch Vorteile:

  • Er kann in einer Cloud-Umgebung schalten und walten wie er will, gleichzeitig fallen die Kosten, etwa für das Managen von Infrastruktur und Applikationen.
  • Durch die Reduzierung der Kosten steht mehr Budget für andere heiße Eisen zur Verfügung.
  • Die Fachabteilungen können sich ihre Services selber aussuchen und sie schnellstmöglich einsetzen. Dadurch wird die Kommunikation zwischen Business und IT in der Regel viel erfreulicher.
  • Durch die Kombination interner und externer Quellen (etwa in einer hybriden Cloud) kann die Firma sich auf die Entwicklung ganz eigener Dienste konzentrieren, die sie von den Wettbewerbern abhebt. Dienste, die dagegen alle anderen auch nutzen, können aus der Cloud bezogen werden.

"Die Fachbereiche fordern immer eindringlicher, dass ihre Anforderungen kurzfristig erfüllt und Geschäftsprozesse durch die Verknüpfung der hybriden IT-Umgebung schneller gestaltet werden können. Damit wächst auch der Druck auf die IT, ihre Rolle grundlegend zu überdenken und zu verändern", erklärt Matthias Kraus von IDC. "Um die richtigen Services anzubieten und mit dem passenden IT-Sourcing-Modell umzusetzen, ist die enge Zusammenarbeit der IT-Abteilung mit den Geschäftsbereichen erforderlich."

"Ja, der CIO wird sich immer mehr in Richtung Service-Broker entwickeln", bestätigt auch Bernd Hilgenberg, lange Jahre als CIO bei Fressnapf und anschließend als Berater für CIOs tätig. Heute ist er Vorstand für Entwicklung und Technik bei der SHD AG. "Diese Entwicklung wird aus zwei Bereichen getrieben: Zum einen werden auf dem Markt immer mehr neue Services angeboten. Durch die stetig wachsende Geschwindigkeit in der sich der Markt verändert, ist der CIO gezwungen diese Services schnell und möglichst gut integriert in seine Systemlandschaft einzubinden. Dies schafft die Situation, dass immer mehr Fremdprodukte durch den CIO gemanagt werden müssen."

Dem aber nicht genug. Hilgenberg erklärt weiter, dass der CIO zum anderen die Aufgabe habe, seine eigenen Systeme mehr und mehr zu modularisieren. Ehemals monolithische Systemlandschaften würden nicht mehr nur durch neue Services erweitert. Auch bestehende Teilfunktionen werden nun laut dem erfahrenen IT-Entscheider immer häufiger durch Services ersetzt. Aus diesem Grunde müsse auch die innere Struktur der internen Systeme auf diesen Trend vorbereitet werden. Damit sei der CIO der Zukunft nicht nur ein Service-Broker, sondern selbst auch Anbieter von Services, "damit sich andere Systeme dieser Services bedienen können, um die gesamte IT-Landschaft mit erweiterten Funktionen zu versehen."

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