Virtualisierung, Automatisierung, Standardisierung und die Cloud - eine Bestandsaufnahme

Der CIO auf dem Weg zum Service Broker

| Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Florian Karlstetter

Rollenverständnis im Wandel: Durch zunehmende Virtualisierung, Automatisierung, Standardisierung und der Cloud ändert sich auch das Aufgabengebiet des CIOs.
Rollenverständnis im Wandel: Durch zunehmende Virtualisierung, Automatisierung, Standardisierung und der Cloud ändert sich auch das Aufgabengebiet des CIOs. (© andrewgenn - Fotolia.com)

Vor zwei, drei Jahren machte das Schlagwort des Service-Brokers die Runde. Zu solch einem Wesen soll nämlich der CIO 2.0 mutieren. Statt um die Wartung einer möglicherweise schon Jahrzehntelang bestehenden IT-Infrastruktur kümmert sich dieser um die Wünsche der Fachabteilungen – dank Services aus der Cloud (und von der Stange) ja eigentlich kein Problem.

Zeit für eine Bestandsaufnahme: Ist der CIO wirklich zum Service-Broker geworden? Ist er wenigstens auf dem Weg dahin? Oder handelt es sich um eine Marketingfloskel der Cloud-Anbieter, der die Realität einfach nicht folgen möchte? Dabei gilt es zu bedenken, dass viele der Unternehmen heutzutage immer noch wenigstens 70 Prozent ihres Budgets dafür aufwenden, die Umgebung einfach nur am Laufen zu halten. Es bleiben ihnen gerade mal 30 Prozent, um Prozesse zu verbessern, die Infrastruktur zu transformieren und Innovationen einzuführen. Das wird sich so schnell nicht ändern.

Oder doch? Virtualisierung, Automatisierung, Standardisierung und schließlich die Cloud sollen dabei helfen, neue Services binnen Tagen einführen zu können, Informationen in Sekundenschnelle zu finden, Entscheidungen schnell zu fällen und Prozesse umgehend umzusetzen. Das Vorhaben wird aber erschwert durch andere neue Techniken und Verfahren, die im Unternehmen Einzug halten, wie etwa Mobile beziehungsweise Bring your own Device (BYOD), Social Media und Collaboration.

IDC hat sich unter genau diesen Gesichtspunkten das "IT Service Management in Deutschland 2014" angesehen. Ziel der im März 2014 durchgeführten Befragung war es, neben einer generellen Bestandsaufnahme des ITSM-Marktes aufzuzeigen, welche Herausforderungen und Chancen auf den CIO durch Cloud Computing (und Enterprise Mobility) entstehen. Befragt wurden 170 IT-Verantwortliche aus Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern in Deutschland.

Verändertes Aufgabenspektrum

Das Fazit davon: Für IT-Organisation bedeutet die stärkere Nutzung von Cloud Services ein verändertes Aufgabenspektrum. Ihr kommt zunehmend die Rolle eines Vermittlers und Managers von IT-Services (also eines "IT Service Brokers") zu, der Fachbereiche mit intern erbrachten als auch extern bezogenen Dienstleistungen versorgt. "Dies wird in den kommenden Jahren für viele IT-Organisationen ein Paradigmenwechsel darstellen", so Mark Alexander Schulte, Consultant und Projektleiter bei IDC, "denn der Tätigkeitsschwerpunkt wird sich in Richtung Vermittlung von IT-Services verschieben."

Wie Cloud und Mobility das IT Service Management verändern

IDC-Studie "IT Service Management in Deutschland 2014"

Wie Cloud und Mobility das IT Service Management verändern

19.05.14 - IDC hat die Studie "IT Service Management in Deutschland 2014" vorgestellt, in der die Auswirkungen von Cloud Computing und Enterprise Mobility auf das IT Service Management untersucht wurden. Ein Ergebnis: Bedingt durch die steigende Komplexität bei der Überwachung und Steuerung der IT ziehen immer mehr Unternehmen die Nutzung eines Cloud-basierten ITSM-Tools in Erwägung. lesen

Cloud Computing, so zeigen es diese und andere IDC-Studien seit mehreren Jahren, wird bei vielen Unternehmen einen festen Bestandteil in der IT-Landschaft einnehmen. Die aktuellen Befragungsergebnisse verdeutlichen, dass die Entwicklung hin zu einer hybriden IT-Umgebung geht, die sich aus intern erbrachten und extern bezogenen Services zusammensetzt. "Mit der zunehmenden Verbreitung von externen Hosted und Public Cloud Services entsteht ein Mix aus eigener IT-Umgebung und Cloud Services. Die IDC-Ergebnisse zeigen, dass der Bedarf, diese heterogene IT-Landschaft miteinander zu verknüpfen, stark ansteigt", erläutert Matthias Kraus, Research Analyst bei IDC, gegenüber CloudComputing-Insider.de. "Für IT-Abteilungen bedeutet die stärkere Nutzung von Cloud Services und der Aufbau von hybriden Cloud-Umgebungen ein verändertes Aufgabenspektrum. Der IT-Leiter und sein Team werden zunehmend zum Broker von IT-Services. Das Ziel ist es, viel agiler die Anforderungen und Geschäftsprozesse der Fachbereiche zu unterstützen."

Vorteile der Entwicklung: Kosteneinsparung und mehr Flexibilität

Die Einsparung von Kosten und ein flexibleres Reagieren auf Business-Anforderungen sind Vorteile, die diese Entwicklung treiben. Das IT Service Management muss nun sicherstellen, dass Anwender verlässliche und qualitativ hochwertige IT-Dienste erhalten, egal woher diese stammen. Die IT-Abteilung rückt somit stärker in die Rolle eines Vermittlers von IT-Services.

"Der CIO ist in meinem Verständnis der 'Hüter der Prozesse', die die Fachabteilungen nutzen. Er hat sie mit seinem Team entworfen, strukturiert und erschaffen und ist folglich auch der Verantwortliche. Das erfordert ein Maximum an Flexibilität, denn es gilt, der Fachabteilung den Prozess so schmackhaft zu machen, als wäre es der eigene", beschreibt es Andreas Reuter, der bis Ende September CIO bei Senator GmbH & Co KG war. Er hält aktuell Ausschau nach einem neuen Wirkungsbereich im Vorstand.

Er erläutert weiter: "Die Cloud ist aktuell eine Zwischenlösung, die schnell und stabil Standards abbilden kann, Skalierungen abfängt und quantitative Flexibilität ermöglicht. Die Kunst des CIOs besteht zukünftig entsprechend darin, die Prozesse nach Standard und Spezial zu sondieren, um die korrekten Lösungen zu erzeugen und er rückt damit noch tiefer in den Fokus der Prozessverantwortung."

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