Studie von Exasol und Sapio Research

Datenintensive Anwendungen gehören in die Cloud

| Autor / Redakteur: Mathias Golombek* / Elke Witmer-Goßner

Workloads mit großen Datenmengen eigenen sich am besten für den Cloud-Betrieb.
Workloads mit großen Datenmengen eigenen sich am besten für den Cloud-Betrieb. (Bild: © AnnaReinert - stock.adobe.com)

94 Prozent der verantwortlichen Entscheider halten Cloud-Deployment-Modelle für sinnvoll, wenn es darum geht, Workloads abzuarbeiten und größtmöglichen Nutzen aus Daten zu ziehen. Das ist jedenfalls das Ergebnis einer Studie von Sapio Research und Exasol zum Thema.

Die Cloud ist allgegenwärtig und zumindest laut Medienberichten im operativen Alltag der meisten Unternehmen angekommen. Die Analysten von Sapio Research und die Spezialisten des In-Memory-Datenbank-Anbieters Exasol wollten es genauer wissen und fragten nach. Im Rahmen ihrer gemeinsamen Studie mit dem Titel „Datenstrategie und Unternehmenskultur: Voraussetzungen auf dem Weg zur Cloud“ wurden je über 500 Entscheider in Deutschland, Großbritannien, den USA und China zu ihren Erwartungen und ihren Erfahrungen befragt. Die Antworten zeigen: Cloud-Strukturen sind eine Selbstverständlichkeit geworden, die hohen Erwartungen werden zumindest teilweise erfüllt und die möglichen Kosteneinsparungen sind keineswegs das Hauptargument für die Cloud.

Die Cloud im Einsatz: der Stand der Dinge

Die über 2.000 Befragten sind mehrheitlich Cloud-Nutzer: Insgesamt gaben 40 Prozent an, ein Hybrid-Cloud-Modell zu nutzen, 42 Prozent greifen auf mindestens einen Public-Cloud-Service zurück. 15 Prozent haben eine Private Cloud implementiert und nur 2 Prozent schwören auf „On-Premises only“. Die deutschen Unternehmen liegen im globalen Mittel, die Antworten hierzulande unterschieden sich nur minimal: 39 Prozent Hybrid Cloud, 44 Prozent Public Cloud, 14 Prozent Private Cloud. Interessant dabei ist, dass größere Unternehmen deutlich häufiger beispielsweise hybride Infrastrukturen nutzen. So setzen nur 26 Prozent der Unternehmen mit weniger als 500 Mitarbeitern auf eine Hybrid Cloud, aber fast die Hälfte aller befragten Unternehmen mit mehr als tausend Mitarbeitern. Fast zwei Drittel der Public Cloud User vertrauen nur einem Service Provider, ein Drittel greift auf die Angebote mehrerer Provider zurück.

Bestimmte Branchen-Spezifikationen spielten in der Studie übrigens nur eine untergeordnete Rolle. Die befragten Unternehmen kamen aus verschiedenen Bereichen, von Retail und E-Commerce über Financial Services und Healthcare bis hin zu Technology. Die Bedeutung von Daten für heutiges und künftiges Business war allen Beteiligten bewusst: 97 Prozent gaben an, bereits eine Daten-Strategie definiert zu haben. In den meisten Unternehmen wird diese auch vom Management Board unterstützt und getrieben.

Die Erwartungen an die Cloud

Obwohl die Cloud offenbar bereits weit verbreitet genutzt wird, lassen die Umfrage-Ergebnisse den Schluss zu, dass die Unternehmen ihr Potenzial noch nicht ausschöpfen. Denn 84 Prozent der deutschen Entscheider stellten fest, dass es ihre derzeitige Infrastruktur erschwere, Daten zur Verfügung zu stellen und zu nutzen. Die Gründe dafür sind vielfältig: Zu viele neue Datenquellen müssen integriert werden und die Skalierbarkeit für die wachsenden Datenmengen sicherzustellen, sei schwierig. Veraltete Infrastrukturen, ein Mangel an Agilität, zu wenig Budget, Performance-Limitierungen und schlechte Daten-Qualität wurden ebenfalls häufig als Hemmnisse genannt. Doch nicht nur infrastrukturelle oder organisatorische Gründe sorgen für Kopfzerbrechen: Immerhin 18 Prozent der Befragten gaben an, dass es in ihrem Unternehmen generelle Vorbehalte gegen Veränderungen gäbe. 17 Prozent sehen die mangelnde Kompetenz in den Bereichen Datenerfassung und -analyse als Problem.

94 Prozent aller Befragten sehen die Cloud als wichtigen Teil der Lösung an. Sie erhoffen sich vor allem mehr Agilität, um künftigen Herausforderungen besser gewachsen zu sein (38 Prozent). Je 36 Prozent ist es besonders wichtig, mehr Geschwindigkeit in die eigenen Anwendungen und Services zu bringen und dafür eine entsprechende Performance sicherstellen zu können. Fast ebenso viele Befragte wollen ihre Kosten besser in den Griff bekommen und weitere 30 Prozent zählen auf die Skalierbarkeit der Cloud.

Durchweg positive Erfahrungen

Da die meisten bereits Cloud-Services in verschiedenen Ausprägungen nutzen, stellt sich eine interessante Frage: Kann die Cloud den Erwartungen gerecht werden und die genannten Herausforderungen meistern helfen? Gut zwei Drittel konnten einen positiven Effekt feststellen (bei den Hybrid-Cloud-Usern waren es sogar 78 Prozent): So bescheinigten knapp die Hälfte der Teilnehmer der Cloud, den Zugang zu den Daten zu erleichtern (bei Unternehmen mit mehr als 250 und weniger als 500 Mitarbeitern taten dies sogar 62 Prozent). Auch die gewünschte Agilität verbesserte sich durch die Cloud für immerhin 45 Prozent. 41 Prozent freuen sich dank Cloud über kürzere Antwortzeiten bei Abfragen. Jeweils gut ein Drittel der Nutzer kann nun häufiger und unkomplizierter auch komplexe Datenanalysen durchführen, schneller neue Daten-Anwendungen entwickeln und die Daten deutlich mehr Nutzern zur Verfügung stellen.

28 Prozent berichten von Kosteneinsparungen. Bedenkt man, dass Kosteneinsparungen auf der Wunschliste keineswegs ganz oben standen, kann dies als akzeptables Ergebnis angesehen werden. Es zeigt zugleich, dass auf dem Weg der digitalen Transformation hin zu immer mehr datengetriebenen Prozessen nicht nur die Kosten über die Wahl der Infrastruktur entscheiden sollten und dies in vielen Unternehmen auch nicht mehr der Fall ist.

Workloads für die Cloud

Es geht vor allem um Workloads, bei denen große Mengen an Daten anfallen und verarbeitet werden. Data-Warehouse-, Business-Intelligence und Reporting-Lösungen lassen sich laut der Umfrage von Sapio Research und Exasol am besten in die Cloud verlagern – jeweils über 40 Prozent der befragten Entscheider sehen das so. Disziplinen wie Predictive Analytics und Data Science sind demnach ebenfalls gut in der Cloud aufgehoben. Die benötigte Skalierbarkeit und die notwendige Performance dürften die Hauptgründe dafür sein.

Mathias Golombek, Exasol AG.
Mathias Golombek, Exasol AG. (Bild: Exasol)

Nicht für jeden Workload ist die Cloud der optimale Ort für die Speicherung und Verarbeitung – es gibt keine allgemeingültige Deployment-Strategie. Letztendlich soll die Infrastruktur jedem Mitarbeiter eines Unternehmens möglichst in Echtzeit den Zugriff auf die Daten und Analysen gewähren, die er benötigt. Kosteneinsparungen sind dabei nicht das Hauptargument. Denn gerade wenn die Datenmengen wachsen, haben auch Cloud-Strukturen ihren Preis. Was viel wichtiger ist, ist die Agilität, die die Cloud den Unternehmen bringt. Diese spiegelt sich in der schnelleren Bereitstellung von Services wider – ein strategisch wichtiger Wettbewerbsfaktor.

* Der Autor Mathias Golombek ist Chief Technology Officer der Exasol AG.

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