Aktuelle Trends im Finanzwesen Das sollten Finanzdienste 2021 bei der Cloud beachten

Autor / Redakteur: Rahul Singh* / Elke Witmer-Goßner

Finanzdienstleister müssen dieses Jahr bei der Cloud-Nutzung ihre Prioritäten neu setzen – weit über Skalierbarkeit und Kosteneffizienz hinaus. Zu den neuen Bereichen gehören: robuste digitale Grundlage, Technologie-Plattformen, verbesserte IT-Sicherheit, Vorantreiben von Innovationen und Synchronisierung mit Partnern.

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Altsysteme dürfen die Banken nicht davon abhalten, ihre Erträge zu erhöhen und Geschäftsprozesse aufzubauen, die gleichzeitig flexibel und widerstandsfähig sind.
Altsysteme dürfen die Banken nicht davon abhalten, ihre Erträge zu erhöhen und Geschäftsprozesse aufzubauen, die gleichzeitig flexibel und widerstandsfähig sind.
(Bild: © ra2studio - stock.adobe.com)

Das Finanzwesen hat lange Zeit mit der Cloud-Nutzung gezögert. Doch inzwischen werden immer mehr Anwendungen in die Cloud verlagert, von Kundenmanagement über Personalverwaltung und Finanzbuchhaltung bis zur Risikoanalyse. Laut einer Studie von IDC sollen die Ausgaben für die Public Cloud von 229 Milliarden US-Dollar im Jahr 2019 auf fast 500 Milliarden US-Dollar im Jahr 2023 steigen. Davon entfiele ein Drittel auf drei Branchen: Dienstleistung, Fertigung und Finanzwesen.

Viele Banken entwickeln inzwischen Strategien, um auch ihre Kerndienstleistungen wie Verbraucherzahlungen, Kreditwürdigkeitsprüfung oder Vermögensverwaltung in die Cloud zu migrieren. Dies ist ein bedeutender Wandel, der von mehreren Faktoren angetrieben wird.

Gründe für die Cloud

Eine wichtige Ursache sind Vorgaben von den Regulierungsbehörden. Dazu gehören etwa die Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 (Payment Services Directive2) und Open Banking, die eine sichere und kostengünstige gemeinsame Nutzung von Daten vorschreiben. Gleichzeitig steigt der Druck auf die etablierten Institute durch die nächste Generation von FinTechs. Dabei handelt es sich um „cloud-native“ Banken, die Neukunden innerhalb weniger Minuten remote aufnehmen können. Sie führen neue Dienstleistungen innerhalb von Wochen, wenn nicht sogar Tagen ein und erfüllen Compliance-Anforderungen zu geringeren Kosten.

Etablierte Banken müssen daher ihre Kernsysteme modernisieren und aktuelle Technologien integrieren, um mit dem Wettbewerb und den Compliance-Anforderungen mitzuhalten. Die COVID-19-Pandemie hat dabei häufig einen konkreten Anstoß gegeben und die Bedeutung der Migration von Kernsystemen in die Cloud unterstrichen. Die ungewöhnlichen Anforderungen durch die Pandemie an Systeme und Dienstleistungen haben dazu geführt, dass Finanzdienstleister ihren Ansatz für die digitale Transformation überdenken.

Dabei sollten sie ein besonderes Augenmerk auf eine cloud-orientierte Kultur richten. Dies ist unerlässlich, wenn sich die Branche rasch auf die „neue Normalität“ einstellen will. Sie muss die Cloud nutzen, um auf künftige Regeln, veränderte Kundenwünsche, kommende Technologien und neuartige Angebote von FinTechs zu reagieren. Zur Jahreswende 2020/21 sollten Finanzdienstleister daher ihre Prioritäten am besten bereits gesetzt haben oder noch setzen und die Cloud nicht nur zur Erhöhung von Skalierbarkeit und Kosteneffizienz nutzen.

Zu den neuen Bereichen gehören

Robuste digitale Grundlage. Der Cloud-Markt wächst schnell, und die Auswahl an Angeboten ist inzwischen sehr groß. Während sich die meisten Finanzinstitute für die drei großen Hyperscaler Amazon, Microsoft und Google entscheiden, gewinnen auch andere Anbieter wie IBM, Oracle oder die Deutsche Telekom an Attraktivität. Um das Beste aus beiden Welten zu nutzen, führen viele Unternehmen hybride Clouds ein. Doch diese benötigen eine robuste digitale Grundlage, um die cloud-basierten Lösungen skalierbar, sicher und problemfrei einsetzen zu können. Die COVID-19-Pandemie hat gezeigt, dass sich die Cloud perfekt für Krisensituationen eignet. Eine gut konzipierte digitale Infrastruktur, die von ausfallsicheren Prozessen unterstützt wird, gewährleistet dabei einen ständigen Zugang zu den Systemen und Daten des Unternehmens. Dies ist unabhängig davon, wo sich die Mitarbeiter befinden und welches Gerät sie benutzen.

Technologie-Plattformen. Immer mehr Unternehmen möchten die Komplexität auf verschiedenen IT-Ebenen reduzieren. Dazu verfolgen sie Plattform-basierte Ansätze, die eine schnellere IT-Nutzung ermöglichen. Die physische Infrastruktur wird dabei in cloud-basierte Plattformen abstrahiert. Die Konsolidierung von Daten in Data-Lake-Plattformen ermöglicht bessere Analysen. Zudem werden Softwareprodukte über Funktionsplattformen wie APIgee bereitgestellt. Der Ansatz Continuous Integration/Continuous Delivery (CI/CD) vereinfacht und beschleunigt Entwicklungsprozesse für eine schnellere Markteinführung und reduziert gleichzeitig die Investitionen für die Infrastruktur und den Platz im Rechenzentrum.

Verbesserte IT-Sicherheit. Clouds bieten aktuelle Security-Maßnahmen und sind bei korrekter Implementierung meist sicherer als Server im eigenen Rechenzentrum. Finanzdienstleister verlassen sich seit Jahren auf herkömmliche Kontroll- und Compliance-Verfahren. Doch diese Praktiken sind anfällig für die steigenden Cybergefahren. Während sich spezialisierte Dienstleister auf die Entwicklung robuster Cybersicherheitslösungen für das Finanzwesen konzentrieren, stellen Cloud-Anbieter branchenspezifische Security- und Compliance-Maßnahmen wie End-to-End-Datenverschlüsselung bereit. Dies vereinfacht für Finanzdienstleister die Migration in die Cloud.

Vorantreiben von Innovationen. Die Cloud bildet einen wichtigen Faktor für die Innovationsfähigkeit von FinTechs. Damit können auch herkömmliche Finanzdienstleister neue Technologien und Lösungen wie Augmented Reality (AR), Virtual Reality (VR), Natural Language Processing (NLP), Machine Learning (ML) und das Internet der Dinge (IoT) nutzen. Dann profitieren sie von neuen Prozessen, welche die Interaktion mit Kunden und deren Erfahrung mit tragbaren Echtzeitdiensten verbessern. Während FinTechs im Bereich der cloud-basierten Innovation durch Open-Banking-Plattformen führend sind, setzen einige der etablierten Banken ebenfalls die Cloud ein, um ihre Geschäftsprozesse zu vereinfachen. Dazu gehört etwa die Legitimationsprüfung als Service, um das Kundenerlebnis zu verbessern.

Synchronisierung mit Partnern. Finanzdienstleister arbeiten mit immer mehr internen und externen Partnern zusammen. Dies ist heute entscheidend für ihren Erfolg. Mit Hilfe der Cloud können Unternehmen die verschiedenen Formen der Zusammenarbeit durch gemeinsame Tools und Plattformen integrieren. Das führt zu schnelleren Entscheidungen und verbesserten Innovationszyklen.

Mutig voran Richtung Zukunft!

Rahul Singh, HCL Technologies.
Rahul Singh, HCL Technologies.
(Bild: HCL Technologies)

Altsysteme halten viele Banken davon ab, ihre Pläne für höhere Erträge sowie widerstandsfähige und flexible Geschäftsprozesse zu verwirklichen. Die Cloud hat sich als erfolgreiches Mittel für die Herausforderer im Finanzwesen gezeigt. So sollten auch traditionelle Banken keine Zeit verlieren, um ihre Kernsysteme in die Cloud zu verlagern und für eine sichere Zukunft zu sorgen.

* Der Autor Rahul Singh ist President of Financial Services Division bei HCL Technologies.

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