Azure Virtual Desktop soll leichter einsetzbar sein Das neue Windows 365 – Features und was es kosten soll

Autor / Redakteur: Thomas Joos / Elke Witmer-Goßner

Mit der Bereitstellung von Windows 365 ab dem 2. August dieses Jahres können Unternehmen, Organisationen und Privatpersonen Zugriff auf einen virtuellen PC in der Microsoft-Cloud nehmen. Die Installation eigener Software ist ebenfalls möglich.

Firmen zum Thema

Microsoft hat auf seiner weltweiten Partnerkonferenz Inspire unter anderem den „Cloud-PC“ mit Windows 365 angekündigt, (im Bild die Microsoft-Deutschland-Zentrale in München).
Microsoft hat auf seiner weltweiten Partnerkonferenz Inspire unter anderem den „Cloud-PC“ mit Windows 365 angekündigt, (im Bild die Microsoft-Deutschland-Zentrale in München).
(Bild: Microsoft)

Grundlage des Cloud-PCs mit Windows 365 sind Windows 10 und Windows 11. Ende des Jahres 2021 soll Windows 11 allgemein verfügbar sein. Dann haben Anwender die Wahl in Windows 365 auf Windows 10 oder auf Windows 11 zu setzen. Es ist auf dem System also kein neues Betriebssystem installiert.

Der Cloud-PC von Microsoft lässt sich ab Ende 2021 auch mit Windows 11 nutzen.
Der Cloud-PC von Microsoft lässt sich ab Ende 2021 auch mit Windows 11 nutzen.
(Bild: Microsoft)

Derzeit sind die Editionen Windows 365 Business und Windows 365 Enterprise geplant. Während Windows 365 Business auch ohne Active Directory funktioniert, ist Windows 365 Enterprise abhängig von Microsoft Azure Active Directory. Für die Business-Edition ist also kein Azure-Abonnement notwendig, für die Enterprise-Edition dagegen schon.

Basis von Windows 365 ist Azure Virtual Desktop. Das Patchen und die Aktualisierung des Betriebssystems in der Cloud übernimmt Microsoft. Auf den Systemen läuft dazu der gleiche Verwaltungs-Agent, wie bei PCs auf Basis von Azure Virtual Desktop.

Leichter Zugriff auf Unternehmensanwendungen von jedem Gerät aus

Der Zugriff kann entweder über einen Webbrowser oder einem Remotedesktop-Client erfolgen. Im Fokus des Zugriffs ist der Webclient und damit der Zugriff per HTML5. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Zugriff von Linux, macOS oder anderen Betriebssystemen aus erfolgt. Auch von Tablets, Smartphones, Thin-Clients und allen anderen Geräten aus, die Zugriff auf das Internet haben, ist der Zugriff möglich. Über die Adressen „windows365.microsoft.com“ oder „https://cloudpc.microsoft.com“ erreichen Anwender ihr eigenes PC-Portal und Zugriff auf ihren PC in der Cloud. Microsoft gibt an, dass der PC immer angeschaltet ist.

Anwender erhalten dadurch Zugriff auf alle notwendigen Anwendungen und das auf allen ihren Geräten. Es sind keinerlei Installationen auf den zugreifenden Geräten notwendig, die Programme laufen alle in der Cloud. Wie sich das auf Dauer mit Anwendung verhält, die auf Hardware-Dongles wie USB-Sticks setzen, muss die Zeit zeigen.

Der Zugriff durch Microsoft oder andere auf die Daten des PCs ist nicht möglich, da die Daten verschlüsselt gespeichert sind (Zero-Trust-Prinzip). Die Kosten belaufen sich auf etwa 31 US-Dollar/Monat als Festpreis pro Benutzer für Windows 365 Business. Die Enterprise-Variante wird vermutlich etwas teurer sein. Die Euro-Preise sind aktuell noch nicht bekannt. Das Buchen des Angebotes ist ab dem 02. August 2021 möglich.

Wie die Umgebung funktioniert, zeigt das Video „Nunavut lights up the north with Windows 365“:

Windows 365 und Microsoft 365 nutzen

Natürlich arbeitet Windows 365 auch eng mit den anderen Cloud-Diensten von Microsoft zusammen. Microsoft 365 und Dynamics 365 lassen sich leicht anbinden. Es gibt aber keine Abhängigkeiten. Es ist kein Abonnement von Microsoft Azure notwendig und auch kein Abonnement von Microsoft 365 um einen PC mit Windows 365 zu nutzen.

Windows 365 arbeitet eng mit Microsoft 365 zusammen und ist auch in das entsprechende Portal integriert. Für den Zugriff ist ein Abo notwendig.
Windows 365 arbeitet eng mit Microsoft 365 zusammen und ist auch in das entsprechende Portal integriert. Für den Zugriff ist ein Abo notwendig.
(Bild: Microsoft)

Cloud-PCs mit Windows 365 lassen sich problemlos mit Microsoft Azure Active Directory verknüpfen, sodass auch die anderen Cloud-Dienste von Microsoft leicht zu integrieren sind. Auch die Anbindung an virtuelle Netzwerke in Microsoft Azure ist möglich. Diese Funktionen liegen vor allem im Fokus von Windows 365 Enterprise.

Kein VPN nötig bei Zugriff auf die eigene Arbeitsumgebung

Windows 365 ist also ein neuer Cloud-Dienst von Microsoft für Privatanwender und Unternehmen. Einzelpersonen können einen einzelnen PC genauso buchen, wie Unternehmen hunderte oder tausende Instanzen. Im Fokus stehen aber vor allem Unternehmen oder Freiberufler, die an mehreren Orten Zugriff auf die gleiche Arbeitsumgebung haben wollen.

Mit Windows 365 können sich Benutzer von überall auf der Welt und zu jeder Zeit mit ihrer gewohnten Arbeitsumgebung verbinden, ohne zuvor ein VPN aufbauen und konfigurieren zu müssen. Unternehmen, die zahlreiche Instanzen buchen wollen, können den PC über Microsoft Endpoint Manager verwalten. Die Einrichtung erfolgt mit wenigen Klicks und ist auch problemlos für Endanwender durchführbar. Es ist kein Fachwissen für Virtualisierung notwendig, wie zum Beispiel bei der Verwendung von Azure Virtual Desktop.

Windows 365 versus Azure Virtual Desktop

Windows 365 basiert auf Azure Virtual Desktop. Mit Azure Virtual Desktop bietet Microsoft bereits einen ähnlichen Dienst an, der aber wesentlich komplexer in Einrichtung und Verwaltung ist. Dafür bietet der Dienst mehr Flexibilität für Profis. Vor allem große Unternehmen setzen auf Azure Virtual Desktop. Mit Windows 365 sollen auch kleinere und mittlere Unternehmen davon überzeugt werden Windows in Zukunft aus der Cloud zu nutzen.

Aus diesem Grund sollen zunächst Windows 365 und Azure Virtual Desktop weiterhin parallel zum Einsatz kommen. Windows 365 soll leichter in der Einrichtung und im Planen der Kosten sein, als Azure Virtual Desktop. Es gibt einen monatlichen Festpreis für Benutzer. Der PC kann rund um die Uhr in Betrieb bleiben, ohne zusätzliche Kosten zu verursachen. Das erleichtert auch den Zugriff, da Anwender den PC nicht erst starten müssen.

Sicherheit und Datenschutz in Windows 365

Der Fokus von Windows 365 ist der Zero-Trust-Ansatz. Durch die Verschlüsselung der Daten kennt auch Microsoft nicht die Schlüssel, um auf die Daten des Cloud-PCs zugreifen zu können. Für die Authentifizierung unterstützt Windows 365 natürlich Multifaktor-Authentifizierung (MFA). In Unternehmen können Administratoren mit Sicherheitsrichtlinien arbeiten, genauso wie bei physischen PCs. Auch hier ist die Verwendung von Microsoft Endpoint Manager sicherlich der ideale Weg.

Microsoft Defender for Endpoint funktioniert in lokalen Installationen von Windows 10 und Windows 11 genauso wie in Windows 365. Dazu kommt die Verschlüsselung von Windows 365.Diese bezeichnet Microsoft als „flächendeckend“. Alle verwalteten Festplatten, auf denen Cloud-PCs laufen, sind verschlüsselt, alle gespeicherten Daten sind im Ruhezustand verschlüsselt, und der gesamte Netzwerkverkehr zu und von den Cloud-PCs ist ebenfalls verschlüsselt.

Bildergalerie

Editionen von Windows 365 – Business und Enterprise

Windows 365 wird zunächst mit den beiden Editionen „Business“ und „Enterprise“ verfügbar sein. Die Business-Edition richtet sich an Unternehmen mit bis zu 300 Mitarbeitern. Zum Preis von 31 US-Dollar/Monat erhalten Unternehmen Cloud-PCs mit zwei vCPUs, 4 GB RAM und 128 GB Speicherplatz. Es ist aber zu erwarten, dass zahlreiche Konfigurationsoptionen zur Verfügung stehen werden.

Die Enterprise-Edition soll Zugriff auf Azure Active Directory voraussetzen. Hier besteht die Möglichkeit einer Abhängigkeit von einem Azure-Abonnement. Azure AD Domain Services werden aktuell nicht unterstützt. Auch bei der Enterprise-Edition erhalten Administratoren keinerlei direkten Zugriff auf die VM von Windows 365. Die Verwaltung erfolgt ausschließlich im Microsoft Endpoint Manager.

(ID:47526831)

Über den Autor

 Thomas Joos

Thomas Joos

Freiberuflicher Autor und Journalist