Nutanix Third Annual Enterprise Cloud Index Das deutsche Rechenzentrum hält sich tapfer

Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Elke Witmer-Goßner

IT-Teams in Deutschland finden die hybride Cloud-IT-Architektur ebenso großartig wie die meisten ihrer Kollegen in Europa und der ganzen Welt. Allerdings wird hierzulande viel häufiger ein gemischtes Modell aus nicht integrierten Clouds und Rechenzentren betrieben als in jedem anderen Land.

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Das Rechenzentrum behält also seine Berechtigung – aber es benötigt eine moderne Infrastruktur, um ein gemischtes Modell maximal unterstützen zu können.
Das Rechenzentrum behält also seine Berechtigung – aber es benötigt eine moderne Infrastruktur, um ein gemischtes Modell maximal unterstützen zu können.
(Bild: gemeinfrei© DavidRockDesign / Pixabay )

Das ist das zentrale Ergebnis einer sehr umfangreichen Zusatz-Erhebung zum „Third Annual Enterprise Cloud Index“ von Nutanix. Zum dritten Mal in Folge hat das Unternehmen Mitte des Jahres 3.400 IT-Entscheidungsträger auf der ganzen Welt durch Vanson Bourne darüber befragen lassen, wo sie ihre Geschäftsanwendungen aktuell ausführen, wo sie sie in Zukunft betreiben wollen, was ihre Cloud-Herausforderungen sind und wie sich ihre Cloud-Initiativen gegen andere IT-Projekte und -Prioritäten verhalten. In diesem Jahr sollten die Befragten auch zu den Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf aktuelle und zukünftige IT-Infrastrukturentscheidungen Auskunft geben.

Wie Deutschland in den entscheidenden Infrastrukturfragen tickt

Und hier gleich die vier wichtigsten Ergebnisse der Deutschland-spezifischen Studie:

  • 1. Wie eingangs erwähnt weist Deutschland unter allen befragten Ländern die höchste Rate an IT-Infrastruktur mit gemischtem Modell auf. Mehr als die Hälfte (52 Prozent) der deutschen Befragten berichteten, dass sie einen Mix aus nicht integrierten Public Clouds, privaten Clouds und traditionellen nicht-cloud-fähigen Rechenzentren betreiben.
  • 2. Die Hybrid Cloud bleibt für die Mehrheit der befragten Deutschen das ideale IT-Betriebsmodell. Drei Viertel (75 Prozent) deutsche Unternehmen wählten die Hybrid Cloud als ihr Modell. Bemerkenswert ist jedoch, dass dies im Jahr 2019 noch 87 Prozent erklärten.
  • 3. Sicherheit, Skalierbarkeit und Kosten sind die wichtigsten Faktoren bei der Entscheidung für oder gegen eine neue IT. Die deutschen Befragten legen aber viel mehr Wert auf Skalierbarkeit (13 Prozent) als der globale Durchschnitt (5 Prozent).
  • 4. Deutsche Unternehmen sind selbstbewusster oder in ihren aktuellen IT-Strategien beharrlicher als ihre Kollegen in anderen Ländern. Mehr als ein Drittel der deutschen Befragten (38 Prozent) sagte, dass sich ihre Infrastruktur-Strategien im vergangenen Jahr nicht geändert hat. Auch erwartet ein Viertel (26 Prozent), dass sich ihre Anwendungsstrategien im kommenden Jahr nicht ändern werden, verglichen mit lediglich 9 Prozent weltweit.

Darüber hinaus untersuchte die dritte Studie des Enterprise Cloud Index weitere Aspekte der IT-Bereitstellung in deutschen Unternehmen, teils sehr umfangreich. Wir beleuchten im Folgenden verschiedene wichtige Aspekte:

Makrotrends am Arbeitsplatz

Der aktuelle Index ergab, dass global agierende Unternehmen in den nächsten fünf Jahren massiv in Hybrid Cloud-Architekturen investieren werden, und die deutschen Befragten folgen im Allgemeinen diesem Trend. Zum dritten Mal hintereinander wurde die Hybrid Cloud sowohl von deutschen Befragten als auch von anderen weltweit als ideales IT-Betriebsmodell genannt. Allerdings bewerteten – wie gesehen - in diesem Jahr weniger Deutsche die Hybrid Cloud als ihr ideales Umfeld (75 Prozent). Der globale Durchschnitt tut dies zu 87 Prozent, auch die Deutschen erklärten dies noch 2019 zu ebenfalls 87 Prozent.

Unabhängig davon, ob ein einziges IT-Modell die einzige Infrastruktur ist oder nicht, ist klar, dass Unternehmen in Deutschland und anderswo sich auf den Weg gemacht haben, die Hybrid Cloud-Nutzung in Angriff zu nehmen und auszubauen. Dafür werden in der Regel traditionelle, nicht Cloud-fähige Rechenzentren aufgegeben.

Doch es gibt Hürden: Beispielsweise sind Management-Tools, die über unterschiedliche Cloud-Plattformen hinweg funktionieren, Unternehmen tun sich darüber hinaus schwer, IT-Nachwuchs zu finden. Der Fachkräftemangel behindert die Umsetzung neuer Projekte und Ideen. Entsprechend gaben mehr als ein Viertel der befragten Deutschen (26 Prozent) an, dass ihre IT-Kenntnisse für die Verwaltung von Hybrid Cloud-Umgebungen nicht ausreichten.

Das passiert in der deutschen IT

Mit 52 Prozent betreiben deutsche ITler doppelt so häufig ein gemischtes Modell als ihre Kollegen weltweit. Auch werden Public Clouds hierzulande weniger genutzt als anderswo. Dennoch oder vielleicht gerade deswegen berichteten die deutschen Befragten von ehrgeizigen Plänen zur Stilllegung und Weiterentwicklung hin zu hybriden Modellen. Letztere sollen nach den Vorstellungen der Befragten in den nächsten fünf Jahren von derzeit 9 Prozent Anteil auf 36 Prozent wachsen. Im selben Zeitraum erwarten die Deutschen praktisch keine Änderungen in ihrer ohnehin begrenzten Nutzung von Public-Cloud-only-Umgebungen, für den zunehmenden Einsatz privater Clouds sprechen sie sich jedoch sehr wohl aus.

Hybrid Cloud: Ihr Versprechen und ihre Herausforderungen

Warum rangiert die Hybrid-Cloud-Infrastrukturoption bei IT-Abteilungen weiterhin so hoch? Die dritten jährlichen EBI-Antworten deuten darauf hin, dass es bei dem Appell im Allgemeinen weniger um Kostensenkungen geht, was vor einem Dutzend Jahren der erste Gewinn für Cloud Computing war, sondern mehr um die Verbesserung des Betriebs und der Art und Weise, wie Geschäfte durchgeführt werden können.

Verbesserung der organisatorischen Ergebnisse

Warum tun die deutschen Unternehmen in Sachen IT das, was sie tun? Im Allgemeinen geben die meisten Befragten an, dass sie sich von ihren aktuellen IT-Bereitstellungsmodellen in erster Linie deswegen entfernen, um bessere Geschäftsergebnisse zu erzielen. Insbesondere drei große Vorteile werden erwartet:

  • 1. Erhöhte Flexibilität zur Deckung der Geschäftlichen (71 Prozent).
  • 2. Erhöhte Geschwindigkeit für die Bereitstellung von Geschäftsanforderungen (61 Prozent).
  • 3. Bessere Unterstützung für Remote-Arbeiten (58 Prozent).

Deutschland legt viel mehr Wert auf die Erhöhung der Flexibilität als der Rest der Welt. Auch Schnelligkeit und Unterstützung für Fernarbeit stehen deutlich höher im Kurs. Auf eine Senkung der Kosten wagen die Deutschen durch die Einführung neuer IT-Infrastrukturen, lediglich zu einem Viertel zu hoffen. Den Kollegen weltweit geht es da aber auch nicht besser.

Adoptionshindernisse

Die meisten Befragten gaben wie gesagt an, dass sie sich im Prozess des Übergangs zur beschriebenen Hybrid-Cloud-Infrastruktur befinden. Doch für die meisten etablierten Unternehmen passieren solche Übergänge nicht von heute auf morgen. Legacy-Anwendungen können z. B. die Beibehaltung älterer Infrastrukturen für eine Weile rechtfertigen.

Zu den größten Herausforderungen, die globale Befragte bei der Umstellung auf und der Wartung von hybriden Cloud-Umgebung genannt wurden, gehörten Sicherheit, die Integration von Daten über verschiedene Cloud-Umgebungen hinweg und das Management von Workloads in diversen Umgebungen. Deutschland legte noch mehr Wert auf Sicherheit und nennt die damit verbundenen Themen Data Governance und Compliance als oberste Herausforderungen.

Anwendungstrends

Bei der Befragung im vergangenen Jahr hatte sich ein Trend abgezeichnet, Anwendungen aus der Public Cloud wieder in die privat verwaltete Infrastruktur zu übertragen. Entsprechend stieg die Nutzung traditioneller, nicht-cloud-fähiger Rechenzentren von 2018 bis 2019 überraschend sogar leicht an. Aus diesem Grund wurden dieses Jahr Fragen gestellt, die den Reiz der Wiedereinführung von Apps in den lokalen Bereich erklären sollten.

Um es kurz zu machen: Offenkundig waren es Sorgen bezüglich einer mangelnden Sicherheit sowie eines gefährdeten Datenschutzes, die zum Rückzug rieten. Auch wollten die deutschen Anwender dadurch eine „Verbesserung der Geschwindigkeit des Datenzugriffs“ erreichen.

Die Auswirkungen von COVID-19 auf die IT in Deutschland

Die Mehrheit der für den Enterprise Index Befragten gab an, dass die COVID-19-Pandemie der IT im Unternehmen eine neue, strategischere Rolle gegeben hat. Zwei Drittel (67 Prozent) der deutschen Befragten stimmten dem zu. Die Pandemie hat Cloud Computing auf breiter Linie durchgesetzt, dessen sind sich alle Beteiligten wohl bewusst. Durch COVID-19 lassen fast alle Befragten in Deutschland einen Teil ihrer Arbeitnehmer von zu Hause aus arbeiten. Über ein Drittel der deutschen Befragten gaben an (38 Prozent), ihre IT-Infrastruktur wegen COVID-19 aufgerüstet zu haben, 46 Prozent fügten neue Kommunikations- und Collaboration-Tools hinzu.

Schlussfolgerungen

Um ihr ideales Hybrid Cloud-IT-Modell zu erreichen, müssen deutsche Unternehmen diese unterschiedlichen Cloud-Infrastrukturen integrieren. Dabei behält das Rechenzentrum seine Berechtigung: Die deutschen Befragten gaben an, dass sie den Einsatz von nicht-cloud-fähigen Rechenzentren in den nächsten drei bis fünf Jahren von 17 Prozent auf 4 Prozent reduzieren wollen. Ihre Hybridinfrastruktur soll im gleichen Zeitraum um 27 Prozentpunkte auf 36 Prozent steigen. Trotz des ehrgeizigen Umstiegs auf Hybrid-Cloud-Architekturen planen 34 Prozent der befragten Deutschen, in drei bis fünf Jahren weiterhin nicht integrierte Mixed-Infrastruktur-Modelle zu fahren. Aktuell tun dies 52 Prozent.

Das deutsche Rechenzentrum behält also seine Berechtigung – aber es benötigt eine moderne Infrastruktur, um das gemischte Modell maximal unterstützen zu können.

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Dr. Dietmar Müller

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