Sage dämpft die Euphorie Corona-Schub hinein in die Cloud bislang ausgeblieben

Autor / Redakteur: Dr. Dietmar Müller / Elke Witmer-Goßner

Die Corona-Krise hat die Digitalisierung in Deutschland vorangetrieben, das ist das allgemeine Credo dieser Tage. Nun schüttet Sage Wasser in den Wein: Die Fortschritte beschränkten sich vorrangig auf Technologien für die Umstellung auf Homeoffice und Videokonferenzen. Eine umfassende digitale Transformation finde nicht statt.

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Beschränken sich die Fortschritte in Sachen Digitalisierung vorrangig auf Technologien für die Umstellung auf Homeoffice und Videokonferenzen?
Beschränken sich die Fortschritte in Sachen Digitalisierung vorrangig auf Technologien für die Umstellung auf Homeoffice und Videokonferenzen?
(Bild: gemeinfrei© Gerd Altmann / Pixabay )

Es ist nicht zu leugnen: Im Vergleich zum Vorjahr haben im deutschen Mittelstand 2020 bestimmte digitale Projekte erheblich an Tempo zugelegt. Laut dem der Deutschen Telekom ging es vor allem beim Einsatz mobiler Endgeräte und der Implementierung von Tools voran – besonders in den Bereichen Kommunikation und Kollaboration. Auch der Schutz und die Sicherheit von Daten wurden verbessert, da Tools in der Cloud, privates WLAN und ungesicherte Arbeitsräume im Homeoffice in dieser Hinsicht neue Herausforderungen mit sich bringen.

Digitalisierungsschub nicht erkennbar

Die Digitalisierungsbemühungen vieler Unternehmen beschränken sich damit vorrangig auf Technologien für die Umstellung auf Homeoffice und die Verbesserung und Flexibilisierung von Arbeitsabläufen. Mithilfe moderner IT-Anwendungen und digitaler Prozesse konnten die Betriebe in der Pandemie ihre Geschäftsabläufe aus dem Homeoffice heraus aufrechterhalten und so die Folgen der Corona-Krise zumindest teilweise abfedern.

Der große Schub in Richtung digitale Transformation sei allerdings ausgeblieben, urteilt Mittelstandexperte Sage und verweist auf die IHK-Digitalisierungsumfrage 2021. Demnach sind die meisten Betriebe in den vergangenen Jahren bei der Digitalisierung kaum vorangekommen. Als Hauptgründe nannten die 3500 Befragten die hohe Komplexität bei der Umstellung von Systemen und Prozessen (45 Prozent), hohe Kosten (40 Prozent) und fehlende zeitliche Ressourcen (38 Prozent).

Auch in der deutschen Bevölkerung würden die langsamen Fortschritte bei der Digitalisierung bemängelt, hier verweist Sage auf den Digitalreport 2021 des European Center for Digital Competitiveness zeigt. Schlechte Noten gibt es vor allem für den staatlichen Bereich: Nur 16 Prozent der Deutschen sind der Meinung, dass die Digitalisierung und Vernetzung der Behörden in ausreichendem Maße vorangetrieben werden. 2019 hatten dies noch 25 Prozent angegeben. Auch im Gesundheitswesen sehen nur noch 26 Prozent der Befragten eine nennenswerte digitale Weiterentwicklung. 2019 waren es noch 38 Prozent.

IT-Budgets stagnieren vielerorts

Warum geht es nicht vorwärts in die Cloud? Nun, der laut Statistischem Bundesamt stärkste Wirtschaftsrückgang seit der Finanzkrise 2008/2009 zwingt viele Firmen zu Sparmaßnahmen, die sich auch auf die IT-Budgets auswirken. Als Beleg für diese These führt Sage eine Studie des Branchenverbands Bitkom vom Herbst 2020 an. Demnach wurden neben den erhöhten Datensicherheitsanforderungen sowie dem anhaltenden Fachkräftemangel mit 43 Prozent deutlich häufiger fehlende finanzielle Mittel als Hürden der Digitalisierung genannt. Im April 2020 hatten diesen Grund noch 25 Prozent, 2019 sogar nur 20 Prozent angegeben.

Wie der eingangs erwähnte Digitalisierungsindex Mittelstand 2020/2021 zudem belegt, wurde die Investitionsbereitschaft unter anderem in den Bereichen Virtual/Augmented Reality, Künstliche Intelligenz (KI) und Robotik zurückgestellt – also für Zukunftstechnologien, mit denen sich Unternehmen für künftige Anforderungen wappnen und Wettbewerbsvorteile sichern könnten.

Diese Entwicklung ist nachvollziehbar, kann aber fatale Folgen für die Zukunft haben, warnt Oliver Henrich, Vice President Product Engineering Central Europe bei Sage: „Dass die Digitalisierung entscheidend zur Handlungs- und Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen beiträgt, dürfte inzwischen unbestritten sein. Wer das Thema jedoch wirklich ernst nimmt, muss dafür auch eine solide IT-Basis in Form einer offenen, intelligenten und anpassbaren IT-Architektur schaffen. Wichtig sind in diesem Zusammenhang auch Investitionen in Zukunftstechnologien wie KI. Gerade in wirtschaftlich angespannten und volatilen Krisenzeiten können sie Unternehmen helfen, verlässliche Markt- und Nachfrageprognosen zu erhalten. Damit bleiben Betriebe nicht nur handlungsfähig, sondern behalten auch in unübersichtlichen Zeiten den Überblick über ihre Abläufe.“

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Dr. Dietmar Müller

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